Ist die Welt "echt"?

15/05/2011 - 02:30 von Nomen Nescio | Report spam
 

Lesen sie die antworten

#1 ram
15/05/2011 - 06:26 | Warnen spam
Nomen Nescio writes:
Was sagt ihr dazu?



»Der Mathematiker und Philosoph Nick Bostrom von der
Oxford University hat dem Thema gleich eine ganze
Internetseite gewidmet.«

Für die Frage der Natur des Universums gleich eine ganze
Internetseite? Das ist wirklich mal ein aufsàssiger Forscher!

Die raumzeitliche Dichte der irreversiblen
Informationsverarbeitung ist durch die dabei entstehende
Abwàrme begrenzt. (Diese muß noch abgeführt werden,
damit der Rechner nicht schmilzt.)

Wenn man etwas simulieren will, dann sind die Zustànde und
Prozesse der Simulation normalerweise Makrozustànde und
Makroprozesse der Welt des Rechners, denn die Mikrozustànden
und Mikroprozesse der Welt des Rechner sind ja keine
Simulation sondern nur ein direkter identischer Ausschnitt
aus der Welt des Rechners selber.

Aus den beiden letzten Absàtzen folgt, daß die simulierte
Welt gröber und langsamer sein muß als die simulierende
Welt, so daß die Betreiber sich davon nicht zu viel
versprechen dürfen.

Searles Chinese-Room-Gedankenexperiment weist auch darauf
hin, daß es nicht erkennbar ist, wie in einer Simulation
Bewußtsein entstehen kann. Na gut, für eine nicht-simulierte
Welt ist uns dies auch noch nicht klar. Aber wir haben
Bewußtsein, und es spricht vieles dafür, daß in
Rechnern simulierte Menschen kein Bewußtsein haben.

Physikalisch (operational) hat die Frage, ob die Welt
simuliert sei, womöglich gar keinen Sinn, solange nicht
durch eine Meßvorschrift definiert wird, wie man das
erkennen kann. Wenn man eine simulierte Welt von innen nicht
durch eine Messung von einer nicht-simulierten Welt
unterscheiden kann, dann ist die Unterscheidung nicht
physikalisch, also physikalisch sinnlos.

Ob die Welt »von außen betrachtet« eine Simulation ist, kann
aus ihr genausowenig ermittelt werden, wie man Observablen
eines hypothetischen außerhalb der Welt stehenden
Beobachters von innen ermitteln kann. Daher sind sie nicht
Gegenstand der Physik. Ich würde sogar soweit gehen zu
sagen, daß »Die Welt ist eine Simulation.« für mich keine
Aussage ist, weil der Satz aus den geschilderten Gründen
sinnlos ist.

»Echtheit« ist relativ zu einem Beobachter zu sehen.
Für ihn ist das »echt«, was er beobachten kann. Für einen
Zeitgenossen ist daher der Mond echt. Wie man beobachten
können soll, ob die Welt simuliert ist oder nicht, wurde
von den Verwendern dieser Unterscheidung nicht gesagt, also
ist diese Unterscheidung erst einmal nicht beobachtbar,
also nicht »echt«

Allerdings deutet die Quantentheorie tatsàchlich etwas auf
eine »lazy evaluation« hin, als ob nur das wirklich
ausgerechnet wird, was auch für einen Beobachter erkennbar
wird, und das auch erst so spàt wie möglich, also so als ob
da jemand Rechenzeit sparen will. Das sind beides aus
der Informatik bekannt Optimierungsmethoden.

Auch könnte man denken, daß da jemand Speicherplatz
einsparen will, wenn beispielsweise Werte von Observablen
durch einen bestimmten Zustand nicht festgelegt sind oder
Werte bestimmter Observablen nicht gleichzeitig scharf
bestimmt sein können. So als ob für den Zustand eines
Quantensystems immer nur ein bestimmter »Speicherplatz«
reserviert sei.

Aber, daß dies alles einfach so ist und es sich trotzdem
nicht um eine Simulation handelt, ist genauso gut möglicht.

Wenn in MWI oder Tegmarks ultimate ensemble theory eine Welt
simuliert wird, dann kann es sein, daß in dem gesamten
Ensemble eine vollkommen isomorphe Welt auch noch einmal als
eine nichtsimulierte Kopie vorhanden ist, was noch einmal
verdeutlicht, daß die Unterscheidung selber fragwürdig ist.

Ähnliche fragen