Mangelhafte elektrische Hausinstallation

28/05/2010 - 16:36 von Susan Seitz | Report spam
Hallo zusammen,

folgendes Problem mit der Hausinstallation:

Meine Eltern werden in Kürze in eine Mietwohnung ziehen (Baujahr so zwischen
1970). Nach Unterzeichnung (leider erst dann!) des Mietvertrages hat jetzt
ein Handwerker die Wohnung in Augenschein genommen, da eine Einbauküche
eingebaut werden soll.

Dabei kam raus:

- In der ganzen Wohnung fehlen Erdungen; aus den Decken kommen also jeweils
immer nur 2 Kabel. Erdungsanschlüsse (Potentialausgleich?) fehlen.

- Der Sicherungskasten sieht aus wie anno tobak: Statt eines normalen
Sicherungsautomaten (Leitungsschutzschalter), gibt es nur eine Hand voll
schraubbarer Schmelzsicherungen (Handwerker: viel zu wenige für eine knapp
90 qm große Whg mit 4 Zimmern).

Fragen:

1. Wißt Ihr, ob es heutzutage in D noch zulàssig ist, eine derartige
Hausinstallation zu betreiben (VDE etc.)?

2. Ist es nicht (lebens-) gefàhrlich, das Stromnetz ohne Erdung zu nutzen?
Es hat ja wohl einen Sinn, dass das "dritte" Kabel im Hausnetz verbaut wird.

3. Zum Sicherungskasten: Wie kompliziert ist es eigentlich, den alten Kasten
durch einen neuen modernen mit FI-Sicherungen austauschen zu lassen? Wie
lange dauert sowas ca. bei einem Elektriker (Kosten)?

4. Zur Anzahl der Sicherungen: Sollte es so kommen, dass bei o.g.
Installation stàndig die Sicherung rausspringt, wenn man einen Verbraucher
(Staubsauger etc.) einschaltet: Kann man in diesem Fall das Rausspringen
vermeiden, wenn man eine Sicherung mit höherer Amperzahl eindreht? Oder ist
dies nicht ratsam, da so die maximale Abschaltspannung für diesen
abgesicherten Stromkreis insgesamt ebenfalls veràndert wird?

5. Zum Badezimmer: Wie sieht es hier mit der Erdung der Badewanne aus? Ist
es nicht zwingend erforderlich, dass (zumindest) die Badewanne geerdet sein
muß?

Wenn ja, wo kann ich hierzu was finden (VDE-Norm)?



Vielen lieben Dank für Eure Hilfe! ;-)

Viele Grüße
Susan

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#1 Harald Wilhelms
28/05/2010 - 17:16 | Warnen spam
On 28 Mai, 16:36, "Susan Seitz" wrote:
Hallo zusammen,

folgendes Problem mit der Hausinstallation:

Meine Eltern werden in Kürze in eine Mietwohnung ziehen (Baujahr so zwischen
1970). Nach Unterzeichnung (leider erst dann!) des Mietvertrages hat jetzt
ein Handwerker die Wohnung in Augenschein genommen, da eine Einbauküche
eingebaut werden soll.

Dabei kam raus:

- In der ganzen Wohnung fehlen Erdungen; aus den Decken kommen also jeweils
immer nur 2 Kabel. Erdungsanschlüsse (Potentialausgleich?) fehlen.



Das ist füer Lampen m.W. auch nicht vorgeschrieben. Nur für
Steckdosen.

- Der Sicherungskasten sieht aus wie anno tobak: Statt eines normalen
Sicherungsautomaten (Leitungsschutzschalter), gibt es nur eine Hand voll
schraubbarer Schmelzsicherungen (Handwerker: viel zu wenige für eine knapp
90 qm große Whg mit 4 Zimmern).

Fragen:

1. Wißt Ihr, ob es heutzutage in D noch zulàssig ist, eine derartige
Hausinstallation zu betreiben (VDE etc.)?



Es gibt einen sog. Bestandsschutz. Solange keine grösseren
Änderungen an der Elektroinstallation vorgenommen werden,
muss diese auch nicht auf den neuesten Stand gebracht werden.

2. Ist es nicht (lebens-) gefàhrlich, das Stromnetz ohne Erdung zu nutzen?
Es hat ja wohl einen Sinn, dass das "dritte" Kabel im Hausnetz verbaut wird.



Auch vor 1970 hat es nicht unbedingt mehr Stromtote
als heute gegeben. Natürlich ist eine moderne
Installation, speziell mit RCD, sicherer. Trotzdem
sind diese àlteren Installationen nicht gleich
lebensgefàhrlich. Sieh Dich mal in anderen Làndern
um. Dort ist der Standard teilweise wesentlich
niedriger als bei uns und trotzdem gibts dort nicht
mehr Stromtote

3. Zum Sicherungskasten: Wie kompliziert ist es eigentlich, den alten Kasten
durch einen neuen modernen mit FI-Sicherungen austauschen zu lassen? Wie
lange dauert sowas ca. bei einem Elektriker (Kosten)?



Der Austausch der Verteilung ist sicherlich nicht
das Problem. Normalerweise müssen aber überall in
der Wohnung neue Leitungen verlegt werden. Da
kommen schnell einige Tausend EUR zusammen.

4. Zur Anzahl der Sicherungen: Sollte es so kommen, dass bei o.g.
Installation stàndig die Sicherung rausspringt, wenn man einen Verbraucher
(Staubsauger etc.) einschaltet: Kann man in diesem Fall das Rausspringen
vermeiden, wenn man eine Sicherung mit höherer Amperzahl eindreht?



Theoretisch schon. Praktisch müssen aber
die Sicherungen passend zur Leitung
dimensioniert werden.
Oder ist
dies nicht ratsam, da so die maximale Abschaltspannung für diesen
abgesicherten Stromkreis insgesamt ebenfalls veràndert wird?



Es geht hier nicht um Spannung sondern um Strom.

5. Zum Badezimmer: Wie sieht es hier mit der Erdung der Badewanne aus? Ist
es nicht zwingend erforderlich, dass (zumindest) die Badewanne geerdet sein
muß?



Da bin ich mir jetzt nicht ganz sicher.
Ziemlich sicher bin ich mir allerdings,
das das Badezimmer mit einem RCD (=FI)
nachgerüstet werden muss. Ansonsten
wurde die Wohnung "gemietet wie besichtigt".
Der Vermieter ist normalerweise nicht
verpflichtet, die Elektroinstallation
jederzeit auf den neuesten Stand zu halten.
Im Zweifel ist es also Verhandlungssache,
ob man vielleicht eine Kostenteilung mit
dem Vermieter erreicht.

Wenn ja, wo kann ich hierzu was finden (VDE-Norm)?



Im Prinzip ja, normalerweise ist für die
Einhaltung dieser Vorschriften aber der
konzessionierte Elektriker zustàndig.
Gruss
Harald
PS: Dieses Thema gehört eigenlich in die
NG d.s.i.e.

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