Historische mathematische Schreibweisen

30/04/2008 - 02:35 von Hans-J. Ude | Report spam
X-post, F'up to de.sci.mathematik

Ich habe vor Kurzem einen interessanten Dachbodenfund gemacht. Das
handschriftliche Manuskrip für ein Buch über Physik mit dem Titel
"Entwurf einer Physik auf hydrodynamischer Grundlage". Mehr dazu
weiter unten. Der Autor war mein Großonkel und jetzt bin ich am
überlegen ob ich es abschreibe, um zu versuchen es wenigstens
ansatzweise zu verstehen. Eine gewisse mathematische Basis habe ich
wie ich meine, wenns auch lange her ist. Oder um es Jemandem zu geben
der ausreichendes Fachwissen hat. Es ist kein exaktes Datum angegeben,
aber ich schàtze es auf ca. 1920-1927.

Der mathematische Schwerpukt liegt m.E. auf dem Gebiet
Differentialgeometrie. Um so erstaunlicher, dass ich beim
Durchblàttern nirgends einen Laplace- oder Nabla Operator gesehen
habe, die müssten einem doch bei dem Thema sofort ins Auge springen.

Das mit dem Abschreiben wird natürlich hart und weiss noch nicht, ob
ich das auf mich nehme. Ca. 200 Seiten handschriftlich in Sütterlin,
was ich mir momentan noch mühsam zusammenstottern muss. Und das Alles
gespickt mit Formeln und Herleitungen, die schon ab ca. Seite 20 so
richtig ins Eingemachte gehen. Dann gibt es noch Schreibweisen, die
teils deutlich von den uns Gelàufigen unterscheiden. Ich hab's mal
flüchtig angelesen bis ca Seite 10 und treffe auf Folgendes:

Das Buch beginnt mit mathematischen Grundlagen. Vektoren werden GROSS
geschrieben Das Kreuzprodukt, wie wir es als

c = a x b notieren wird mit eckigen Klammern in der Form

C = [A B] notiert. Für das Skalarprodunkt werden runde Klammern
verwendet. Was ich im Wikipedia unter "Kreuzprodukt" als
Graßmann-Identitàt gefunden habe ist notiert als

[A [B C]] = B (A C) - C (A B) oder
[A [B C]] + [A [B C]] + [A [B C]]

Allerdings ohne dass der Begriff "Graßmann-Identitàt" explizit erwàhnt
wird.

Die Pfeilsymbole sowie den Begriff des Einheitsvektors scheint es noch
nicht zu geben. Wenn ich wirklich anfangen sollte das abzuschreiben,
werde ich es wohl so gut es geht in moderne Schreibweise übersetzen,
auch wenn das natürlich eine weitere potenzielle Fehlerquelle ist. Mal
sehen was mich an ungewohnten Schreibweisen noch so erwartet. Wenn ich
auf Probleme stoße melde ich mich wieder hier.

Zur Physik:
Allein nach dem Titel "Entwurf einer Physik auf hydrodynamischer
Grundlage" scheint mir das doch ein sehr gewagter Ansatz zu sein. Ich
denke das kann man sagen auch ohne groß was von Hydrodynamik zu
verstehen. Das ist doch eher ein Teilgebiet der Physik als ein
Schlüssel zu ihr. Liegt wohl daran, dass es das Spezialgebiet des
Autors war. Unsinn, bloße Zusammenstelleung von Althergebrachtem oder
genial? Das kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. In
mir kàmpft jetzt die Neugier gegen den inneren Schweinehund. Aber wenn
der Schweinehund gewinnt, erfahre ich's nie. Das Werk scheint
überigens unvollendet zu sein. Es endet einfach auf Seite 195. Auf
Seite 196 steht noch die Seitennummer und das war's dann.

Eine Leseprobe gibt's hier:
http://www.wolptec.de/Hydrodynamik.jpg

Mal das kurze Literaturverzeichnis von Seite 8 im Klartext:

Abraham-Föppl Theorie der Elektrizitàt Teubner Lpz.
Runge Vektoranalysis Hirzel " 1919
Enzyklopàdie d.Math. Wisenschaften
Valentiner Vektoranalysis Göschensammlung 354.

Gruß,
Hajü
 

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#1 Hans-J. Ude
30/04/2008 - 03:04 | Warnen spam
Hans-J. Ude schrieb:

[A [B C]] = B (A C) - C (A B) oder
[A [B C]] + [A [B C]] + [A [B C]]



[A [B C]] + [B [C A]] + [C [A B]] = 0 sollte das heißen.
Geht schon los mit den Abschreibfehlern ;-) Recycling error
(copy/patste).

Hajü

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