[OT] Endlich ein Richter mit Hirn

13/08/2014 - 11:57 von Wolfgang Kynast | Report spam
Moinmoin,

ich weiß, hier völlig OT, aber ich hab mich eben sowas von beömmelt,
das KANN ich Euch nicht vorenthalten:
http://www.zvr-online.com/index.php?id(5


Verklagt war ein "Jobcenter".

<zitat>
Zwar hat das Gericht erhebliche Zweifel daran, dass es sich bei dem
Beklagten um eine Behörde oder Bundeseinrichtung handelt. Nach § 23
Abs. 1 VwVfG ist die Amtssprache und nach § 184 GVG ist die
Gerichtssprache deutsch. Bei der Bezeichnung „Jobcenter" handelt es
sich indes gerade nicht um eine aus der deutschen Sprache herrührende
Begrifflichkeit. Von daher ist mehr als fraglich, ob eine unter dem
Begriff „Jobcenter" firmierende Einrichtung eine deutsche
Verwaltungsbehörde sein kann. Dies gilt ungeachtet dessen, dass im
Bereich der öffentlichen Aufgabenwahrnehmung in letzter Zeit vermehrt
Anglizismen und andere Fremdworte Einzug gefunden haben, denn einer
ordentlichen hoheitlichen deutschen Verwaltung ist auch eine deutsche
Begrifflichkeit immanent. So gibt es in Hessen derzeit das „HCC —
Hessisches Competence Center", „Hessen Mobil", „Hessisches
Immobilienmanagement" und auch bundesweit den Begriff „Agentur für
Arbeit", was aber noch nicht belegt, dass hiermit auch tatsàchliche
deutsche Verwaltungsbehörden gemeint sind; denn diese Bezeichnungen
können auch unschwer mit aussagekràftigen, althergebrachten und
einpràgsamen Wörtern der deutschen Sprache belegt werden, etwa mit
„Hessische Buchungsstelle", „Hessisches Landesamt für Straßen- und
Verkehrswesen", „Hessische Liegenschaftsverwaltung" oder schlicht
„Arbeitsamt", wie es früher auch üblich und – besser verstàndlich war.
Einer alten Verwaltungsstruktur einen Fremdnamen zu geben modernisiert
weder die Verwaltung noch gibt es andere Notwendigkeiten zur
Verwendung fremdsprachlicher Begrifflichkeiten. Auch in der
Gerichtsbarkeit findet vermehrt der Ausdruck „E-justice" Verwendung,
was ebenfalls auf ein fehlendes oder aber zumindest fehlerhaftes
deutsches Sprachbewusstsein schließen làsst, denn justice bezeichnet
gerade den altbewàhrten Begriff Gerichtsbarkeit.

Dankenswerter Weise darf das Gericht noch als Verwaltungsgericht
entscheiden und muss sich – noch - nicht „administrative court" nennen
und auch der HessVGH muss noch nicht als „hessian administrative court
of appeal" Recht sprechen. Aus Sicht des Gerichts haben derartige
Anglizismen oder andere Fremdworte weder in der deutschen
Gerichtsbarkeit noch im deutschen Behördenaufbau einen Platz. Bei
weiterem Fortschreiten derartiger sprachlicher Auswüchse erscheint
infolge der verursachten Verwirrung die Funktionsfàhigkeit des
Verwaltungshandelns insgesamt gefàhrdet (vgl Die Heilige Schrift, 1.
Mose 11, Verse 1, 7-9). Auch die Bezeichnung des Beklagten hàtte man
besser bei der alten Begrifflichkeit „Sozialamt" belassen und statt
der neu-deutschen Bezeichnung „Kunden" trifft der Begriff
„Antragsteller" den Kern der Sache besser, denn im allgemeinen
Sprachgebrauch ist der Kunde König, was im Aufgabenbereich des
Beklagten wohl nur seltenst der Fall ist."

Wobei ich fest davon ausgehe, dass höhere Instanzen das
selbstverstàndlich und staatstragend anders sehen werden.

Wer es nicht glauben mag, kann nach dem AZ googeln.

Schöne Grüße,
Wolfgang
 

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#1 Oliver Jennrich
13/08/2014 - 14:07 | Warnen spam
Wolfgang Kynast writes:

Moinmoin,

ich weiß, hier völlig OT,



Aber sowas von.

aber ich hab mich eben sowas von beömmelt, das KANN ich Euch nicht
vorenthalten: http://www.zvr-online.com/index.php?id(5


Verklagt war ein "Jobcenter".

<zitat>
Zwar hat das Gericht erhebliche Zweifel daran, dass es sich bei dem
Beklagten um eine Behörde oder Bundeseinrichtung handelt.



Ja, gut. Man kann sich auch aks Richter zum Affen machen. Vor allem,
wenn man die deutsche Sprache so gut beherrscht, dass man Sàtze wie
diese formuliert:

Nach § 23 Abs. 1 VwVfG ist die Amtssprache und nach § 184 GVG ist die
Gerichtssprache deutsch.



'Paragraph' ist ja ein urdeutsches Wort. Und VwVfG auch. Und
'firmieren', 'Anglizismus','immanent', 'modernisiert'
ersteinmal. Und wenn man noch weiter zurückdenken will, sollte man
vielleicht auch andere Wörter mit Migrationshintergrund meiden, wie
z.B. Amt (aus dem keltischen) oder Straße (aus dem lat.).

Aber gut, auch einem Richter am AG sei die Stammtischhoheit gegönnt.

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