I-Miev, iOn und C-Zero

27/03/2011 - 16:30 von Martin Kobil | Report spam
Hallo,

mittlerweile stehen sie in den Autohaeusern von Mitsubishi, Peugeot
und Citroen. Die 3 nahezu bauglichen Elektroautos. Ich hatte kuerzlich
das Vergnuegen mit dem Mitsubishi I-Miev eine Probefahrt zu machen.

Das Auto bietet so ziemlich alles, was man heute grundsaetzlich von
einem Auto erwartet: 6 Airbags, ABS, ESP, Servolenkung, Klimaanlage,
ZV mit Fernbedienug, Alufelgen, Waermeschutzverglasung,
Nebelscheinwerfer, Tagfahrlicht, Aussenspiegel elektrisch einstellbar/
beheizbar/anklappbar,

Was man bei einem 3,47m kurzen Auto allerdings nicht erwartet ist das
reichhaltige Platzangebot im Innenraum. Das liegt u.a. an den
unterflur platzierten Akkus und dem bauartbedingt kleinen Heckmotor
mit Hinterradantrieb. Das schafft Platz in der Laenge. Die grosse
Kopffreiheit und die erhohete Sitzposition wird ganz einfach durch ein
in die Hoehe gebautes Auto erreicht. Irgendwie errinnert der Aufbau
ziemlich an den Smart, halt anstatt mit 2 Stitzplaetzen hier mit 4.
Oder vielleicht noch mehr an den Audi A2, bei dem auch die A-Saeulen
bei der Uebersichtlichkeit etwas stoerend sind. Was ich vergessen habe
abzuklaeren ist, ob der I-Miev auch eine Alukarosserie hat, das hatte
ich naemlich mal irgendwo gelesen.

Akkus:
Wie gesagt, die Fahrakkus sind unterflur montiert und nehmen somit
keinen Platz im Innenraum weg. Es handelt sich um 88 in Reihe
geschaltete LiMn2O4 Akkus mit der Typenbezeichnung LEV50 von der Firma
Yuasa:
http://www.gsyuasa-lp.com/Products/...-LEV50.pdf
Genauer genommen sind es wohl 22 Stueck LEV50-4, welche immer 4 in
Reihe geschaltete LEV50 in einer Box enthalten. Bei 1,7kg und 88
Stueck wiegt der Akku also 150kg. Einer hat 3,7V und 50Ah, was dann
rechnerisch eine Gesamtkapazitaet von 16,28kWh ergibt. Laut
technischen Daten des Autos sind es 16kWh und 330V.

Das Bordnetz hat einen eigenen Akku mit 12V/27Ah, welcher beim
Ladevorgang des Fahrakkus am Netz mitgeladen wird bzw. bei Bedarf bei
der Fahrt aus dem Fahrakku geladen wird. Ich vermute mal, dass das aus
Sicherheitsgruenden so ist, damit man nicht mit leerem Fahrakku stehen
bleibt und dann auch kein Licht mehr hat. Konvertierte Elektroautos
verwenden meist einen DC/DC Wandler um auf die 12V Bordspannung zu
kommen.

Aufladung:
Das Auto hat 2 Tankdeckel. Links hinten ist der Schnellladeanschluss
nach dem CHAdeMO Standard. Damit laesst sich das Auto in 30 Minuten zu
80 Prozent vollladen. Rechts hinten ist der Standard-Ladeanschluss. Da
steckt man ein Kabel mit Schukostecker ein und kann das Auto mittels
dem eingebauten Ladegeraet an einer normalen Schukosteckdose 230V/16A
in 6 Stunden komplett (100 Prozent) aufladen. Bei mir persoenlich
natuerlich nicht mit Kohlestrom oder gar strahlendem Atomstrom,
sondern selbstverstaendlich mit CO2 neutralem Photovoltaikstrom aus
eigener Produktion :-)

Motor:
Permanentmagnetischer Synchronmotor mit 35kW Nennleistung, maximal
8000 Umdrehungen/min und einem Drehmoment von 180Nm vom Stand aus.
Angegeben ist in den technischen Daten die maximale Leistung von 49kW.
Ich denke die maximale Leistung haengt nicht unbedingt vom Motor ab,
sondern vom maximalen Entladestrom des Akkus. Bei dem 16,28kWh Akku
entsprechen die 49kW naemlich genau 3C.

Getriebe:
Sieht optisch im Innentraum wie ein Automatikgeriebe aus, ist aber in
Wirklichkeit ein Getriebe mit einer festen Achsuebersetzung von 6,066.
Hat die Modis:

P - Parken
D - Drive mit Energierueckgewinnung wenn man vom Gas geht
B - Brake mit starker Energierueckgewinnung (Bergabfahrt)
C - Comfort mit geringer Energierueckgewinnung
R - Rueckwaertsgang (natuerlich elektronisch, nicht uebers Getriebe)

Man muesste mal den Reifenumfang (175/55 R 15), die Achsubersetzung
und die angegebene Hoechstgeschwindigkeit von 130 km/h ausrechenen, ob
man damit genau auf die 8000 Umdrehungen/Minute kommt!?

Kuehlung:
Hat eine klassische Wasserkuehlung mit einem Frontkuehler mit welchem
Motor und Akkus gekuehlt werden. Die anfallende Waerme wird natuerlich
auch zu Innenraum-Heizzwecken genutzt. Inwieweit die sonstige Heizung
eventuell mittels "umgedrehter" Klimaanlage oder einem elektrischen
Heizregister funktioniert, habe ich leider vergessen abzuklaeren.

Verbrauch:
Laut technischen Daten (NEFZ, ECE R101) 13,5kWh/100km.
In der Praxis kann man das wohl noch eher unterbieten. Gerade wenn man
weder Heizung noch Klimaanlage an hat, kommt man wohl schonmal auf nur
10kWh/100km. Wohlgemerkt, thermisch umgerechnet entspricht das einem
Verbrauch von 1 Liter Benzin auf 100km bei einem Verbrennungsmotor.
http://www.spritmonitor.de/de/detai...42374.html
http://www.spritmonitor.de/de/detai...26175.html

@Harald: Alle angegebenen Verbraeuche sind selbstverstaendlich ab
Steckdose. Habe ich extra nochmal abgeklaert.

Kurzer Fahrbericht:
Das Auto ist leicht zu bedienen. Das "Zuendschloss" ist einem
Verbrennungsmotor nachempfunden und man muss wie bei einem
Verbrennungmotor mal kurz nach Rechts drehen, damit das Auto
fahrbereit ist. Dann mit dem rechten Fuss auf die Bremse gehen und von
den "Getriebehebel" von P nach D stellen. Wenn man jetzt den Fuss von
der Bremse nimmt, rollt da Auto schon leicht und wenn man "Gas" gibt,
beschleunigt es kraeftig. Je weiter man dann wieder vom "Gas" geht,
umso langsamer wird das Auto und schaltet dann schliesslich in die
Energierueckgewinnung (Rekuperation) um. D.h. man speist die
Bremsenergie in Form von Strom wieder in den Akku zurueck.

Das Auto faehrt sich angenehm leise und zieht an der Ampel von dem
Stand aus maechtig los. Wenn man da als Vordermann ein konventionelles
Auto hat, nervt es richtig, weil der lahme Verbrennungsmotor mit der
schleifenden Kupplung kaum vom Fleck zu kommen scheint.

Was fehlt:
Anlasser, Lichtmaschine, Kolben, Kupplung, Schaltgetriebe, Kubelwelle,
Nockenwelle, Zuendkerzen, Einspritzpumpe, Tank, Benzinpumpe,
Turbolader, . Total ueberfluessig!

Wartung:
IMHO kaum etwas zu finden, wo dieses Auto eine Wartung braucht. Kein
Oelwechsel, kein Oelfilterwechsel, keine Motorkohlen, keine
Zuendkerzen, vermutlich nie Bremsbelaege wechseln (dank Rekuperation),
kein Motor-Luftfilter. Vielleicht mal einen Tropfen Oel an die
Tuerscharniere und alle paar Jahre mal die Bremsfluessigkeit
wechseln.

Also Automechaniker werden sich in Zukunft vielleicht mal Gedanken
ueber einen neuen Job machen muessen. Ich glaube es ist auch nicht
mehr unbedingt zu empfeheln, in diesem Beruf heute noch eine
Ausbildung zu machen.

Preis:
Rund 35.000 EUR (schluck). Ich habe mich mit dem Haendler unterhalten,
er meinte, dass ab 120.000 gefertigten Stueck pro Jahr das Auto unter
den Preis von 20.000 EUR fallen wird. Der Akku duerfte dann auch zu
einem Preis zu haben sein, wie in dem Artikel ueber den I-Miev in der
FAZ vom 1. Februar 2009 auf Seite 5: 800 - 1200 US$. Also auch kein
Problem, wenn man den Akku innerhalb eines Autolebens einmal
austauschen muesste.

Werde ich halt vielleicht noch 2 - 3 Jahre warten muessen, bis so ein
Auto für mein selbst festgesetztes 20.000 EUR Budget als Neuwagen
erhaeltlich sein wird. Vielleicht gehts als Gebrauchtwagen ja noch
schneller :-)
.
.
Ach ja, nicht hier lange rumlabern, sondern einfach selbst eine
Probefahrt machen:
http://imiev.de/prospekt_probefahrt.html

Oder zumindest das Prospekt ansehen:
http://www.imiev.de/docs/Produktpro...i-MiEV.pdf (6,1 MB)
.
.
.
Quelle: 100 Prozent Martin Kobil, habe nicht den Guttenberg
gemacht ;-)
 

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#1 Helmut
27/03/2011 - 16:32 | Warnen spam
Hallo, Martin,

Du meintest am 27.03.11:

mittlerweile stehen sie in den Autohaeusern von Mitsubishi, Peugeot
und Citroen. Die 3 nahezu bauglichen Elektroautos. Ich hatte
kuerzlich das Vergnuegen mit dem Mitsubishi I-Miev eine Probefahrt zu
machen.



Ja und? Die passende Newsgroup für Autos ist woanders.

Viele Gruesse!
Helmut

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