Prolinux ueber neue Version von systemd

21/02/2014 - 10:25 von Juergen Ilse | Report spam
Hallo,

eben las ich auf pro-linux.de die Meldung ueber die neue Version 209 von
systemd. Wie viele "Propagandaluegen" muss man wohl noch ertragen, bis da
endlich mal Ruhe einkehrt?
-
Systemd ist eine Sammlung von Daemonen und Werkzeugen zum Starten und
Herunterfahren eines Linux-Systems. Unter Verwendung von moderner
Funktionalitàt des Linux-Kernels ersetzt es den SysVInit-Daemon, der sein
Alter mehr als deutlich zeigt, und tausende Zeilen von über die Jahre
gewachsenem Code, von Shell-Skripten bis zu weiteren Daemonen.
Toll nun ist der sysv-init also nicht nur veraltet (darueber koennte man
vielleicht sogar diskutieren) sondern wird auch noch als unueberschaubares
Code-Monster dargestellt, dabei gibt es nur wenige *noch* *schlankere*
Komponenten eines unixoiden Betriebssystems. Der sysv-init selbst enthaelt
ca. 14500 Code-Zeilen und zaehlt daher wirklich zu den vergleichsweise
schlanken Systemkomponenten. Wenn man die init-scripte wirklich mit dazu
zaehlen moechte (ich wuerde eher dazu neiegen, es nicht zu tun), landet
man bei ein paar Tausend Zeilen mehr (Ich habe noch kein System gesehen,
bei dem die init-scripte mehr als 10000 Zeilen umfassen wuerden, und davon
sind i.d.R. fast die Haelfte Kommentare).
Betrachtet man dagegen systemd (die angeblich so viel modernere, schlankere
und elegantere Alternative), so erweist sich diese als das Code-Monster, das
sysv-init angeblich sein soll: hat man doch neben syslog-Funktionalitaet
auch noch etliches anderes in dieses Code-Konglomerat hineingefuegt (mitt-
lerweile workarounds fuer die in manchen Faellen nicht funktionierende
"Socket-Aktivierung" von Prozessen, Proxys fuer TCP-Connections, und nun
auch noch das Netzwerk-Setup).

-
Durch eine klar definierte, an den Einsatzzweck angepasste Syntax vereinfacht
Systemd die Konfiguration der Dienste wesentlich.
-
Auf so etwas moechte ich am liebsten antworten "Ja, du mich auch".
Es ist einfach laecherlich, solch ein Code-Monster gegenueber sysv-init
als "schlanke und elegante Alternative" zu bezeichnen, zumal das Ding
noch nicht einmal auf andere unixoide Systeme portabel ist (im Gegensatz
zu fast jedem anderen init-System). Warum muss man unbedingt bewaehrtes
duch so einen Schlamm ersetzen (der demnaechst wohl auch noch das login
ersetzen soll, oder tut es das Ding schon?)? Nur um ein paar Sekunden
schneller booten zu koennen? Wie oft bootet man denn so? 6000 mal am Tag?
Dann wuerde diese Optimierung ja viellecht etwas bringen, aber ich boote
meine Rechner selten genug, damit eine solche Optmierung nicht ins Gewicht
faellt (und dabei boote ich schon deutlich haeufiger als viele Befuerworter
solch unsinniger Optmierungen, die ihren Rechner statt neu zu booten jeweils
nur aus dem "Ruhezustand aufwecken" ...

Wenn die alten Roemer sich schon ohne solche auswuechse zu Spruechen wie
"Oh tempora oh mores" hinreissen liessen, was wuerden sie dann erst zu
solchen Entwicklungen sagen? Vielleicht kommen die Idio^WEntwickler ja
auch noch auf die Idee, den Systemd (wenn er denn erst einmal fast das
gesamte System ersetzt hat) auch noch um Applikationen wie Textverarbeitung
und Tabellekalkulation sowie Bildbearbeitung zu erweitern, bevor sie ihn
dann als letzten Schritt mit dem Kernel zu einem riesen Code-Block zusammen-
fassen ...

Tschuess,
Juergen Ilse (juergen@usenet-verwaltung.de)
Ein Domainname ist nur ein Name, nicht mehr und nicht weniger.
Wer mehr hineininterpretiert, hat das Domain-Name-System nicht
verstanden.
 

Lesen sie die antworten

#1 Thomas Bächler
21/02/2014 - 10:45 | Warnen spam
Am 21.02.2014 10:25, schrieb Juergen Ilse:
Systemd ist eine Sammlung von Daemonen und Werkzeugen zum Starten und
Herunterfahren eines Linux-Systems. Unter Verwendung von moderner
Funktionalitàt des Linux-Kernels ersetzt es den SysVInit-Daemon, der sein
Alter mehr als deutlich zeigt, und tausende Zeilen von über die Jahre
gewachsenem Code, von Shell-Skripten bis zu weiteren Daemonen.
Toll nun ist der sysv-init also nicht nur veraltet (darueber koennte man
vielleicht sogar diskutieren) sondern wird auch noch als unueberschaubares
Code-Monster dargestellt, dabei gibt es nur wenige *noch* *schlankere*
Komponenten eines unixoiden Betriebssystems.



Hast du auch nen Link?

Das sieht ja aus als wàren die Autoren ziemlich ahnungslos. Das Problem
an sysvinit ist doch eher, dass er *nicht* gewachsen ist und seine
Entwicklung weitestgehend stillsteht. Niemand (außer dem von dir
zitierten Artikel) hat je behauptet, man müsse sysvinit ersetzen weil
der Code nicht wartbar sei. Der Grund für systemd hingegen ist, dass man
einen im Vergleich zu sysvinit komplett neuen Ansatz verfolgt.

Du machst allerdings den Fehler, dass du die Behauptungen in diesem
Artikel mit den Aussagen von systemd-Entwicklern vermischst und dich
über die aus beiden entstandene Behauptungs-Suppe aufregst. Lass das, es
tut dir nicht gut.

Ähnliche fragen