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Nachlese zu Wim...

20/11/2014 - 01:51 von Patrick Rudin | Report spam
Nachdem ich neulich nicht so recht mit Wim Wenders Filmen warmgeworden
bin...hab ich mir aus der Bibliothek noch Palermo Shooting geholt.

Ein Modeinszenierer der hochglànzigen Sorte in der Midlife-Krise, düst
nach Palermo und sucht dort mit seiner Plaubel (plus 80/2.8, hey der
Film ist hier sowas von ontopic) den Tod, oder auch das Leben. Je nach
Definition.

Wunderschön fotografiert, einpràgsame Szenenbilder, und Campino in der
Hauptrolle tràgt die Geschichte und den Film tatsàchlich glaubwürdig
über eine ziemlich lange Strecke. Ohne zuviel zu verraten: Leider wird
die Sache am Ende arg küchenesoterisch (man befürchtet es schon früher,
hat aber noch Hoffnung), wenn Dennis Hopper (in seiner schwàchsten Rolle
ever) ein paar Weisheiten aus den SAW-Filmen rezitiert und dabei ein
grossartiges Set (und einen bis dahin spannenden Film) ruiniert. Schade,
hat mich wirklich geàrgert. Angesichts der Tatsache, dass die EU einfach
mal Geld ausgeben wollte, um Palermo ins Licht zu rücken, ist
erstaunlich viel dabei rausgekommen. Es hàtte aber auch leicht was
richtig Gutes dabei rauskommen können

Das Million Dollar Hotel musste dann natürlich auch noch sein. Ein
wunderschön-trauriges Màrchen über einen mysteriösen Sprung vom Dach und
eine Gruppe hochkaràtiger Verlierer in einer Absteige von Los Angeles.
Nicht ganz so detailverliebt beleuchet und fotografiert wie frühere
Wenders-Filme, aber dafür hàlt sich die Tragik und die Spannung bis zum
Schluss. Fantastische Schauspieler. Und Bono war für die Musik
verantwortlich: Stimmig von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Inwiefern Mel Gibson als vermeintlich knallharter Cop in die Geschichte
passt, darüber könnte man streiten -- stört aber nicht gross. Bislang
definitiv der beste Film von Wim Wenders. Und ja, auf den Salgado-Film
bin ich mal ausserordentlich gespannt.


Grüsse

Patrick
 

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#1 Patrick Rudin
20/11/2014 - 22:49 | Warnen spam
Patrick Rudin wrote:
Nachdem ich neulich nicht so recht mit Wim Wenders Filmen
warmgeworden bin...



...war heute "Alice in den Stàdten" dran.

Ideenloser Autor mit Hang zum Polaroid-Knippsen (damit wàren wir wieder
perfekt ontopic) hat eine Göre am Hals und irrt mit ihr von New York
über Amsterdam nach Wuppertal. Viel Improvisation ohne Handlung, zum
Einschlafen. Einzig ein paar 70er Jahre-Aufnahmen von New York und
Wuppertal könnten halbwegs interessant sein, aber vor allem die Dramatik
seiner sorgsam gehüteten Pola-Sammlung (in einer Szene diskutiert er
kurz darüber, weshalb er das tut) wird leider überhaupt nicht verwendet.
Auch rauscht der Film stellenweise derart, als wàre er auf Super8 mit
3200 ASA gedreht worden. Kein Vergnügen auf einem grossen Bildschirm.

Immerhin weiss ich jetzt, dass diese Sofortbildkameras mit motorischem
Auswurf und ohne Umweg übers Zwischennegativ offenbar schon anfangs der
1970er Jahre im Umlauf waren, irgendwie dachte ich immer, das Zeugs sei
erst in den 80ern verbreitet gewesen...


Grüsse

Patrick

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