kartellrechtliche Möglichkeiten gegen ("nachwachsende") Marktdominanz

29/05/2008 - 21:35 von Hauke Laging | Report spam
Moin,

auf Grund eines entsprechenden Vorfalls in der Firma hatte ich eine
Idee, wie man dem leidlich bekannten Problem begegnen könnte:

Eine gewisse Softwarefirma verkauft für viel Geld eine Software mit
sowohl sehr hohem Marktanteil als auch massenhafter Verbreitung (OK,
nicht nur verkaufterweise...).

Eines Tages fàngt gewisse Softwarefirma an, eine neue Version ihrer
Software zu verkaufen. Diese kann zwar die Daten der alten lesen und
schreiben, hat aber ein eigenes Format. Standardmàßig (ganz
entscheidender Punkt) erzeugt die neue Version Daten in ihrem
eigenen Format. Wenn man im alten Format speichert (àhnlich
wichtig), kommt eine plumpe (für die Entwickler natürlich extrem
bequeme) Meldung, dass MÖGLICHERWEISE das Dokument nicht in seiner
ganzen Pracht in dem alten Format gespeichert werden könne. Das ist
natürlich vor allem deshalb eine Riesensauerei, weil die Software ja
weiß, ob diese Verluste auftreten oder nicht.

Am Markt bedeutet das: Es werden in immenser Zahl (99%?) völlig
sinnlos Dokumente in dem neuen Format erzeugt. Sinnlos deshalb, weil
das Format für die fraglichen Dokumente keinerlei Mehrwert bietet.
Durch die zunehmende Pràsenz des neuen Formats - und nur dadurch! -
werden andere Marktteilnehmer in nicht geringer Zahl genötigt,
$neue_version zu kaufen. Ohne praktischen Sinn, nur deshalb, weil
ihre Geschàftspartner Opfer dieser Vandalismusstrategie einer
gewissen Softwarefirma werden.

Das ist die leidlich bekannte Situation. Die allgemeine Formulierung
ist nicht nur humoristisch motiviert. Wenn man mal zwei Schritte
zurücktritt, wird man dieses Phànomen an vielen Stellen bemerken.


Mein Gedanke ist nun folgender:
Die EU zwingt über das Kartellrecht jeden Hersteller, der eine
Software in gewisser (großer) Menge verkauft, diese Software so
abzufassen,

1) dass sie standardmàßig (aber konfigurierbar) im Format ihrer
Vorversion speichert (bzw. in dem Format, dass z.B. drei Jahre vor
Verkaufsbeginn aktuell war)

2) dass sie dem Anwender konkret für den Einzelfall mitteilt, ob und
welche Teile seines Dokuments nicht in dem alten Format dargestellt
werden können

3) dass sie dem Anwender die Möglichkeit gibt, im Hinweisdialog zu
konfigurieren, über die Unmöglichkeit der Speicherung
welcher "Dokumenteninhalte" er nicht mehr informiert werden will.
Diese Vorgehensweise unterbindet die Möglichkeit, irgendwelchen
Schwachsinn einzuführen, der niemanden interessiert, aber jedesmal
so eine Meldung bringt (um den Anwender so zu nerven, dass er das
umkonfiguriert).

4) dass sie im Hinweisdialog dem Anwender ermöglicht, sich die
offizielle Begründung für diese EU-Norm anzeigen zu lassen.


Den Softwareherstellern ist das fraglos zumutbar, weil es trivial
umzusetzen ist. Das alleine reicht natürlich nicht, man muss sich
als Gesellschaft einen angemessenen Nutzen davon versprechen, denn
es geht ja um eine konkrete Verbesserung der Situation und nicht
bloß darum, einen gewissen Softwarehersteller zu àrgern.


Da die advocacy-Gruppe kürzlich versenkt wurde, breite ich das nun
mal hier aus. Folgende Frage steht also im Raum: Rechtfertigt der
absehbare Nutzen dieser (eventuell angepassten) Forderungen ein
Bemühen, dies politisch durchzusetzen?


CU

Hauke
http://www.hauke-laging.de/ideen/
http://zeitstempel-signatur.hauke-laging.de/
Wie können 59.054.087 Leute nur so dumm sein?
 

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#1 Michael Kohaupt
29/05/2008 - 22:26 | Warnen spam
Hauke Laging schrieb:

dies politisch durchzusetzen?



Markt-politisch tut das doch schon jeder Linux user ,-)

Gruss
Michael

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