[NMZ] Am Tag mit dem komplizierten Namen

09/11/2013 - 14:37 von Gregor Frowein | Report spam
Heute jàhrt sich die Reichpogromnacht, gern auch genannt
Reichsprogromnacht.

Bei der Verwendung des Wortes ist höchste Vorsicht geboten, wie die
Wikipedia erklàrt. Das habe ich in dieser Deutlichkeit nicht mal
geahnt:

"Vertiefende Erlàuterung der Definition

Aus der empirisch beobachtbaren Verwendung des Begriffs Pogrom làsst
sich ein definitorischer Gehalt destillieren.

Abzugrenzen ist der Begriff gegenüber Verwüstung, Zerstörung und
Unruhe, die mit jedem Krieg einhergehen; andernfalls wàre jede
Kriegshandlung begrifflich ein Pogrom.[2] Für Kriegssituationen gilt:
Auch Streitkràfte können ein Pogrom begehen, wenn sie propagandistisch
eigens gegenüber der Opfergruppe mobilisiert werden.
Die einleitende Definition beschrànkt die Seite der Opfer eines
Pogroms weder allein auf Juden noch auf ethnische Gruppen. Damit ist
auch der Sprachgebrauch Hexenpogrom für entsprechende mittelalterliche
und frühneuzeitliche Ausschreitungen erfasst. Das Beispiel
verdeutlicht, dass die als Pogrom bezeichnete Ausschreitung sich nicht
gegen eine klar definierbare Gruppe richten muss, sondern sich auch
gegen Menschen wenden kann, die gewissen wirklichen oder erfundenen
Gruppen (gesellschaftlichen, religiösen, herkunfts-bezogenen,
kulturell eingegrenzten...) zugerechnet werden. Dies war so bei der
Judenverfolgung im Deutschen Reich 1933 bis 1945 und galt auch für die
menschenverachtenden Etikettierungen, unter denen Menschen nach den
Nürnberger Gesetzen von 1935 zu leiden hatten.[3] In analoger Weise
können auch Übergriffe auf Homosexuelle mit dem Begriff Pogrom
konnotiert sein.[4]
Die Definition vermeidet den Begriff Minderheit. Damit ist
begriffstechnisch erfasst, dass auch der Übergriff einer
Besatzungsmacht gegenüber großen Teilen der Bevölkerung oder der
gesamten Bevölkerung eines Landes unter Umstànden als Pogrom
bezeichnet wird. Hierzu gehört dann das Schüren eines Feindbildes, wie
z. B. bei den Übergriffen von SS, Wehrmacht und Polizei im 2.
Weltkrieg.
Die Definition schließt staatlich verordneten Terror
(Staatsterror) ein: vgl. eine Aussage wie „Die Propagandamaschine
versuchte, im deutschen Volk, insbesondere bei den Soldaten eine
regelrechte Pogromstimmung gegen ‚die Italiener’ zu entfachen.“[5] Das
Beispiel macht zugleich deutlich: Für den Begriff Pogrom ist nicht
vorauszusetzen, dass eine Stimmung bereits breit entfaltet ist und es
nur eines Zündfunkens bedarf, um sie in Gewalt umschlagen zu lassen.
Der Begriff Pogrom ist nicht daran gebunden, dass Ausschreitungen
organisiert sind. Ob und wie organisiert wurde, unterliegt
gegebenenfalls streitiger Diskussion. Beispiele: Bei Pogromen, die als
sozialpsychologische Reaktion auf gerade ausgegebene Judenprivilegien
entstanden oder die sich bei mittelalterlichen Pestepidemien
entfachten, weil man bewusst herbeigeführte Brunnenvergiftungen[6]
unterstellte, erscheint für die Erfüllung des Begriffs Pogrom das
Merkmal Organisation nicht zwingend. Hier kommt man mit der
Erklàrungsfigur des Sündenbocks hinreichend aus. – Von einer
fließenden Grenze zum organisierten Pogrom kann man sprechen, wenn
unterbindungspflichtige Institutionen nicht eingreifen, wie z. B. bei
der Reichspogromnacht ("Kristallnacht") im November 1938.
Mit einem Pogrom gehen hàufig Plünderung, Vergewaltigung, Mord
oder Völkermord einher. Solche Beschreibungselemente machen es
allerdings nicht zwingend, den Begriff Pogrom an die Bedingung einer
Massenausschreitung zu binden. Allerdings nahmen zahlreiche
historische Pogrome solche Ausmaße an. In anderen Zusammenhàngen
umfasst "Pogrom" auch Einzelübergriffe, die an verschiedenen Stellen
in zeitlichem Zusammenhang auftreten.
Bei nàherer Untersuchung von Pogromen stößt man regelmàßig auf
soziale und ökonomische Dimensionen. Dies ausdrücklich in die
Definition zu übernehmen, ist wenig ratsam, denn in der jeweiligen
Beschreibung, wie eine Opfergruppe von Tàtern definiert wird, müssen
diese Dimensionen ohnehin genau ausgeleuchtet werden und gehen nicht
verloren. - Unter Umstànden leben in einem Pogrom auch nur
Erinnerungen oder Pseudo-Erinnerungen an soziale Differenzen zwischen
Tàtern und Opfern auf.

Die nachfolgenden geschichtlichen Beispiele werden nur skizziert.
Nàhere Erklàrungen zu den Ereignissen finden sich an den Stellen, auf
die verwiesen wird. ..."

Früher hieß sie mal anders, aber das Wort traut sich die deutsche
Wikipedia nicht mal mehr als Lemma zu verwenden.

Auf dieser Stufe der Vorsicht ist man bei den Kollegen der
amerikanischen Ausgabe noch nicht angekommen.

Kurz und gut, ich habe heute morgen den Eingang der Saarbrücker
Synagoge fotografiert. Was ich lange Jahre nicht getan hàtte, weil er
immer von Polizisten bewacht war, die ich nicht hàtte bitten mögen,
mal kurz aus dem Bild zu treten.

http://www.flickr.com/photos/gregor.../lightbox/

Gruß
Gregor
 

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#1 Johannes Leckebusch
09/11/2013 - 16:14 | Warnen spam
Am 09.11.2013 14:37, schrieb Gregor Frowein:
Heute jàhrt sich die Reichpogromnacht, gern auch genannt
Reichsprogromnacht.



Interessant, und schönes Bild.
Mit freundlichen Grüßen: Johannes Leckebusch (AR1)

http://johannes-leckebusch.de/

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