Mal im Ernst

02/07/2014 - 17:39 von Johannes Leckebusch | Report spam
Vielleicht mal was über Kunst und Fotografie für Kinder und ihre Eltern?
Weil mir grade, weil wir ja grade Fotografie gedruckt haben, das hier
von meiner Seite über "Fototechnik" in den Sinn kam:

Papa, was ist Farbmanagement?

Es waren einmal zwei Schulfreundinnen. Die eine, Klara, hatte einen
Papa, der viel Geld verdiente, die andere, Barbara, nur eine
alleinerziehende Mutter, die an der Kasse im Supermarkt arbeitete.

Für den Malunterricht in der Schule konnte sich Barbaras Mutter nur
einen ganz bescheidenen Malkasten mit sechs langweiligen Farben für ihre
Tochter leisten. Klaras Papa gab seiner Frau das Geld, und sie kaufte
einen gewaltigen Malkasten mit 100 bunten bunten Farben, den Klara kaum
in die Schule schleppen konnte.

Nun sollten sie im Malunterricht ein Haus mit Ziegelwand malen, eine
Weinflasche, eine Zitrone, eine Banane, die Sonne, Gras und eine Tanne.

Barbara gab sich alle Mühe, das stumpfe Rot mischte sie mit ein wenig
Gelb, um die Ziegel zu malen. So richtig zitronig war ihr Gelb nicht,
aber damit die Banane nicht genauso aussah wie die Zitrone, mischte sie
unter Trànen auch da ein wenig Orange und einen Spritzer Braun hinein.

Klara machte alles wunderbar bunt, die Ziegelwand grellrot, die
Weinflasche blendend rot, die Zitrone und die Banane knallgiftgelb - und
auch die Tanne leuchtend grün, wie das Gras.

Barbara schàmte sich für ihr Bild, das neben Klaras so matt und stumpf
wirkte.

Am nàchsten Tag bekamen sie ihre Bilder zurück. Barbara bekam eine 1,
Klara nur eine 4. Klara wurde wütend und beharrte, dass ihr Bild viel
bunter und darum auch schöner sei!

"Ja," meinte die Lehrerin, "aber die meisten Farben sind ganz falsch!
Tannen sind nicht giftgrün - da schau, auf Barbaras Bild ist es richtig,
sie hat das Tannengrün viel dunkler und matter gemacht als den Rasen!
Und außerdem ist Gras auch nicht einfach nur giftgrün!"

"Ja, aber ihre Zitrone ist gar nicht zitronig!"

"Dafür kann sie ja nichts - hàttest Du ihr dein Giftgelb geliehen ...
aber sie hat die Zitrone und die Banane in verschiedenem Gelb gemalt, so
wie es passt. Du hàttest die Tanne und die Ziegel und die Banane ja auch
richtig malen können, mit Deinen Farben, aber Du hast wohl keine Ahnung
von Farbmanagement!"

Das Farbmanagement funktioniert wie eine Lookup-Table, die übersetzt
zwischen den "gemeinten Farben" und den "gekonnten Farben". Erstere sind
Farben in einem bestimmten Farbraum, der bunter (teurer) mit mehr
Malfarben oder Stiften oder billiger mit weniger Stiften (= unsaubereren
Farben) sein kann. Nun werden in dem größeren Farbraum allerdings für
dieselben gemeinten Farben kleinere Zahlen verwendet, damit noch Platz
für die bunteren Farben im Werteraum bleibt. Das verschlechtert für
8-Bit-RGB die Auflösung, darum ist es nicht unbedingt sinnvoll, in JPEG
einen Farbraum einzubetten, für den man eh keine Buntstifte hat.
Andererseits müssen mit den billigen Stiften eben Ersatzfarben für die
gemeinten gewàhlt werden, und davon handelte dann wieder die Geschichte
(es gibt da verschiedene Verfahren wie farbtreu, soweit es geht, oder
gleichabstàndig oder Mischformen davon an den Randbereichen, wo die
bunten Farben ausgehen ...)

So, und wenn nun im Betriebssystem ein Monitorprofil installiert und
möglichst noch der Monitor kalibriert ist, dann weiß das System, welche
Buntstifte es zur Verfügung hat, welche Farben es also "richtig"
darstellen kann, und bei welchen es tricksen muss.
Einen ausführlichen und mehr in die technischen Details gehenden Artikel
über Farbràume finden Sie in der Wikipedia.

Mit freundlichen Grüßen: Johannes Leckebusch (AR1)

http://johannes-leckebusch.de/
 

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#1 Johannes Leckebusch
02/07/2014 - 19:24 | Warnen spam
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