Schutzmassnahmen kombinieren

15/04/2009 - 23:48 von Werner Holtfreter | Report spam
Hallo,

Ich beziehe mich auf diesen Artikel von Dipl.-Ing. Michael Hirsch:

http://www.voltimum.at/news/1881/an...dose-.html

######## ZITAT: ########

Durch die Nullungsverordnung 1998 und die Errichtungsbestimmung
ÖVE/ÖNORM E 8001-1 ist die Betrachtungsweise der Schutzmassnahmen
und des Schutzkonzeptes massiv veràndert worden. Ergànzend dazu hat
das Verhalten vieler Betreiber elektrischer Anlagen Einfluss auf
die heutige Sicht des Schutzes gegen gefàhrliche Körperströme
genommen.

...

Der Grund, warum nun im Zusammenhang mit elektrischen Anlagen eine
Verschàrfung der Rahmenbedingungen herbeigeführt wurde, hat damit
zu tun, dass in zahlreichen Anlagenbetreiberköpfen kein Verstàndnis
zu finden ist, dass ein derart sensibles Geràt wie ein
Fehlerstromschutzschalter aufgrund seines feinmechanisch überaus
komplizierten Aufbaus pflegebedürftig ist. Die sechsmonatlichen
Pflegeintervalle, die in der „alten“ Bestimmung zum Betrieb
elektrischer Starkstromanlagen (ÖVE-E 5/1989) vorgesehen sind (und
leider in der derzeit verbindlich gültigen Bestimmung ÖVE EN 50110
nicht mehr enthalten sind), führen wegen des damit verbundenen
lokalen Ausfalls der Energieversorgung im nach dem
Fehlerstromschutzschalter in Energieflussrichtung liegenden
Anlagenteils beim Anlagenbetreiber hàufig zu Stressreaktionen.
Dabei wàre die Umstellung auf die Sommerzeit am 30. Màrz 2008 ja
eine gute Gelegenheit dafür gewesen. Sogar in den 12
Uhr-Nachrichten auf Ö3 wurde auf die Prüfung der FI-Schalter
hingewiesen. Je nach Tàtigkeitsbereich werden folgende Gründe für
berechtigtes Nicht-Prüfen angeführt:

* Alle Uhren müssen gestellt werden!

* Sendereinstellung von Empfangsgeràten, deren Stützbatterie des
Sender-Speichers leer ist.

* Betriebsunterbrechung hochempfindlicher Datenverarbeitungssysteme,
die von niemandem ordnungsgemàss niedergefahren und anschliessend
gebootet werden können.

* Unterbrechung von Telefongespràchen in Mobilfunknetzen (betrifft
alle Netzbetreiber)

Die Liste kann noch beliebig fortgesetzt werden. Dabei könnte alles
mit geeigneter Wahl von Maßnahmen beherrscht werden. Und selbst der
prüfungsbedingte Ausfall des EDV-Systems làsst sich durch Auswahl
einer Schutzmassnahme, die ohne Auslösung geprüft werden kann und
keinen Fehlerstromschutzschalter für die Umsetzung des
Zusatzschutzes benötigt (z.B. Isolationsüberwachungssystem,
Schutztrennung für mehrere Betriebsmittel) vermeiden.

Die Resultate von unterlassenen Prüfungen von
Fehlerstromschutzschaltern sind Ausfàlle (d.h.
Fehlerstromschutzschalter löst nicht aus) der
Fehlerstromschutzeinrichtungen in Anlagen, die fünf Jahre oder
lànger in Betrieb sind, in der Größenordnung von mehr als 10 %. Da
der Grossteil der öffentlichen Niederspannungsversorgungsnetze bis
zum Inkrafttreten der Nullungsverordnung als TT-Systeme mit
Anwendung der Schutzmassnahme Fehlerstromschutzschaltung betrieben
wurden, war damit grob abgeschàtzt für 10 % der Anlagen, die àlter
als fünf Jahre waren, kein wirksamer Fehlerschutz vorhanden.

Zum Aufbau sicherer Anlagen mit Zusatzschutz wurde die Nullung als
zuverlàssige Maßnahme des Fehlerschutzes bei indirektem Berühren
mit einem Fehlerstromschutzschalter mit einem
Auslösefehlernennstrom von maximal 30 mA zur Nullung mit
Zusatzschutz kombiniert. Um die Vorteile der Nullung (wartungsarme
Schutzmassnahme, die ohne Abschaltung geprüft werden kann) mit der
Sensibilitàt des Zusatzschutzes zu kombinieren, ist es
erforderlich, die Wirkung der Nullung auch nach der
Fehlerstromschutzeinrichtung, d.h. an der Steckdose und an den
Versorgungspunkten der Betriebsmittel, zu überprüfen. Im Fall eines
Fehlers des Fehlerstromschutzschalters kann zumindest die
Schutzmassnahme Nullung eine Fehlerabschaltung herbeiführen. Bei
konventioneller Messung der Fehlerschleifenimpedanz führt die
Prüfung zur Auslösung der vorgeschalteten
Fehlerstromschutzeinrichtung für den Zusatzschutz. Der Prüfablauf
zur Prüfung der Schutzmassnahme Fehlerstromschutzschaltung ohne
Auslösung des Fehlerstromschutzschalters (nur eine Teilprüfung der
gesamten Prüfaufgabe) führte in der Vergangenheit zu
unbefriedigenden Ergebnissen, war doch das Beurteilungskriterium
der Fehlerstromschutzschaltung die auftretenden Fehlerspannung und
nicht die Fehlerschleifenimpedanz.

Erst die Messgeràteentwicklungen der letzen 3 bis 4 Jahre gestatten
eine Messung der Fehlerschleifenimpedanz mit ausreichender
Genauigkeit und Auflösung (z.B. Auflösung auf 10 Milliohm = 0,01
Ohm) ohne Auslösung des im Fall des Zusatzschutzes vorgeschalteten
30 mA-Fehlerstromschutzschalters.

Die einzige Alternative dazu ist die Messung der
Fehlerscheifenimpedanz vor dem Fehlerstromschutzschalter und
anschließende Messung der niederohmigen Verbindung über Außenleiter
und Schutzleiter mittels Niederohmmessung mit Addition der
Messergebnisse (physikalisch nicht ganz richtig, da die induktive
Komponente der dem FI-Schalter nachgelagerten Leitungsteile
vernachlàssigt wird) zur Fehlerschleifenimpedanz an der Steckdose
oder der Betriebsmittelanschlussstelle, eine machbare, jedoch
aufwàndige und umstàndliche Methode der Ergebnisermittlung.

An dieser Stelle sei auch auf Messbereiche, Fehler und sonstige
Unbillen der Messtechnik hingewiesen. Zur Glaubwürdigkeit von
Messergebnissen und damit auch von Prüfbefunden sind diese
Überlegungen unerlàsslich. Die Angabe von Messergebnissen, die
außerhalb der definierten Messbereiche von Messgeràten liegen oder
deren Fehler außerhalb der zulàssigen Fehlerbereiche der
Messgeràtebestimmung ÖVE EN 61557 liegen (max. zulàssig +/- 30% für
die Schleifenimpedanzmessung), liefern keine glaubwürdige Aussagen
über die Qualitàt und den ordnungsgemàßen Zustand von elektrischen
Anlagen.

Wenn es sich tatsàchlich Mist handelt, de gemessen wird, dann darf
dieser Mist nicht als den Anschein der Glaubwürdigkeit erweckendes
Messergebnis verkauft werden.

Der Notwendigkeit nach Überprüfung der Nullung auch bei Anwendung
des Zusatzschutzes im Sinne der konsequenten Umsetzung des
dreistufigen Schutzkonzeptes wird auch in der verbindlichen
Bestimmung ÖVE/ÖNORM E 8001-6-61 (Errichtung von elektrischen
Anlagen mit Nennspannungen bis »1000 V und = 1500 V Teil 6-61:
Prüfungen – Erstprüfungen) Rechnung getragen und als zwingender
Bestandteil der Schutzmassnahmenüberprüfung angeführt.

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Waren in Österreich noch bis 1998 TT-Netze vorherrschend?

Zweifellos ist es wünschenswert, wenn trotz eingebautem FI-Schalter
die Nullungsbedingung eingehalten wird. Ist das in D und Ö aber
tatsàchlich vorgeschrieben, bzw. unter welcher Randbedingung ist
das vorgeschrieben?
Gruß Werner
Bedingungsloses Grundeinkommen:
www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.268+M57f5b5a1a83.0.html
 

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#1 Ragnar Bartuska
16/04/2009 - 13:58 | Warnen spam
On 15 Apr., 23:48, Werner Holtfreter wrote:
Hallo,

Ich beziehe mich auf diesen Artikel von Dipl.-Ing. Michael Hirsch:

http://www.voltimum.at/news/1881/an...e.liste...



[...]
Waren in Österreich noch bis 1998 TT-Netze vorherrschend?



Jein - in manchen Bundeslàndern. Ostösterreich ist traditionell
Erdungsgebiet, Westösterreich Nullungsgebiet. Seit 1998 ist die
Nullung bundesweit zwingend vorgeschrieben (die Netzbetreiber hatten
eine Frist bis 2008 um in allen Netzbereichen die Nullungsbedingung zu
erfüllen), ausgenommen Anlagen im Umfeld von Bahnstromanlagen.
Grob kann man rechnen, daß es in Wien, Niederösterreich, dem
Burgenland und in Oberösterreich bis 1998 ausschließlich TT gab und
dann bei Neuanlagen allmàhlich auf TN-C-S umgestellt wurde, in den
restlichen Bundeslàndern dagegen "immer schon" TN, zumindest in den
Stàdten, in einzelnen Inseln (Weiz, Gleisdorf, Stadt Salzburg, Teile
Tirols) sogar bis 1991 klassische Nullung.

Zweifellos ist es wünschenswert, wenn trotz eingebautem FI-Schalter
die Nullungsbedingung eingehalten wird. Ist das in D und Ö aber
tatsàchlich vorgeschrieben, bzw. unter welcher Randbedingung ist
das vorgeschrieben?



Forderung der Einhaltung der sogenannten "dreistufigen Schutzpyramide"
bestehend aus Basisschutz (Isolierung), Fehlerschutz (Nullung oder
selektiver FI-Schutzschalter mit 300mA) und Zusatzschutz (30mA-FI).
Steht so in der TAEV und entsprechenden anderen Werken. Für D ist mir
dergleichen nicht bekannt. Wird von österreichischen Experten als das
Ei des Kolumbus der Sicherheit gerühmt und als international
einzigartig dargestellt, in der Praxis wird die Regel oft ignoriert
oder verteuert die Anlagen extrem - selektive FI sind nicht gerade
billig und gerade in Wien können Mehrfamilienhàuser oftmals nicht ohne
Änderungen der Hauptstromversorgung auf Nullung umgestellt werden,
daher müssen Wohnungssanierungen nachwievor als TT ausgeführt werden.
Diese Vorschrift wurde mit 1.6.2005 eingeführt, uns riet der
abnehmende Elektriker damals: "Machen's das jetzt noch so schnell es
geht, dann können's das Geld für den sauteuren selektiven FI sparen!".

sg Ragnar

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