Offtopic: Wie leitet man ein Forschungsprojekt?

05/03/2014 - 21:50 von Manuel Rodriguez | Report spam
Ich suche jetzt schon eine halbe Ewigkeit das Usenet nach einer passenden Gruppe ab, finde aber irgendwie nicht die richtig. Also, und das tut mir wirklich von Herzen leid, muss ich leider Euch hier mit meinem Anliegen belàstigen. In der Hoffnung, vielleicht doch ein wenig richtig zu sein. Denn immerhin geht es schon irgendwie um Naturwissenschaft und um Forschung.

Konkret möchte ich gerne wissen: wie leitet man ein Forschungsprojekt?

Oh ja, die Frage ist sehr allgemein gehalten und natürlich habe ich mich schon etwas damit beschàftigt, aber bisher nicht mit dem gewünschten Ergebnis. Am besten breite ich erstmal detailiert aus, was schon bekannt ist. Beispielsweise muss Wesley Crusher (nein, nicht der aus Big Bang Theory) in einer Folge sein Können als Leiter eines kleinen Forschungsprojektes demonstrieren. Die Quintessenz war damals, dass ein Leiter auch mal Einwànde seiner Untergebenen ignorieren muss, weil nur so eine Entscheidung herbeigeführt werden kann. Im Grunde ist das klassisches Top-Down-Vorgehen: es steht diejenige Person die entweder gerade die Rolle innehat oder besser noch, die sie auch verdient hat, an der Spitze und führt das Team. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass die einzelnen Diven alle an der gleichen Sache arbeiten und das Projektziel erreicht wird.

Als Gegenmodell dazu gibt es das ursprünglich aus der Callcenter-Ecke stammende, inzwischen aber auch bei Programmiern beliebte Bottom-Up-Verfahren, indem Probleme nach oben deligiert werden und der Leiter keinerlei Entscheidungen mehr trifft. Allerdings ist das wie gesagt vorwiegend bei einfachen eher handwerklichen Softwareprojekte derzeit en vogue und es ist fraglich, ob man damit auch wissenschaftliche Projekte voranbringen kann.

Normalerweise werden Projekte ja in gescheitert vs. erfolgreich eingeteilt. Aber wie ist das eigentlich in der Wissenschaft? Ich glaube nicht, dass man hier derartige Maßstàbe anlegen kann, das wàre so àhnlich als wollte man ein Gemàlde danach beurteilen, wieviel Farbe jemand verbraucht hat um es zu malen. Aber welche Maßstàbe oder Rezepte bieten sich dann an? Ich meine, was ist wissenschaftliche Forschung eigentlich?

Nehmen wir dochmal an, wir haben 50 Physiker, einen Teilchenbeschleuniger, eine Aufgabe und jede Menge Zeit. Wie geht es dann los? Teilt der Leiter zunàchst die Gruppen ein, so wie in der Schule der Lehrer den Kindern etwas aufgibt, was sie dann machen müssen? Oder ist es eher so, dass jeder der Wissenschaftler von allein weiß was zu tun ist, und wie man einen Bericht schreibt, und wird nicht eher auf Selbstmanagement großen Wert gelegt? (Jeder ist sein eigener Leiter).

Das Problem dürfte sein, dass Mißerfolg des Forschungsvorhabens keinerlei Bedeutung besitzt, denn das das Projekt scheitert wissen die Beteiligten von Anfang an. Sonst wàre es nàhmlich gar kein echtes Forschungsprojekt, sondern ein ganz normaler handwerklicher Beruf, den ein Kunde in Auftrag gibt und den man dann ausführt. Die Frage ist demzufolge, wie man zwischen einem gescheiterten und einem gescheiterten Projekt differenziert. Ich meine, wenn die 50 Physiker den Teilchenbeschleuniger gleich beim ersten Testlauf kaputt machen ist das Projekt ganz klar gegen die Wand gefahren, aber ein gutes Forschungsprojekt war es trotzdem nicht. Wenn hingegen die Wissenschaftler damit mehere Wochen irgendwas herumprobieren und anschließend kein bisschen schlauer sind, dann kann es trotzdem ein gutes Projekt gewesen sein. Wie misst man sowas eigentlich?

Natürlich braucht man sich nicht auf reine Spekulationen verlassen, dann naturwissenschaftliche Forschung wird nicht erst seit heute betrieben sondern hat eine Geschichte. Und dort kann man Beispiele entdecken, was gute und schlechte Forschung war. Ein Beispiel für gute Forschung war Albert Einstein. Aber gibt es auch negativ-Beispiele? Selbst der sogenannte Forschungsbetrug vermittelt immerhin noch soetwas wie Informationen. Wirklich gescheitert ist auch er nicht, man kann die gefakten Studien zumindest schmunzelnd zur Kenntnis nehmen.

Aber vielleicht ist der Fokus auf das Projekt falsch gewàhlt. Vielleicht geht es bei Forschung ja nicht wirklich um die Physik, sondern stattdessen um die Wissenschaftler. Also um die Personen, die etwas tun. D.h. wenn man 50 namenhafte Physiker zusammenbringt, dann ist es Forschung, wenn man 50 Nonames nimmt hingegen nicht.

Da ich an dieser Stelle nicht fragen möchte "Wie seht ihr das?", möchte ich einfach mit den Worten schließen, dass dies die Ergebnisse meiner eigenen Nachforschung zum Thema sind.
 

Lesen sie die antworten

#1 Hans-Peter Diettrich
06/03/2014 - 02:22 | Warnen spam
Manuel Rodriguez schrieb:

Konkret möchte ich gerne wissen: wie leitet man ein
Forschungsprojekt?



Gegenfrage: Was ist ein Forschungsprojekt?

Was ist das Ziel, der Zeitplan, welche Ressourcen (Stellen,
Investitionen, Einrichtungen...) stehen zur Verfügung?

DoDi

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