NS-Sammelschienenschutz ohne Leistungsschalter

25/02/2012 - 14:42 von Volker E. Mitter | Report spam
Hallo!

In meinem Ausbildungsbetrieb soll Ende des Jahres ein elektrischer
Schmelzofen überholt werden. Zur Zeit erfolgt die Beheizung über einen
1350 kVA-Stufentrafo, welcher primàrseitig über einen
MS-Sicherungslasttrennschalter direkt ans 20 kV-Netz angeschlossen ist.

Der Stufentrafo soll ersetzt werden durch zwei neue Ofentrafos mit 800
und 480 kVA Nennleistung, die Leistungsregelung erfolgt über
Thyristor-Leistungssteller. Die thyristorgeregelten Systeme sollen über
einen neuen Netztrafo 1.250 kVA, 20/0,4 kV versorgt werden, der am
bestehenden MS-Schalter hàngen wird.

Die Verbindung zwischen der Sekundàrseite des Netztrafos und den
Thyristorstellern soll über ein vorhandenes NS-Schienensystem erfolgen,
welches an anderer Stelle im Betrieb übrig ist. Vor den
Thyristorstellern sitzt jeweils ein Kompaktleistungsschalter, der den
Kurzschluss-/Überlastschutz ab dort übernimmt (Querschnittsverringerung).

Jetzt kommts:

Zum Kurzschluss-/Überlastschutz der NS-Sammelschiene bràuchten wir
eigentlich zwischen Trafo-Sekundàranschluss und Schieneneinspeisung
einen NS-Leistungsschalter (In = 1,8 kA). Wegen der Nachnutzung des
Schienensystems und den örtlichen Gegebenheiten würden wir darauf gerne
verzichten.

Auftrag an mich frischgebackenen Bààtscheller und baldigen
Masterstudenten: ist es stattdessen *zulàssig*, den Trafo-Sekundàrstrom
durch Schutzwandler zu messen und im Fehlerfall den Trafo via AMZ-Relais
mittelspannungsseitig abzuschalten?

Der elektronische Auslöser im NS-Leistungsschalter macht ja auch nichts
anderes, hat aber den Schalter direkt angeflanscht.

In der Literatur und im Internet finde ich nichts aussagekràftiges. Und
gesehen habe ich so etwas im Niederspannungsbereich auch noch nie.

Das der MS-Schalter ca. 5...10 mal langsamer ausschaltet als ein
NS-Leistungsschalter und dadurch der Schaden im Kurzschlussfall größer
wàre, ist uns bewusst. Ist das auch der Grund, warum man das
normalerweise nicht so macht?

Schließlich ist die bestehende Anlage auch nur über den
MS-Sicherungslasttrennschalter (!) plus Buchholz- und
Trafoübertemperaturschutz geschützt, auf der Sekundàrseite gibt es keine
Schalter, die Sekundàrströme werden zwar gemessen, aber nicht für eine
Auslösung verwendet.

Gleich noch eine Frage: Schutzstromwandler für Niederspannung kann man
überall kaufen. Aber wer bietet geeignete Überstromrelais an, die nicht
gleich auf den MS-Neztschutz ausgelegt sind (wie z. B. SiProtect etc.).

Gruß,

Volker
 

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#1 Ralf . K u s m i e r z
25/02/2012 - 22:01 | Warnen spam
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begin quoting, "Volker E. Mitter" schrieb:

Auftrag an mich frischgebackenen Bààtscheller und baldigen
Masterstudenten: ist es stattdessen *zulàssig*, den Trafo-Sekundàrstrom
durch Schutzwandler zu messen und im Fehlerfall den Trafo



Nicht "den", sondern "die": Du mußt die Möglichkeite eines Fehlers in
einem Trafo, der dann auch von dem anderen Trafo sekundàrseutig
rückgespeist wird, ebenfalls berücksichtigen.

via AMZ-Relais
mittelspannungsseitig abzuschalten?
Der elektronische Auslöser im NS-Leistungsschalter macht ja auch nichts
anderes, hat aber den Schalter direkt angeflanscht.



"Zulàssig" gibt es dort nicht. Du wirst an relativ aufwendigen
Simulationen nicht vorbeikommen: Was genau passiert bei verschiedenen
Lastzustànden, wenn verschiedene Fehler unterschiedlicher
Fehlerimpedanz an verschiedenen Stellen auftreten (und zwar auch
Doppel- und Dreifachfehler), welche zulàssigen Grenzwerte an welchen
Betriebsmitteln können berührt werden (thermisch, mechanisch)?

Dazu muß das E-Werk seinen Senf dazugeben und Euch sagen, welche
fehlerbedingten Schieflasten und Spannungseinbrüche ihr wie lange
"dürft" (was aber eigentlich durch MS-Sicherungslasttrennschalter
abgefangen sein sollte), und was die Trafos so übelnehmen/mit erhöhter
Alterung quittieren (Hersteller!). Wer dann ggf. auch noch ein
Wörtchen mitzureden hat, wàre Eure Versicherung.

Irgendnwie deucht mich, die beiden Trafos möchten primàrseitig
Leistungsschalter haben und beidseitig mit Schutzwandlern zwecks
Diffenrentialschutz instrumentiert werden, der dann "nebenberuflich"
auch noch sekundàren Überstrom erkennen könnte, aber das könnte
andererseits auch Overkill sein.

Grundsàtzlich finde ich Deine AMZ-Relaislösung i. O.

In der Literatur und im Internet finde ich nichts aussagekràftiges. Und
gesehen habe ich so etwas im Niederspannungsbereich auch noch nie.



Das liegt vielleicht auch daran, daß aufwendige und saubere Lösungen
nur im Netzbetrieb verwendet werden und im NS-Bereich eben nur
Standardbausteine eingesetzt werden. Mach mal 'n Plàuschchen mit
Netzbetreiber und Trafo-Hersteller und hab ein Auge auf die Grenzen
der Leistungssteller, obwohl letztere eigentlich alles abkönnen und
sich selbst schützen können sollten.

(Überspannungsschutz an den Trafos vorhanden? Netzrückwirkungen
(Oberschwingungen) ok?)

Das der MS-Schalter ca. 5...10 mal langsamer ausschaltet als ein
NS-Leistungsschalter und dadurch der Schaden im Kurzschlussfall größer
wàre, ist uns bewusst. Ist das auch der Grund, warum man das
normalerweise nicht so macht?



Eher nicht. Aber man muß eben überlegen, wie hoch der Schaden denn nun
wirklich werden kann (Produktionsausfall!), und bedenken, was
passiert, wenn er wirklich auftritt (versichern!).

Schließlich ist die bestehende Anlage auch nur über den
MS-Sicherungslasttrennschalter (!) plus Buchholz- und
Trafoübertemperaturschutz geschützt, auf der Sekundàrseite gibt es keine
Schalter, die Sekundàrströme werden zwar gemessen, aber nicht für eine
Auslösung verwendet.



Und es ist auch nie etwas passiert, nehme ich an. In NS-Anlagen
passiert auch nichts, solange niemand Schraubenschlüssel reinschmeißt,
oder sowas.

Was spricht eigentlich gegen NH-Sicherungen?


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
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