KKW Kruemmel: RESA war angeblich nicht erforderlich

25/08/2007 - 01:13 von Ralf Kusmierz | Report spam
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Moin,

ich habe gestern eine Antwort auf eine etwas zurückliegende Anfrage an
Vattenfall erhalten und dokumentiere sie hier mal - es möge sich jeder
seinen Teil dazu sowie zur Korrelation zwischen Anfrage-Gegenstand und
Antwort selbst denken.

Zur Erinnerung: Das oberspannungsseitige Wegschalten des zweiten
(unbeschàdigten) Trafos AT02 wurde von einer Automatik in weniger als
einer Sekunde nach der Differentialschutzanregung des Trafos AT01
durch eine (vermutlich netzseitige) Distanzschutzanregung, die den
Leistungsschalter AC02 abschaltete, vorgenommen, wodurch die RESA
wegen der Unterspannung auf den Eigenversorgungsschienen erst
ausgelöst wurde - von Hand hat da sicher niemand eingegriffen, und
entschieden wurde auch nichts - nachdem zuvor durch die
Differentialschutzanregung nicht, wie es IMHO richtig gewesen wàre,
unterspannungsseitig der dem spàter durch den Brand zerstörten Trafo
AT01 zugeordnete Generatorschalter AQ01 abgeschaltet wurde, sondern
statt dessen mit AQ02 der Generatorabgang zum Trafo AT02. (Mündlich
erklàrte mir das Informationszentrum Kernenergie, das sei
auslegungsgemàß geschehen.)

Meiner Vermutung nach stellt sich der Unfallablauf etwas anders als
seitens des Betreibers angegeben dar: Begonnen hat der Störfall mit
der Differentialschutzanregung des Trafos AT01, wahrscheinlich
aufgrund eines Durchschlags in der Ölisolierung. (Ein solcher
überspannungsbedingter Durchschlag ist kein völlig unwahrscheinlicher
Vorgang, mit dem ist jederzeit zu rechnen - trotz dessen relativer
Seltenheit ist der Differentialschutz des Transformators dazu da,
gerade auch derartige Ereignisse unverzüglich zu detektieren - und
durch eine Kurzunterbrechung (Abschalten der Spannungszuführung für
Sekundenbruchteile) leicht zu beheben: Die Gasblasen im
Kurzschlußkanal verschwinden nach der Stromunterbrechung unverzüglich,
das Öl wird wieder voll isolierfàhig.) Der Differentialschutz öffnete
auch unverzüglich die oberspannungsseitigen Leistungsschalter AC01,
aber (IMHO /fàlschlich/) nicht den korrespondierenden
unterspannungsseitigen Generatorschalter AQ01, sondern statt dessen
den anderen, nàmlich den zu AT02 führenden AQ02.

Damit war der Fehler natürlich nicht isoliert. Er wurde entweder
(trotz Schnellentregung, falls die überhaupt ausgelöst wurde) vom zum
Eintrittszeitpunkt unter Vollast laufenden Generator gespeist, der
wegen des geöffneten Schalters AQ02 seine Leistung auch nicht mehr
über den zweiten Trafo ans Netz abgeben konnte und möglicherweise an
seinen Klemmen sogar Überspannung annahm, oder gar durch einen
unterspannungsseitig aufgenommenen Kurzschlußstrom, der über AT02 dem
Netz entnommen wurde und dann im weiteren zur Distanzschutzanregung
und Fallen von AC02 führte - die Generatorschalter sind nàmlich
Lastschalter und haben kein Kurzschlußausschaltvermögen. Beides wàren
Auslegungs- oder Ausführungsfehler!

Die ununterbrochene Fehlerspeisung führte dann zu starker
Gasentwicklung und Erwàrmung und Druckanstieg im Isolieröl, die
letztlich den Ölbehàlter aufplatzen und das Isolieröl austreten ließ,
das sich dann, wahrscheinlich begünstigt durch den brennenden
Hochleistungslichtbogen, sofort entzündete - bei annàhernd einem
Gigawatt Einspeisung findet eine solche "selbstverursachte"
Ölbehàlterexplosion natürlich auch in Sekundenbruchteilen statt.
(Selbstverstàndlich habe ich zu dieser Vermutung die Aufsichtsbehörden
detailliert informiert!)

(Bitte Antworten nur in die jeweils sinnvolle NG.)


Dokumentation:

Subject: Ihre Nachfrage zum Trafobrand in Krümmel
Date: Fri, 24 Aug 2007 13:06:47 +0200
From: "info-kernenergie@vattenfall.de" <certificate@vattenfall.de>
To: Ralf Kusmierz <****************************>
Reply-To: info-kernenergie@vattenfall.de
protocol="application/x-pkcs7-signature"; micalg=sha1;
boundary="-70112C632EBC0BC1391B8740A83C4BD4"

Sehr geehrter Herr Kusmierz,

vielen Dank für Ihre Nachricht vom 14.07.2007.

Zu Ihrer Frage bezüglich der Abschaltung des zweiten unbeschàdigten
Trafos: Es wàre tatsàchlich möglich gewesen, das Kraftwerk nur mit
einem Trafo zu fahren, dann im Teillastbetrieb. Aus Sicherheitsgründen
hat man sich jedoch dazu entschieden, wàhrend des Brandes auch den
zweiten Trafo vom Netz zu nehmen, da sich die Löscharbeiten als
langwierig herausgestellt haben, weil viel Öl verbrannt ist.

Ihre Fragen bezüglich des Leistungs- und Generatorschalters haben wir
zur Beantwortung an die Experten im Kernkraftwerk Krümmel
weitergeleitet. Da dort gerade die Revision durchgeführt wird, bitten
wir Sie um Verstàndnis, dass die Bearbeitung gegebenfalls einige Zeit
dauern wird.

Bitte entschuldigen Sie die verzögerte Antwort auf Ihre E-Mail.

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Mit freundlichen Grüßen



Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH

Kommunikation



Überseering 12

22297 Hamburg



Tel. +49 800 439 6624

info-kernenergie@vattenfall.de

www.vattenfall.de/kernkraft


Bezug:

Date: Sat, 14 Jul 2007 04:27:52 +0200
To: info@vattenfall.de
From: Ralf Kusmierz <****************************>
Subject: Nachfrage zu Trafobrand KKK

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe Ihre Darstellungen des Störungsereignisses im Kernkraftwerk
Krümmel im Internet gelesen, dazu aber Nachfragen.

Mir ist nàmlich nicht klargeworden, wieso es zu einer Abschaltung des
unbeschàdigten Trafos AT02 kam bzw. nicht nur der fehlerbehaftete und
brennende Trafo AT01 ober- und unterspannungsseitig aus dem Netz
herausgeschaltet wurde.

Es stellt sich die Frage, ob eine RESA nicht vermeidbar gewesen wàre,
wenn nur einer der beiden im Leistungsbetrieb parallelgeschalteten
Maschinentrafos entfallen wàre - das hàtte zwar zu einer kurzzeitigen
Überlastung des funktionierenden Trafos führen können, was aber von
der Generatorregelung unverzüglich zu beheben gewesen wàre. Im
Ergebnis hàtte dann der Reaktor vorlàufig im Teillastbetrieb mit
halber Leistung weiterlaufen können sollen.

Auf S. 2 des Berichts steht, durch die Differentialschutzanregung
seien der Leistungsschalter AC01 und der Generatorschalter AQ02
ausgeschaltet worden; letzteres müßte ein Fehler sein, denn zur
Isolierung von AT01 müßten AC01 und AQ01 ausgeschaltet worden sein. Es
handelt sich aber offenbar nicht um einen Tippfehler, denn AQ02 wird
auf S. 4 wiederholt.

Nach der im weiteren gegebenen Darstellung hat der Differentialschutz
lediglich AC01 abgeschaltet, nicht aber AQ01. Warum? Es ist doch klar,
daß ein fehlerbehafteter Trafo nicht mehr vom Generator gespeist
werden darf. Waren die Steuerleitungen für AQ01 und AQ02 vertauscht?

Insbesondere ist mir nicht klar, wieso nach dem Abschalten von AT01
noch eine Distanzschutzanregung stattfinden konnte. Oder ist auch im
Bereich des Trafos AT02 ein Fehler aufgetreten?


Mit freundlichen Grüßen
R. Kusmierz


(Offen ist übrigens ebenfalls noch die Frage nach der
Frischdampfmenge, s. Msg.-IDs <news:f8tnb0$irc$1@online.de>,
<news:f90q85$p0t$1@online.de>.)


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

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#1 Horst-D.Winzler
25/08/2007 - 10:14 | Warnen spam
Ralf Kusmierz schrieb:

Moin,

ich habe gestern eine Antwort auf eine etwas zurückliegende Anfrage an
Vattenfall erhalten und dokumentiere sie hier mal - es möge sich jeder
seinen Teil dazu sowie zur Korrelation zwischen Anfrage-Gegenstand und
Antwort selbst denken.





.

Eine Anmerkung zu dem betreffenden Trafo.

Durch Verbesserungen der Turbine des AKWs Krümmel wurde die
Nettoleistung um fast 7% gesteigert. Nachrüstungen der Nebenaggregate
wie Trafo sind nicht bekannt.
Möglich auch, das der Trafo durch die hàufigen Störfàlle
"vorgeschàdigt" wurde?

mfg hdw

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