[NMZ] Impressionen Brügge

09/11/2013 - 04:24 von Volker Bartheld | Report spam
Hallo!

Für den eiligen Leser:
http://bartheld.net/brugge

Die Langfassung:
Die Zeit, die wir in der Stadt waren, die auch als "Venedig des Nordens"
beworben wird, konnten wir die unterschiedlichsten Formen von Niederschlag
ergründen. Leichter aber bestàndiger Nieselregen, der sich fies auf dem
Kameraobjektiv niederschlàgt und eine Art "permanenten Weichzeichner"
erzeugt. Dann stàrkerer Regen, der in den engen Gassen gerne auch mal von
der Seite oder hinten kommt, unangenehm die Hosenbeine durchweicht und den
diese dann dochteffektmàßig auch in die Goretexschuhe weiterleiten. Denn
Goretex kannst total vergessen, wenn die Bedrohung quasi
doppelagentenmàßig von innen kommt. Zuletzt hàtten wir noch den quasi
sintflutartigen Niederschlag mit regenschirmmordenden Sturmböen, da ist es
dann auch schon egal, daß man am Ende des Tages das Stativ umdrehen und
das Wasser aus den Kohlefaserstecken ablaufen lassen muß.

Dazwischen gabs - oh Wunder - auch kurze Perioden der Trockenheit,
vereinzelt sogar SONNE! Man faßt es nicht. Meist am Vormittag, wenn sich
nach feuchter Nacht irgendwie die Witterung beruhigt hatte.

Aber das Schlimmste sind ja diese furchtbaren Autos, die sich auch noch
durch die allerallerkleinste Gassen durchpürieren müssen. Gnadenlos. Meist
Hiesige, die das beruflich schon OK finden, wenn man mit 50 Sachen
durchbügelt, wo links und rechts vom Außenspiegel vielleicht noch eine
Handbreit zur Ziegelmauer ist und der Pferdedroschke im Heck sitzt, mit
Lichthupe und Blinker links.

In Münchens Fußgàngerzone hàtte es bei solchen Bedingungen ein Blutbad
gegeben - oder zumindest erhebliche Handgreiflichkeiten. Der Belgier und
der europàische Tourist nimmts aber mit erstaunlicher Fassung.

Davon ab ist die Stadt wirklich sehr niedlich, mit pittoresken Gàßchen und
Winkeln, überall die netten kleinen Brücken, Kirchen, geziegelte
Hausfasaden und freilich auch Kunstausstellungen und Galerien, die wir
reichlich besucht haben.

Natürlich war auch der Osten Brügges mit seinen Windmühlen nicht vor uns
sicher, wir haben es dabei sogar auf uns genommen, den von Autos
verseuchten, schnellstraßenartigen Stadtring entlangzulaufen.
Glücklicherweise gab es da einen Fahrradstreifen, sonst hàtten wir das
nicht überlebt.

Der unvermeidliche Besuch im Diamantmuseum liegt nun auch hinter mir, wir
waren auf dem Marktplatz und haben uns erst mit Glühwein zugeschüttet,
anschließend reichlich von diesen belgischen Waffeln gegessen, die aus
einer Art Pfannkuchenteig bestehen, jedoch eher wie ein Kartoffelknödel
von der Konsistenz her. Macht pervers satt, ungefàhr genauso, wie ein Kilo
belgische Schokolade für 12 Euro und 80 Cent.

Danach Sportfotografieübung und Sich-Lustig-Machen über die
Schlittschuhlàufer, die sich auf der Eisbahn am Markplatz an der Kunst des
kunstvollen Kufenschlittern versuchen, mal mit mehr und meist mit weniger
Erfolg. Was würde ich dafür geben, nur einmal mit einer Art
Bewegungswunderwunderdroge dort aufzuschlagen, die mich befàhigt, mal
schnell einen dreifachen Rittberger mit Mörderpirouette rauszulassen, daß
ringsum die Kinnladen nur so runterklappen!

Auf Skates und Asphalt bin ich gar nicht so schlecht, auf Kufen unpackbar.
Zum Sterben peinlich. Man wird einen schiefgegangenen Sprung mit
intensivmedizinisch-chirurigischer Rekonstruktion nach mir benennen: Den
gehechteten Bartheld mit semilethaler Seitwàrtsspirale.

Den ersten Versuch, ins Eisskulpturenfestival (s. auch separater Thread und
URL http://bartheld.net/eis) zu gehen, haben wir schnell wieder geknickt.
Ab Mittags ist das eine extrem schlechte Idee, da standen die Muggels in
Dreierreihen um alle vier Seiten des Ausstellungszelts herum und davor
nochmal in Serpentinen zur Kasse.

NO FUCKING WAY!!!

Das Alternativprogramm bestand in der Besichtigung des Minnewaterparks.
Dort haben wir einige recht morbide Szenen eingefangen, denn es begann
gerade mal wieder zu regnen, glücklicherweise sind Kraftfahrzeuge dort
verboten.

Die würden wohl auch in den Andachtsraum der Heilig-Blut-Basilika
(http://www.holyblood.com) "Sanguis Christi" zum Gottesdienst mit dem
Bürgerkàfig fahren, wenn das Eingangstor nicht so schmal wàre.
Eindrucksvolles Gebàude - der Klerus hat wohl reichlich Kohle.

Aprospos Burg(erkàfig):

Das Glockenspiel dort ist ja endscool. Spielt die kompletten
Weihnachtsgassenhauer rauf und runter, stundenlang. Da müßte man mal
heimlich in den Raum mit der Spieluhr schleichen und die Noten umstecken,
beispielsweise "Turn me Loose" von Loverboy
(http://www.youtube.com/watch?v=TnHm4ro_l8s), oder "Hells Bells" von ACDC,
wegen der Glocken, der Andacht und so.

Da bröckelt dann der Putz aus den altehrwürdigen Mauern... ;-)

Naja - tags drauf waren wir dann um Punkt 10:00 zu Einlaßbeginn bei den
Eisskulpturen am Bahnhof. Der frühe Kaskopf fàngt den Fisch, in Abwandlung
eines bekannten Sprichworts. Ich hatte totalen Tourienepp befürchtet,
wurde aber aufs Angenehmste enttàuscht: (Relativ) wenig los und wirklich
hervorragende Arbeiten, sehr stark tolkienmàßig angehaucht.

Wuchtig, feinstrukturiert und sehr detailverliebt ausgearbeitet, echte
Kunstwerke der vergànglichen Art.

Für einen Fotofritzen wie mich natürlich ein visuelles Fest, mit all den
Farben, Reflektionen und (semi)transparenten Ein-, Auf- und Durchsichten.
Ziemlich làssig - ich habe sicher an die 150 Aufnahmen gemacht. Ohne
Blitz, versteht sich. Nicht wie die unzàhligen iPhone-Legastheniker, die
sich bei den Lichtverhàltnissen recht schwer taten. Ich nahms - 50er
F/1.8er Nikkor sei Dank - mit Fassung.

Für 13€ Eintritt pro Person ist das Festival natürlich nicht billig, aber
definitiv besser angelegtes Geld als die Notpizza im Pizza Hut tags zuvor
(nach gefühlt stundenlanger Wartezeit), die mir schwer im Magen lag.
Glücklicherweise bietet Brügge ja allerhand kulinarische Abwechslung, von
denen wir jetzt annàhernd alles durch haben - mal mit Ausnahme der
Muscheln.

Ich bin ja nicht so der Meeresfrüchtefan.

Das "Olive Tree" (http://www.theolivetree-brugge.com) kann ich sehr
empfehlen, sollte man versuchen, so Brügge als Reiseziel in Betracht
kommt.

Was ich ja nicht verstehe: Ich dachte schon, München wàre eher die
Lamerstadt, was exzessives Nachtleben anbelangt. Aber Brügge setzt der
Sache nochmal die Krone auf. Nach 21:00 sind die Blechkàfige wie auch die
Menschen, die aus ihnen hervorquellen, zu 99.9999% aus der Innenstadt
verschwunden. Da kann man dann nochmal so richtig Sightseeing betreiben -
bei Nacht sind die ganzen Burgen, Kirchen, Gàßchen, düsteren Gànge, Fried-
und Innenhöfe sowie Grachten ohnehin am schönsten. Da taugt es mir gut,
wenn keiner das Stativ umrennt.

Soviel vom hohen Norden, zurück in den verregneten Süden.

Volker

@: I N F O at B A R T H E L D dot N E T
3W: www.bartheld.net
 

Lesen sie die antworten

#1 Jochen Kremer
09/11/2013 - 07:00 | Warnen spam
Am 09.11.2013 04:24, schrieb Volker Bartheld:

Die Zeit, die wir in der Stadt waren, die auch als "Venedig des Nordens"
beworben wird, konnten wir die unterschiedlichsten Formen von Niederschlag
ergründen. …
Aber das Schlimmste sind ja diese furchtbaren Autos, die sich auch noch
durch die allerallerkleinste Gassen durchpürieren müssen. …
Davon ab ist die Stadt wirklich sehr niedlich, mit pittoresken Gàßchen und
Winkeln, überall die netten kleinen Brücken, Kirchen, geziegelte
Hausfasaden …



In dem Fall empfehle ich:
<http://www.virtualbruges.be/> 8-)

Schöne Grüße
Jochen

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