Manipulierte Tonqualität

02/07/2011 - 09:54 von Peter Bösche | Report spam
bei diesem DLF-Interview?:

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/...113d56.mp3

Oder gibt es tatsàchlich so miserables Telefon-Equipment?
Oder ist es die "Geiz ist geil"-Übertragungstechnik beim Mobilfunk?
(So "klaut" z.B. T-Mobile zeitweise bei meinem
web’n’walk-Internetanschluss die in Bilder eingebetteten Farbprofile)
Oder was sonst?

Peter
 

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#1 Christian Müller
02/07/2011 - 10:29 | Warnen spam
Peter Bösche schrieb:

Oder gibt es tatsàchlich so miserables Telefon-Equipment?



Das furchtbare Ergebnis entsteht aus dem Zusammenspiel aller
beteiligten Komponenten.
Das Telefon des Gespràchspartners hat schon eine bescheidene
Qualitàt. Die alleine wàre aber bei einem Gespràch von Telefon zu
Telefon nicht so auffàllig, weil unser Gehirn einiges kompensieren kann.
Diese bescheidene Qualitàt, die eventuell weiter gemindert wird, wenn
das Telefonsignal im Telefonnetz (nicht im Studio) über mehrere
Zwischenstationen geleitet und dabei mehrfach umkodiert wird,
kommt nun im Sender an.

Dort besteht die größte Chance, die Qualitàt so richtig schlecht
zu machen. Auch die Öffentlich-Rechtlichen sparen und so gibt es
keine Tontechniker mehr, die wissen was sie tun.
Eventuell gibt es einen Knopfdrücker, der das Mischpult bedient,
meist fahren sich die Moderatoren selbst.
Dabei bleibt dann die Sendequalitàt auf der Strecke.
Um das wenigstens etwas zu kompensieren, gibt es automatische
Regelverstàrker, die das Sendesignal psychoakustisch aufbessern.
Diese Geràte sind aber keine Zauberkàsten. Wenn sie falsch
gespeist werden, kann das Ergebnis nur schlecht werden.

Der Regelverstàrker in diesem Fall bekommt ein Signal vom Moderator,
der dicht am Mikrofon sitzt und dessen Stimme ohne Nebengeràusche ist.
Das wird akustisch verdichtet, damit es lauter klingt, der Bass wird
angehoben, um Seriösitàt des Sprechers auszudrücken und sprachfehler-
bedingte Zisch- und Stoßlaute des Sprechers werden mit einem
Klangregler weggeblendet.
Das andere Signal in diesem Interview ist das Telefonsignal.
Es ist sehr dünn, hat keinen Bass, der aber trotzdem verstàrkt wird,
weil der Verstàrker auf die Stimme des Moderators eingestellt ist.
Damit geht Verstàrkungsleistung verloren, die das Telefonsignal
schon von Vornherein pauschal leiser macht.
Jetzt kommt noch dazu, dass die Klangregelung, die den Moderator
schön klingen làsst, genau in dem Frequenzbereich zuschlàgt, in
dem das Telefon seine (eh schon schwache) Ausdruckskraft hat.
Das Ergebnis ist, dass der Sprecher lautstàrkemàßig und frequenz-
bandmàßig gegenüber dem Telefon dominiert.
Da kann kein Gehirn mehr was draus machen. Das Ergebnis ist zu hören.


Die Lösung wàre entweder ein Tontechniker, der das Signal des Sprechers
_deutlich_ leiser als das Telefon macht (mein Rekord bei einer
Fußballübertragung (mit vielen Störgeàuschen vor Ort) waren 15dB
Unterschied zwischen Sprecher und Reporter am Telefon).
Oder aber die Seperierung von Klangaufbesserung des Sprechers und
Sendekompressor in zwei einzelne Geràte.
Dann würde der Sendekompressor nur den Mix aus psychoakustisch
verbessertem Sprecher und unveràndertem Telefon bekommen.


Gruß Christian

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