Leeres Gerede

03/11/2015 - 19:36 von WM | Report spam
Vom Unendlichen, ja von Zahlen überhaupt zu sprechen ist Hilbert zufolge eine bloße Façon de parler - àhnlich wie eine Dame im Schachspiel, aller weiblichen Züge beraubt, nichts anderes als eine wertlose Figur auf dem Schachbrett ist. Und wie Bauern und Könige im Schach weder Felder bestellen noch Lànder regieren, sondern nur stumme Statisten, starre Steine in der Hand von Spielern sind, so ist es auch mit der modernen Mathematik bestellt: Ihre Kalküle handeln von nichtssagenden Zeichen, ihre Sàtze beziehen sich auf nichts Wirkliches, ihre Probleme betreffen ein Denken, das autistisch um sich selbst kreist.
Nur eine verschwindend kleine Gruppe sogenannter konstruktiver Mathematiker überwindet das sinnlose Sprachspiel, indem sie, den eminenten Gelehrten Brouwer und Weyl folgend, die Mathematik bewusst der Dialektik zwischen dem naiven Ideal des absoluten Wahrheitsanspruchs und der abgeklàrten Dekonstruktion aussetzt. Für die meisten Mathematiker jedoch ist mit der Botschaft, moderne Mathematik bestehe aus leerem Gerede, das letzte Wort gesprochen. Und es ist wundersam zu beobachten, wie sie sich in der ihnen verbliebenen Ruine wohlfühlen.
[R. Taschner: "Das Unendliche ist nur ein Wort - oder irren die Mathematiker womöglich?", Die Presse, Wien, 19. 1. 2012]
 

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#1 Rudolf Sponsel
03/11/2015 - 23:31 | Warnen spam
Am 03.11.2015 um 19:36 schrieb WM:

Vom Unendlichen, ja von Zahlen überhaupt zu sprechen ist Hilbert zufolge eine bloße Façon de parler - àhnlich wie eine Dame im Schachspiel, aller weiblichen Züge beraubt, nichts anderes als eine wertlose Figur auf dem Schachbrett ist. Und wie Bauern und Könige im Schach weder Felder bestellen noch Lànder regieren, sondern nur stumme Statisten, starre Steine in der Hand von Spielern sind, so ist es auch mit der modernen Mathematik bestellt: Ihre Kalküle handeln von nichtssagenden Zeichen, ihre Sàtze beziehen sich auf nichts Wirkliches, ihre Probleme betreffen ein Denken, das autistisch um sich selbst kreist.
Nur eine verschwindend kleine Gruppe sogenannter konstruktiver Mathematiker überwindet das sinnlose Sprachspiel, indem sie, den eminenten Gelehrten Brouwer und Weyl folgend, die Mathematik bewusst der Dialektik zwischen dem naiven Ideal des absoluten Wahrheitsanspruchs und der abgeklàrten Dekonstruktion aussetzt. Für die meisten Mathematiker jedoch ist mit der Botschaft, moderne Mathematik bestehe aus leerem Gerede, das letzte Wort gesprochen. Und es ist wundersam zu beobachten, wie sie sich in der ihnen verbliebenen Ruine wohlfühlen.
[R. Taschner: "Das Unendliche ist nur ein Wort - oder irren die Mathematiker womöglich?", Die Presse, Wien, 19. 1. 2012]



Wo beginnt das Zitat und wo endet es?

Die Erlanger UB hat übrigens nicht alle drei Bànde Taschners zur
konstruktiven Mathematik. Wie steht's mit Augsburg?

Gruß: RS

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