HöMa ausreichend für Physik?

29/10/2008 - 23:08 von Karl M. | Report spam
Hallo,

ich habe jetzt angefangen, Physik zu studieren.

Von vielen Berichten anderer Physiker (von anderen Unis meistens)
wurde mir vermittelt, dass man in Physik sehr viel Mathe macht und
dass man die mathematische Denkweise (Beweisführung und so) braucht,
um vernünftig Physik betreiben zu können.

Was mir an der Uni jedoch begegnet, ist eine Vorlesung namens
"Höhere Mathematik", zusammen mit den E-Technikern.
Bisher habe ich nur drei Vorlesungen gesehen, weil das Semester
gerade erst angefangen hat. Mein Eindruck ist, dass es hauptsàchlich
um angewandte Mathematik geht. Der Dozent betont das auch oft. Man
lernt eher so "Rechenmethoden". Auf dem Übungszettel soll man
hauptsàchlich irgendwelche Gleichungen auflösen. Ein Blick in die
Protokolle àlterer Stundenten zeigt mir, dass das auch so bleibt.
Zwar ist immer eine Aufgabe, die nicht nur rechnen abverlangt dabei
("zeigen Sie ..."), aber irgendwie habe ich mir das komplett anders
vorgestellt. Ich dachte, man beweist in Mathe auch ab und an mal
etwas, weil ich das auch recht spannend finde. Außerdem finde ich
diese ganzen Formeln, die vom Himmel fallen echt schwer
nachzuvollziehen, weil ich den Anspruch habe, das irgendwie zu
verstehen.
Ich kann mir zwar vorstellen, dass es für Physiker nicht unbedingt
wichtig ist, _jede_ Kleinigkeit bewiesen zu haben, wie die "es gibt
nur eine Null" oder so. Aber einen Beweis sollte man schon führen
können, oder?

Braucht man als Physiker wirklich so geringe Mathe-Kenntnisse?
Ich habe irgendwie Angst, dass ich mir durch solche komplett
angewandten Vorlesungen irgendwie den Weg in die theoretische Physik
verbaue.
Ich weiß zwar noch nicht, ob ich Theoretiker werden will, aber ich
will es zumindest nicht ausschließen.

Daher würde ich gerne wissen, was ihr davon haltet, wenn Physiker
"nur" angewandte Mathematik lernen, und ob das ausreicht, um ein
ordentlicher Physiker zu werden.

danke schonmal

Karl
 

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#1 Hans
29/10/2008 - 23:43 | Warnen spam
Karl M. schrieb:
Hallo,

ich habe jetzt angefangen, Physik zu studieren.




[]


Braucht man als Physiker wirklich so geringe Mathe-Kenntnisse?
Ich habe irgendwie Angst, dass ich mir durch solche komplett
angewandten Vorlesungen irgendwie den Weg in die theoretische Physik
verbaue.
Ich weiß zwar noch nicht, ob ich Theoretiker werden will, aber ich
will es zumindest nicht ausschließen.

Daher würde ich gerne wissen, was ihr davon haltet, wenn Physiker
"nur" angewandte Mathematik lernen, und ob das ausreicht, um ein
ordentlicher Physiker zu werden.

danke schonmal



Ich studierte von 1964 bis 1971 "angewandte Physik", d.h.,
Meteorologie. Und egal, welches physikalische Fach es ist: Physik
ohne Mathematik geht nicht (umgekehrt, Mathematik ohne Physik
geht schon). Und für die Hauptvorlesung in Theoretischer
Meteorologie über 6 Semester (hauptsàchlich Thermodynamik und
Aero- und Hydrodynamik) war die entsprechende "höhere Mathematik"
unabdingbar. Wobei es sozusagen "reichte", zu wissen, DASS die
Ableitung des Sinus der Cosinus ist. Die mathematische Herleitung
hat man irgendwann mal in einer Mathematikvorlesung gehört, doch
in der praktischen Anwendung brauchte man das nicht mehr beweisen
zu können. Analoges gilt für die in der Meteorologie reichlich
vorkommenden Differentialgleichungen und den Umgang mit ihnen.

Wobei, wenn man nicht in die Forschung geht, sondern wie ich in
die Praxis (Meteorologe im Flugsicherungswetterdienst) ist das
Studium zwar eine Voraussetzung, doch kann man die ganze Theorie
getrost vergessen, weil die Praxis doch ganz anders ist. Das ist
aber im Prinzip auch für Mediziner oder Juristen oder welches
Fach auch immer genau so.

Hans

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