MTU bei Datenübertragung via UMTS

24/08/2008 - 18:25 von Roman Racine | Report spam
Ein Kollege von mir testet eine Verbindung, welche einen Teil über UMTS (3G)
làuft, die genauen Verbindungsparameter sind mir im Moment noch nicht
bekannt. Ihm ist aufgefallen, dass UDP-Pakete mit der Grösse 1500 Byte vom
Festnetz in Richtung Endgeràt, welches via UMTS angeschlossen ist,
problemlos (d.h. ohne Fragmentierung) passieren können, in die andere
dagegen nicht.

Eine plausible Erklàrung dafür wàre, dass die MTU auf irgendeiner Strecke
nicht in beide Richtungen gleich gross ist. Ich hab auf die Schnelle
allerdings keine Information darüber gefunden, die dies bestàtigen würde.
Weiss jemand etwas darüber?

Gruss

Roman°
IRC: Freenode, #usenet-friends
 

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#1 Juergen P. Meier
25/08/2008 - 05:47 | Warnen spam
Roman Racine :
Ein Kollege von mir testet eine Verbindung, welche einen Teil über UMTS (3G)
làuft, die genauen Verbindungsparameter sind mir im Moment noch nicht
bekannt. Ihm ist aufgefallen, dass UDP-Pakete mit der Grösse 1500 Byte vom
Festnetz in Richtung Endgeràt, welches via UMTS angeschlossen ist,
problemlos (d.h. ohne Fragmentierung) passieren können, in die andere
dagegen nicht.



Dann wird das in eine Richtung wohl defragmentiert.

Eine plausible Erklàrung dafür wàre, dass die MTU auf irgendeiner Strecke
nicht in beide Richtungen gleich gross ist. Ich hab auf die Schnelle
allerdings keine Information darüber gefunden, die dies bestàtigen würde.
Weiss jemand etwas darüber?



man GTP

Zwischen SGSN und GGSN wird der IP Traffic in GTP eingepackt (GPRS
Tunneling Protocol), das ist ein UDP Protokoll, das seinerseits
wiederum nur auf Ethernet mit 1500 Byte (mit wenigen Proprietaeren und
nicht interoperablen Wuergaroundloesungen eines bestimmten
Herstellers) MTU groesse arbeitet. Die PMTU einer UMTS/GPRS Verbindung
betraegt idR. nur 1472 Byte, kann aber auch kleiner sein (der GTP
Header hat optionale Elemente und Extensions, die aber meist in GTP-U
Paketen nicht verwendet werden).

Jetzt gibt es fuer den Tunnel zwischen SGSN und GGSN zwei
Moeglichekiten:

1.) Die IP-Pakete werden /vor/ dem Einpacken in GTP fragmentiert,
damit ist die Fragmentierung nicht Pfad-transparent (PMTUD zeigt die
MTU im Tunnel auf) und beim Auspacken optional wieder defragmentiert
(Abhaengig von der Implementation im GGSN oder SGSN), z.B. aber
auch im Endgereaet (dem Mobilteil bevor es per PPP an den Rechner
uebertragen wird).

2.) es werden GTP Pakete von mehr als 1500 Byte erzeugt, die dann
fragmentiert werden. Hier muessen beide Seiten (SGSN und GGSN)
die GTP Pakete wieder defragmentieren, dies ist fuer die getunnelten
IP Pakete voellig transparent (nicht mal DF bit im original-Paket
kommt zum Zuge). Hier sollte der Anwender nichts mitbekommen von der
MTU des Tunnels, da dieser voellig transparent ist.

Wenn du also Fragmente auf der entfernten Netzseite beobachtest, aber
keien am Endgeraet, duerfte Variante 1.) mit folgenden Moeglichkeiten
gelten:

Das SGSN oder dein Mobilteil defragmentieren die Payload in deine
Richtung, in Richtung Netz findet keine Defragmentierung statt.

Oder SGSN und GGSN verhalten sich unterschiedlich, und nur das SGSN
fragmentiert die Payload waehrend das GGSN die GTP-Pakete
fragmentiert. Sowas gibts auch. Dann hat der Tunnel nur in eine
Richtung eine verminderte MTU.

Ausserdem deutet das darauf hin, dass du keine PMTUD machst (bzw.
nicht erfolgreich).

Juergen
Juergen P. Meier - "This World is about to be Destroyed!"
end
If you think technology can solve your problems you don't understand
technology and you don't understand your problems. (Bruce Schneier)

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