Physiker und die Finanzkrise

19/10/2011 - 12:18 von Ernst Sauer | Report spam
Hallo,

in der Münchner Runde wurde in einem Nebensatz geàußert,
dass die Mogelpackungen der Banken gar nicht (mehr) von
Mathematikern sondern von Physikern ausgetüftelt werden.

Jetzt könnte man die boshafte Frage stellen, ob Physiker
die Naturgesetze nur erforschen, um herauszufinden, wie
man am besten den Lebensraum Erde zerstören kann.

Mit der Hardware ist es noch nicht ganz gelungen, also
versucht man es jetzt mit der Software.

Hm, ist/war die Kanzlerin nicht Physikerin?

Gruß
E.S.
 

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#1 K.Huller
19/10/2011 - 13:22 | Warnen spam
Ernst Sauer wrote:

in der Münchner Runde wurde in einem Nebensatz geàußert,
dass die Mogelpackungen der Banken gar nicht (mehr) von
Mathematikern sondern von Physikern ausgetüftelt werden.

Jetzt könnte man die boshafte Frage stellen, ob Physiker
die Naturgesetze nur erforschen, um herauszufinden, wie
man am besten den Lebensraum Erde zerstören kann.



Von der Finanzindustrie werden schon lange in großer Zahl angewandte
Mathematiker und theoretische Physiker angestellt, weil die im Gegensatz zu
Ökonmomen noch richtig rechnen können (statt nur mit Formeln protzen). Die
Geschàftsstrategie gibt aber immer noch der Bankvorstand vor, und das
wesentliche Ziel solcher Modellrechnungen ist, den Konkurrenten bei der
(hoffentlich richtigen) Einschàtzung der Marktlage ein kleines Stück voraus
zu kommen.

Parallel dazu hat sich eine von solchen Leuten betriebene Unterdisziplin der
Finanz'wissenschaft' etabliert unter dem Namen 'Econophysics', s. z.B.
hier:
www.unifr.ch/econophysics
Maßgebliche Leute dort sind sich sehr wohl im klaren darüber, daß an
ökonomischen Theorien etwas grundsàtzlich faul ist, insbes. die Hypothesen
vom Marktgleichgewicht. Ausführlich dazu:
Joseph L. McCauley, Dynamics of Markets, Cambridge University Press

Eine dritte Linie von der Physik zur Ökonomie ist die, daß in den letzten
hundert Jahren nicht wenige führende Ökonomen, insbes. der Neoklassik und
darunter ihr Papst Walras, diese Laufbahn nach Abbruch eines Ingenieur-
oder Physikstudiums in irgendeinem Stadium einschlugen und dabei
halbverstandene Konzepte insbes. aus der klassischen Mechanik und
Thermodynamik mitnahmen. Das findet man inhaltlich und historisch
nachgezeichnet bei dem US-Wissenschaftshistoriker Philip Mirowski, insbes.
in seinem Buch 'More Heat than Light'.

Hm, ist/war die Kanzlerin nicht Physikerin?



Ah, das hatte ich vergessen. Sie hat für ihren Doktor in einem Institut für
Theoretische Chemie quantenmechanische Molekülorbitalrechnungen
durchgeführt. Unter Physikern heißt so etwas 'Experimentalmathematik'
(schaun wir mal, ob was rauskommt, das wir publizieren können!).

Gruß
Knut

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