News Corp gegen das Vergleichsangebot von Google an die Europäische Kommission Überprüfung durch die Wettbewerbskommission wird begrüßt

18/09/2014 - 05:38 von Business Wire

News Corp gegen das Vergleichsangebot von Google an die Europäische Kommission Überprüfung durch die Wettbewerbskommission wird begrüßtIn einem Schreiben an den Wettbewerbskommissar sagte Chief Executive Robert Thomson, Google sei gewillt, seine dominante Marktposition zur Erstickung des Wettbewerbs auszunutzen..

Anfang letzter Woche sprach sich Robert Thomson, Chief Executive von News Corp, in einem Schreiben an den Europäischen Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gegen den der Europäischen Kommission von Google vorgelegten Vergleichsvorschlag aus, da der Internetgigant gewillt sei, seine dominante Marktposition zur Erstickung des Wettbewerbs auszunutzen.

Thomson erklärte, News Corp sei auch gegen die vorgeschlagene fünfjährige Laufzeit des Vergleichs, da fünf „Internetjahre“ eine Ewigkeit darstellten.

Unter Bezugnahme auf die „ungeheuerliche Ansammlung“ von Inhalten erklärte Thomson, dass neben ernsthaftem kommerziellem Schaden auch „tiefgreifende soziale Kosten“ mit der Handlungsweise von Google verbunden seien. „Das Internet sollte eine Leinwand für Meinungsfreiheit und hochwertige Inhalte von bleibendem Wert sein.“ Die Unterminierung des grundlegenden Geschäftsmodells professioneller Inhaltsautoren werde „zu einem weniger informierten, schikanöser ausgerichteten Dialog in unserer Gesellschaft führen.“

„Ihre Entscheidung, das von Google vorgelegte Vergleichsangebot neu zu überprüfen, erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt in der Geschichte des freien Informationsflusses und einer gesunden Medienlandschaft in Europa und darüber hinaus“, schrieb Thomson.

Es folgt der vollständige Wortlaut des Schreibens von Thomson an Vize-Präsident Almunia:

  8. September 2014
 
Sehr geehrter Herr Vize-Präsident Almunia,
 
Ihre Entscheidung, das von Google vorgelegte Vergleichsangebot neu zu überprüfen, erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt in der Geschichte des freien Informationsflusses und einer gesunden Medienlandschaft in Europa und darüber hinaus. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Fall von tiefgreifender Bedeutung für viele Medienunternehmen in Europa ist und auch für die Menschen von Europa, deren unabhängiger und sinnvoller Zugriff auf Informationen durch die überwältigende Vorrangstellung von Google in Gefahr gerät. Dieses Unternehmen hat sich von einem wunderbar dynamischen, kreativen Silicon Valley Startup zu einer gewaltigen, mächtigen und in vielen Fällen nicht rechenschaftspflichtigen Bürokratie entwickelt, die mitunter geistige Eigentumsrechte missachtet und ihre Suchergebnisse routinemäßig auf eine keineswegs objektive Weise konfiguriert.
 
New Corp hat beträchtliche Geschäftsinteressen in Europa, darunter The Times, The Sun und The Wall Street Journal Europe, sowie ein Netz von Wirtschaftsnachrichtendiensten in den Landessprachen und das Verlagshaus HarperCollins. Wir sind kein kleines Unternehmen und auch wir nutzen Google-Produkte und arbeiten bei diversen Projekten partnerschaftlich mit Google zusammen (was angesichts der Größe und des Einflussbereichs von Google ganz unvermeidbar ist), doch unsere kostbaren Inhalte können leicht missbräuchlich ausgenutzt werden. Da Google in erheblichem Maße von den Anstrengungen und Investitionen Dritter profitiert, muss dieses Unternehmen sich mit mehr Nachdruck dafür einsetzen, dass die Rechte anderer respektiert werden und seine leistungsstarke Suchmaschinenplattform nicht zur Erstickung von Wettbewerb missbraucht wird.
 
Auch wenn zahllose Mitarbeiter von Google ehrenwerte und durchaus professionelle Fachleute sind, haben wir gelernt, das Unternehmen nicht mit naiven Augen zu betrachten. Die glänzende Vision der Gründer von Google ist von einem zynischen Geschäftsleitungsteam ersetzt worden. Werbetreibenden werden beeindruckend präzise Daten über die Nutzer und die Inhaltsnutzung vorlegt, aber die Plattform ist auch für Piraterie und die Ausbreitung böswilliger Netzwerke benutzt worden, während der Datenverkehr steigt und mehr Internetwerbungsgelder in die Google-Taschen fließen. Ein Unternehmen, das sich mit seinen Fähigkeiten brüstet, den Datenverkehr zu verfolgen, ignoriert wissentlich die gesetzwidrigen und fragwürdigen Inhalte, die auch bei den einfachsten Suchanfragen auftauchen. Google ist erstaunlich erfolgreich bei der Monetisierung seiner Nutzer, aber es zeigt sich nicht gewillt, grundlegende Eigentumsrechte zu respektieren, obwohl es eindeutig dazu in der Lage wäre.
 
Bei der Reihenfolge und Darstellung der Google-Suchergebnisse treten plötzliche Änderungen auf, die unvermeidlich die Einnahmen von Google maximieren und dabei aber auch kleine Unternehmen benachteiligen, deren Überleben mittlerweile von Google abhängig ist. Zwischenzeitlich hat Google in den letzten Monaten ein „Zertifizierungverfahren“ für Android-bezogene Produkte entwickelt, mit dem es Inhaltsanbietern und anderen Firmen den Zugang zum mobilen Betriebssystem verzögert oder verweigert, während es sich selbst die Freiheit gewährt, konkurrierende Produkte zu entwickeln. Dieser Tatbestand veranschaulicht die exponenzielle Verwandlung von Google von einem vormals „offenen“ Unternehmen in ein selektiv geschlossenes Unternehmen, das gewillt ist, seine dominante Marktposition zur Erstickung des Wettbewerbs auszunutzen.
 
Es lohnt sich, einen Augenblick innezuhalten und die Entwicklung der Content-Welt zu betrachten. Dabei zeigt sich, dass fünf „Internetjahre“ eine Ewigkeit darstellen. Praktisch alle Zeitungen in Europa befinden sich mitten in einer Umbruchsphase und einige davon wird es in fünf Jahren sicherlich nicht mehr geben, teilweise wegen ihrer eigenen mangelhaften Strategie und ungenügender Führungsarbeit, aber auch weil der Wert ernstzunehmender Inhalte von Google zur Alltagsware gemacht wurde. Die Einzigartigkeit von Nachrichten-Internetseiten wurde durch die Ansammlung von Inhalten unterminiert, die die Titelseite auf die Google-Homepage übertragen. Die Leser wurden daran gewöhnt, diese ungeheuerliche Ansammlung als Norm zu betrachten. Die zweite Phase der Datenaggregation betrifft das Publikum selbst. Durch die Verfolgung von Lesergewohnheiten und Ausnutzung seiner dominanten Stellung in der Internetwerbung macht Google das Publikum spezialisierter Verleger zur Massenware und begrenzt deren Möglichkeiten, Werbeeinnahmen zu generieren. Datensammler versuchen, Lesergruppen zu einem hohen Rabatt an die Originalquelle zu verkaufen, beispielsweise Zugang zu 75 Prozent der Leserschaft des Wall Street Journal zu 25 Prozent des Preises, womit das Geschäftsmodell des Inhaltsautors unterminiert wird. Dieses Verfahren befindet sich in einem relativ frühen Stadium und erfordert kontinuierliche Überwachung, um sicherzustellen, dass Missbräuchen Einhalt geboten wird und dass Zeitungen, Verlagshäuser und andere, die in Originalinhalte investieren, eine faire Rendite erhalten.
 
Mit dieser gewohnheitsmäßigen Aneignung von Inhalten und Publikumsgruppen sind neben ernsthaftem kommerziellem Schaden eindeutig auch tiefgreifende soziale Kosten verbunden. Das Internet sollte eine Leinwand für Meinungsfreiheit und hochwertige Inhalte von bleibendem Wert sein. Die Unterminierung des grundlegenden Geschäftsmodells professioneller Inhaltsautoren wird zu einem weniger informierten, schikanöser ausgerichteten Dialog in unserer Gesellschaft führen. An Meinungen wird es nicht fehlen, im Gegenteil, Meinungen werden sich immer häufiger bilden, aber diese werden auf immer weniger tragfähigen Füßen stehen. Die Qualität des Meinungsaustauschs wird unvermeidlich leiden und die ungemäßigten Trends, die wir bereits in großen Teilen Europas beobachten, werden sich weiter ausbreiten.
 
„Internetidealismus“ wird von Google und bestimmten anderen Digitalunternehmen als unkluge Rechtfertigung unangemessener Geschäftspraktiken vorgebracht. Insbesondere bei der Internetsuche bestehen deutliche Hinweise darauf, dass Google die Nutzer aus wirtschaftlichen Gründen systematisch von relevanten Webseiten weglockt und zu eigenen, verbundenen Seiten führt. Die illustren Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten sehr richtig erklärt, dass die Beeinflussung von Suchmaschinen besonders heimtückisch sei, da es selbst für Experten sehr schwierig ist, Suchmaschinen zu bewerten. Leider beachtet Google diese Weisheit und Warnung selbst nicht mehr. (Eine Suche nach dem englischen Wort „insidious“ (heimtückisch) führt beispielsweise sehr schnell zu Piraterieseiten, wo der Spielfilm dieses Titels illegal angesehen werden kann.) Bei Video-Suchen mit Google erscheinen YouTube-Ergebnisse routinemäßig oben auf den Ergebnisseiten, auch wenn YouTube nicht die Originalquelle des betreffenden Inhalts ist. Der Grund für diese Beeinflussung liegt darin, dass YouTube einen Anteil der Einnahmen erhält und die Einnahmen damit von dem Unternehmen bzw. der Person wegleitet, die das Video erstellt und gepostet hat.
 
Wir haben alle Hochachtung vor der aufrichtigen und sorgfältigen Untersuchungsarbeit, die Sie in diesem Fall bereits durchgeführt haben, aber unsere eingehende Prüfung der vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen veranlasst uns zu der Ansicht, dass diese die bestehenden Probleme nicht lösen, geschweige denn den rapide entstehenden Herausforderungen Abhilfe schaffen werden, die sich in den kommenden Jahren zweifellos zu ernstzunehmenden Fragestellungen entwickeln werden. Die Macht des Unternehmens steigt mit jedem Tag an. Darum wäre es ein erheblicher Fehler, ihm eine Frist von fünf Jahren zu gewähren, in der es die Zukunft von Inhalten nach eigenen Wünschen gestalten und seine dominante Stellung bei der Internetsuche missbrauchen kann. Google wird mit Sicherheit als Gewinner daraus hervorgehen und unter den Verlierern werden sich diejenigen befinden, die die Inhalte erstellen, und zweifellos auch die Menschen in Europa.
 
Im weiteren Verlauf der Untersuchung wäre es uns eine Freude, Ihren Mitarbeitern unsere Expertise und Erfahrung im Bereich der Internetsuche und anderen Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Fall Google zur Verfügung stellen. Wir können Einzelheiten und Kontext bereitstellen, die zu einem umfassenderen Verständnis der kurz- und langfristigen Konsequenzen der überaus wichtigen Entscheidung der Kommission führen würden.
 
Ich bedanke mich für Ihre freundliche Kenntnisnahme und Erwägung dieses Vorschlags.
 

Über News Corp

News Corp (NASDAQ:NWS)(NASDAQ:NWSA) (ASX:NWS)(ASX:NWSLV) ist ein weltweit tätiger diversifizierter Medien- und Informationsdienstanbieter mit Schwerpunkt auf der Erstellung und Verteilung verlässlicher und interessanter Inhalte für Konsumenten in der ganzen Welt. Der Konzern umfasst Geschäftsbereiche in unterschiedlichen Medien, darunter Nachrichten- und Informationsdienste, Kabelnetzprogrammgestaltung in Australien, digitale Immobiliendienste, Verlagswesen, digitale Bildung und Pay-TV-Vertrieb in Australien. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in New York und die Geschäftstätigkeiten von News Corp finden überwiegend in den USA, Australien und Großbritannien statt. Weitere Informationen unter www.newscorp.com.

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Source(s) : News Corp

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