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R.I.P. - das Ende einer Newsgroup

14/10/2010 - 16:21 von Claudius | Report spam
Ich bekunde mein herzlichstes Beileid allen Freunden zum Ableben ihrer
geliebten Newsgroup. Nachdem schon de.sci.geo an einer schrecklichen
Pest zu Grunde gegangen ist, war das Ende auch von de.sci.astronomie
abzusehen.

Lasst mich am Grabe einige Worte sprechen.

In einer gemütlichen Kneipe treffen sich allabendlich, manchmal auch
zum Frühschoppen, ganz unterschiedliche Leute. Bei gutem Bier, einem
Glas Wein, manchmal auch einem kleinen Imbiss sinniert man über Gott
und die Welt und am liebsten über den Sternenhimmel, seine Schönheit
und die Ràtsel, die seit Menschengedenken um ihn kreisen. Manchmal
sind Kinder dabei, die zum hundertsten Mal fragen, warum es nachts
dunkel und der wolkenlose Himmel meistens blau ist.

Ab und an schaut ein Astronom herbei und làsst sich herab, den
Unterschied zwischen alpha und Proxima Centauri zu erklàren und man
streitet sich mit Professor Lesch, was denn die Große Barriere mit der
Berylliumgrenze zu tun hat.
Das Angenehme ist die Stimmung in dieser, nicht allzu großen Kneipe,
die Laien, Fachleute und Spinner anlockt, Spinner „von der Art, die
einem Astronomen die Sterne erklàren, und zwar immer laut und immer
unter Berufung auf den gesunden Menschenverstand“. Man kann sich mit
ihnen und über sie amüsieren, auch das ist das Reizvolle an dieser
Kneipe.

Andere schleppen russische Spiegelteleskope an und àrgern die, welche
nur einen Feldstecher ihr Eigen nennen.
Aber sie alle eint – mehr oder weniger – die Liebe zur Sache und die
Poesie, kaum Verstàndliches in Worte fassen zu wollen.

Eines Tages taucht nun jemand auf und schüttet einen Karren Stalldung
in den Raum. Man ist nicht allzu irritiert, denn in diese Kneipe
werden die verrücktesten Dinge mitgebracht. Sicher wird sich das
Düngerproblem lösen.
Als der gleiche Typ Tag für Tag wieder kommt und jedes Mal einen neuen
Karren Mist in die Stube kippt, wird er gefragt, was das denn solle.
Darauf beginnt er zu erklàren, wie nützlich dieser Stalldung doch sei,
wertvoll zum Wohle der Pflanzen und überhaupt die Rettung der
Menschheit vor dem drohenden Hungertode.
Schön, wird ihm entgegnet, aber hier seien die Freunde des
Sternenhimmels versammelt und was das denn mit Dünger zu tun habe.

Etwas erregt und lauter, als es in diesem Raum nötig wàre, erklàrt der
Mistkarrenschieber, dass das Kalium und der Phosphor und überhaupt
alle Elemente in dem Dung in Sternen ausgebrütet seien. So existiere
eine direkte Verbindung vom All über den Schweinedarm zur Ackerfrucht,
möge sie wachsen und gedeihen.

„Einverstanden“, meinte einer der Anwesenden. „Nur ist das hier bei
uns nicht das Thema. Wir reden hier über Physik und Gravitation und
die Roche-Grenze, über die Coulomb-Barriere und den Tunneleffekt.
Manchmal auch über Einstein.“

„Ha!“, brüllte jemand vom Nebentisch. „ART, SRT, alles Unsinn, alles
habe ich làngst widerlegt…“
Und man wandte sich wieder den üblichen Themen zu.

Nach mehreren Tagen und mehreren neuen Karren Stalldung war es schon
schwierig, noch einen Weg zwischen den Misthaufen an die Biertische zu
finden. Einige Stammgàste waren schon fortgeblieben, daheim hatte man
sie misstrauisch gefragt, warum sie denn in letzter Zeit so streng
röchen.

Endlich fasste sich der mutigsten Einer ein Herz und bat den mit einem
neuen Karren voll frischen Dunges Eintretenden, diese Ràumlichkeiten
doch fürderhin nicht mehr zu beschmutzen. Das hàtte er nicht tun
sollen.
Denn ungefragt erteilte der Düngerstreuer der verdutzten Menge ein
Privatissimum über Nutz und Frommen frischen Stallmistes. Seine
Forschungen hàtten ergeben, dass es viel sinnvoller sei, anzunehmen,
dass keine Sterne explodieren müssten, um gesunden Mist zu
produzieren, sondern dass einfach nur Schweine explodieren müssten und
so den Segen für die Flora im ganzen All zu verteilen. Er habe auch
ein Buch geschrieben, welches genaue Berechnungen enthielte, wie viel
Schweine mit welcher Geschwindigkeit wann und warum explodiert sind.
Mit explodierenden Schweinen làsst sich überhaupt alles erklàren, Wind
und Wellen, Tod und Teufel und die Gebirge seien vom großen Urschwein
mit der Schweineschnauze aufgewühlt. Beweis: Vor jedem Gebirge ist
eine Wühlfurche deutlich zu erkennen. Nur armselige Spinner könnten
seine neue Wissenschaft noch verleugnen.

Spàter konnte er haarscharf belegen, dass nicht etwa viele Trilliarden
kleiner Schweine, sondern nur wenige Trilliarden Riesenschweine
explodiert seien. Das belegte er an den Sonnenflecken, die nichts
anderes als Haut- und Knochenreste der explodierenden Riesenschweine
seien, die kurzzeitig und (Überraschung!) die Sonne genau im Maße
ihrer Rotation sprenkeln.

Inzwischen war der Boden der Kneipe knietief mit Mist bedeckt. Es
stank zum Himmel. Der Mistlieferant hatte sich noch eine Überraschung
ausgedacht. Plötzlich trat er in Kleid, Stöckelschuhen und Kopftuch
ein, blickte verzückt auf den Dünger, warf sich hinein und piepste mit
verstellter Stimme: „Oh, Wunder der Natur! Göttlicher Guano! Die Welt
ist ein im Explodieren begriffenes Megaschwein.“

Die Leute hatten genug. Sie waren zu höflich und eigentlich auch gar
nicht in der Lage, den Kontrahenten schlichtweg mitsamt seinem Dreck
vor die Tür zu setzen – man hàtte sich zu sehr die Hànde beschmutzen
müssen. Also gingen sie und suchten sich einen anderen Ort, wo man
sinniert bei gutem Bier, einem Glas Wein, manchmal auch einem kleinen
Imbiss über Gott und die Welt und am liebsten über den Sternenhimmel,
seine Schönheit und die Ràtsel, die seit Menschengedenken um ihn
kreisen.

In tiefer Trauer
Klaus Peter
 

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#1 Juergen Barsuhn
14/10/2010 - 18:47 | Warnen spam
Claudius schrieb:
Ich bekunde mein herzlichstes Beileid allen Freunden zum Ableben ihrer
geliebten Newsgroup. Nachdem schon de.sci.geo an einer schrecklichen
Pest zu Grunde gegangen ist, war das Ende auch von de.sci.astronomie
abzusehen.

Lasst mich am Grabe einige Worte sprechen.





Vielen Dank für deine treffliche Glosse. Für den Wunsch RIP
ist es möglicherweise noch zu früh. Etwas weiter oben in den
zahlreichen Threads findest du auch "2. RfD ..." von
Christian Benz (Request for Discussion). Er ist der
Proponent einer kleinen Gruppe, die gerne de.sci.astronomie
durch eine Moderation retten möchten. Die Diskussion hierzu
findet allerdings jetzt fast ausschließlich in der Newsgroup
de.admin.news.groups statt, zu der in dem genannten Posting
ein Follow-Up gesetzt ist.

Wenn du also etwas zur Rettung von de.sci.astronomie tun
willst, könntest du dich in diese Diskussion einschalten und
ggf Christian Benz unterstützen. Das ist notwendig, denn er
stößt in der Diskussion auf kràftigen Gegenwind - nicht
selten mit absurden und unsachlichen Argumenten gespickt.

Gruß Jürgen

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