Phasenkontrast ./. Grünfilter

26/01/2009 - 15:37 von Klaus Wagner | Report spam
Hallo,

Vielleicht weiß hier jemand eine exakte Antwort. Ich habŽ schon verschiedene
Erklàrungsversuche gehört und gelesen, kann das aber alles nicht recht
nachvollziehen.

Also: Wenn Mikroskope mit Phasenkontrast ausgestattet werden, ist als
Zubehör stets ein Grünfilter mit dabei. Ich kann den Grund nicht so recht
einsehen; in Versuchen mit Epitelzellen aus einem Wangenabstich wollte ich
das nachvollziehen. Pm praktischen Versuch kann ich aber keine (deutlichen)
Unterschiede zwischen Grünfilter und anderen Filtern erkennen.

Weiß von jemand den exakten physikalischen Hintergrund?

Gruß
Klaus
 

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#1 Bastiaan Zapf
26/01/2009 - 18:42 | Warnen spam
Klaus Wagner wrote:

Also: Wenn Mikroskope mit Phasenkontrast ausgestattet werden, ist als
Zubehör stets ein Grünfilter mit dabei. Ich kann den Grund nicht so
recht einsehen;

Weiß von jemand den exakten physikalischen Hintergrund?



Ich denke, der Hintergrund ist ein physiologischer: erstmal ist man ja
nur an der Phasendifferenz interessiert, da sind die Farben an sich
erstmal uninteressant. (zumindest, solange die Phasendifferenz unter
einer Wellenlànge bleibt - die "farbigkeit" ist ja nur einen bunter
Saum, bei den Größen gibt es idR keine interessanten Farben am Objekt
selber)

Die blauempfindlichen Sehzellen haben eine vergleichsweise geringe
Auflösung und sind vergleichsweise unempfindlich, also sollte man blaues
Licht tunlichst vermeiden, wenn man viel und scharf sehen will.

Übrig bleiben also rote und grüne, und die roten scheiden aus, weil sie
erstmal auf làngere Wellenlàngen reagieren (d.h., der Phasen"kontrast" -
unterschied in der Helligkeit - wird bei gleicher Phasen"differenz" -
unterschied in den "Weglàngen" - geringer ausfallen), und dann auch
nochmal ein wenig unempfindlicher sind als die grünen. Also fàllt für
monochromatische Betrachtung die Wahl auf grünes Licht.

Ferner haben blaue und rote Sehzellen einige weitere Eigenheiten, die
ihre Verwendung unpraktisch machen. Zum einen sind auch die
farbenblinden Sehzellen weitgehend unempfindlich für blaues Licht, so
dass es schwer ist, in blauem Licht Details zu erkennen. Zum anderen
reagiert die Helligkeitsadaption des Auges kaum auf rotes Licht (deshalb
benutzen Astronomen rote Taschenlampen). Dies führt bei làngerem Blick
in rotes Licht in typischen Laborsituationen möglicherweise zu
anstrengenden Nebeneffekten.

Meines Wissens nach sind àhnliche Erwàgungen der Grund dafür, dass man
Monochrommonitore wenn schon farbig dann grün oder "bernstein" macht und
nicht blau oder rot.

Der Vorteil würde also verschwinden, wenn man beispielsweise ein CCD
benutzt, um das Bild aufzunehmen, und es dann auf einem Monitor darstellt.

Aus eigener Mikroskopieerfahrung (leider bislang kein Phasenkontrast)
weiß ich, dass Farbfilter auch schon bei normal mikroskopierten
farblosen Proben beim Erkennen von Details helfen können, wenn eben das
störende und ohnehin nutzlose Blaue Licht ausgeblendet wird. Ob dann rot
oder grün besser ist, ist meiner Erfahrung letztlich Glückssache. Der
Effekt ist aber ziemlich subtil, das ganze findet am Rande der
Wahrnehmungsgrenze statt. Vielleicht geràt man hier auch leicht in
halluzinatorische Regimes ;)

Rein physikalisch wàre das blaue Licht das interessanteste, da es
aufgrund seiner kurzen Wellenlànge die stàrksten Phasenkontraste
hervorbringen würde und die feinsten Details abbilden könnte. Noch
kürzere Lichtwellenlàngen wàre noch sehschàrfer, aber unsere Augen
reagieren ja leider nicht darauf (das heißt unter anderem dass alle
Arbeit mit dem Geràt einen Zacken schwieriger wird), mit der Optik wird
es dann auch blöd (normales Linsenglas ist für UV undurchsichtig) usw.

Grünes Licht stellt also einen Kompromiß aus Sichtbarkeit und
physikalischer sinnhaftigkeit dar.

XPost & Fup2 de.sci.medizin.misc, hoffentlich ist dort die physiologie
eher on-Topic, und möglicherweise gibt es ja auch den einen oder
anderen, der schonmal ein Mikroskop angefasst hat...

Basti

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