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08/10/2010 - 18:17 von WM | Report spam
Das Weltbild Georg Cantors (2): Bismarck und der Kaiser

Cantor bezeichnet sich selbst als einen "königstreuen preussischen
Beamten und grundsàtzlichen langjàhrigen Gegner des Fürsten
Bismarck" [Cantor an Alex Baumgartner S. J., 4. 6. 1891] und "als
practischen hohenzollerschen Royalisten".

Heute findet im ganzen deutschen Reich Reichtagswahl statt; dass ich
nicht zu den Anhàngern des Fürsten Bismarck gehöre, brauche ich Ihnen
wohl nicht erst zu sagen! [Cantor an Mittag-Leffler, 28. 10. 1884]

Julius Langbehn, Autor eines sehr populàren gesellschaftskritischen
Buchs ("Rembrandt als Erzieher", Leipzig (1890), 39 Auflagen innerhalb
von zwei Jahren), hatte seiner Bismarck-Verehrung darin Ausdruck
verliehen und Cantor um ein Urteil gebeten. Ihm schrieb Cantor: "So
kann ich beispielsweise mein Auge nicht verschließen gegen die in der
Politik durch den inzwischen eingetretenen Verlauf der Dinge in
Deutschland {{#}} erwiesenen Irrthümer des Buches, wie auch mir, als
practischen hohenzollerschen Royalisten seine eigenthümliche
politische Tendenz nicht zusagen kann." [Cantor an Julius Langbehn,
26. 5. 1890]

An anderer Stelle gesteht Cantor seine Ablehnung deutlicher: "Ich sehe
darin nichts als einen der vielen Versuche, das deutsche Volk
hinterrücks zu verbismarckern. Denn Rembrandt dient hier nur als Maske
für Bismarck. Ein gewisser Max Bewer, der mit dem Verfasser, der ein
gewisser Dr. Julius Langbehn aus Eckernförde ist, zusammenarbeitet,
hat dies in einer Broschüre "Rembrandt und Bismarck" ziemlich deutlich
erklàrt. Und von jenem wüsten Schwindelbuch hat das deutsche Volk in
Jahresfrist über 30 Auflagen verschlungen! Ein Beweis für seinen guten
Magen." [Cantor an Baumgartner, 20. 5. 1891] "Von einigen der Max
Bewerschen Broschüren, namentlich der Gedanken über Bismarck habe ich
die starke Vermuthung, daß sie von Langbehn gemacht sind. Die beiden
arbeiten Hand in Hand. Neujahr sind sie Beide Gàste am Hofe
Friedrichsruh {{Bismarcks Wohnsitz}} gewesen." [Cantor an Baumgartner,
25. 5. 1891]

{{#}} Fürst Otto v. Bismarck
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Bismarck
war 1890 von Kaiser Wilhelm II. entlassen worden. Es ist zwar
unwahrscheinlich, dass das kürzlich erfundene Automobil (am 29. Januar
1886 meldete Carl Benz seine Erfindung zum Patent an, am 2. November
des gleichen Jahres wurde ihm dieses unter der Reichspatentnummer
37435 erteilt.
http://www.spiegel.de/auto/fahrkult...09,00.html
)
den Anlass des Streites bildete. Aber bei der (den Kaiser und andere
deutsche Staatsoberhàupter) überragenden Intelligenz Bismarcks hàtte
es leicht so sein können, denn der Kaiser meinte: "Das Auto ist eine
vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd." (Allerdings erst
1904
http://www.region-stuttgart.de/sixc...php/267391
und bei seiner erwiesenen Dysprophetie kann er 1890 seine Meinung von
1904 noch nicht gekannt haben.)

Gruß, WM
 

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#1 Roland Franzius
08/10/2010 - 21:05 | Warnen spam
Am 08.10.2010 18:17, schrieb WM:
Das Weltbild Georg Cantors (2): Bismarck und der Kaiser

Cantor bezeichnet sich selbst als einen "königstreuen preussischen
Beamten und grundsàtzlichen langjàhrigen Gegner des Fürsten
Bismarck" [Cantor an Alex Baumgartner S. J., 4. 6. 1891] und "als
practischen hohenzollerschen Royalisten".

Heute findet im ganzen deutschen Reich Reichtagswahl statt; dass ich
nicht zu den Anhàngern des Fürsten Bismarck gehöre, brauche ich Ihnen
wohl nicht erst zu sagen! [Cantor an Mittag-Leffler, 28. 10. 1884]

Julius Langbehn, Autor eines sehr populàren gesellschaftskritischen
Buchs ("Rembrandt als Erzieher", Leipzig (1890), 39 Auflagen innerhalb
von zwei Jahren), hatte seiner Bismarck-Verehrung darin Ausdruck
verliehen und Cantor um ein Urteil gebeten. Ihm schrieb Cantor: "So
kann ich beispielsweise mein Auge nicht verschließen gegen die in der
Politik durch den inzwischen eingetretenen Verlauf der Dinge in
Deutschland {{#}} erwiesenen Irrthümer des Buches, wie auch mir, als
practischen hohenzollerschen Royalisten seine eigenthümliche
politische Tendenz nicht zusagen kann." [Cantor an Julius Langbehn,
26. 5. 1890]




Jetzt zieht Mückenheim - lang hat man darauf gewartet - zur
Cantorezeption auch noch das Urwerk des deutschen Antimodrnismus und
Antisemitismus zu Rate.

http://david.juden.at/kulturzeitsch...rfer-0.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Langbehn

Als geringste Geste sollte Mückenheim nunmehr seine Promotionsurkunde
zerreißen und der ungeliebten alma mater als Heimstatt von Aufklàrung
und mathematischer Verdummung des deutschen Volkes zurücksenden.


Roland Franzius

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