SDR bladeRF von nuand.com - erste Eindrücke

16/09/2013 - 08:41 von Ralph A. Schmid, dk5ras | Report spam
(followup-to de.sci.electronics, ggf. auch gerne ignorieren, wenn
passend :-)

Moin,

seit einiger Zeit habe ich einen neuen SDR, bladeRF von
http:/nuand.com. Bestechend daran, das Ding ist USB powered, geht von
was um 300 bis gut über 3700 MHz, bei Bandbreiten von 30 MHz und mehr.
Das Ganze war eine Kickstarter-Kampagne, die für Mai oder Juni
avisierte Auslieferung hat sich (Wie erwartet) verzögert, aber vor gut
zwei Wochen durfte ich das Teil beim Zoll auslösen. Es gibt zwei
Versionen, mit kleinerem und größerem FPGA (AFAIR 40000 vs 115000
Elemente), ich habe den Größeren genommen, waren 600 US$. Der Kleine
war was um 400US$ gelegen. Verkauft werden sie jetzt regulàr einen
kleinen Tick teurer, meine ich mich zu erinnern.

Erstes Kurz-Fazit, das Ding hat sich einen festen Platz in meiner
Laptop-Tasche verdient :)

Unter Windows habe ich bisher noch nichts installiert, da müßte man
derzeit die Entwicklerumgebung installieren und den Kram selber
kompilieren, genau wie unter Linux, nur, daß bei Linux das schon alles
da ist und einfach funktioniert. Mit den üblichen Debian-Derivaten
funktioniert das Ganze schmerzfrei, bei mir Kubuntu 12.04 LTS; das
sind auch die Distributionen, die die anderen user und die
PRogrammierer hàufig verwenden, damit klappt der support in der
community so recht gut.

Kleine Hürde bei mir war, ich betreibe das Ganze in einer VM, und da
mußte ich erst mal lernen, daß es nur funktioniert, wenn ich in VMware
USB3.0 deaktiviere. Nun ja, USB2.0 scheint auszureichen...

Das Geràtchen ist recht empfindlich, auch auf den hohen Frequenzen,
hat wenig Eigenstörungen, und auch das Platinendesign ist so, daß bei
abgezogener Antenne wenig HF rein bzw. raus kommt. Klar, muß ja, bei
_dem_ Frequenzbereich, da kann man nicht schludern.

Die Installation geht recht reibungsfrei, wenn man mit git, cmake und
make umzugehen wagt. Allerdings benötigt man doch einiges an Software,
um damit etwas anfangen zu können, gnuradio, gr.osmosdr und das
eigentliche bladeRF-Paket, dazu ist nach jeder Bestromung der FPGA zu
laden, was allerdings einfach automatisierbar ist bzw. in gnuradio
schon automatisiert ist. Die Installation ist schon eher was für einen
verregneten Sonntag, wenn man es so macht wie ich, immer mal nur so
zwischendurch, im Zug oder in der Mittagspause, dann zieht es sich,
bis alles paßt :-)

Ein sehr schöner SDR-Empfànger, der einen Teil der Fàhigkeiten
eindrucksvoll zeigt, ist gqrx.

Damit habe ich auch ein paar scrrenshots erstellt, einfach mit dem
laptop im Regionalzug im Raum Fürth/Erlanegn gesessen, den RX in der
Tasche, mit 15cm Draht als Antenne. Da bietet es sich an, einfach mal
die Mobilfunknetze anzusehen, das sind weithin verfügbare, schön
breite Signale, die die Möglichkeiten des Teils erahnen lassen.

http://dk5ras.dyndns.org/screenshots/

Man muß dabei bedenken, was das Ding empfangen kann, das kann es auch
sendeseitig erzeugen. Erste Tests mit breiten OFDM-Signalen waren
problemlos, OpenBTS-support ist noch nicht fertig, kommt aber sicher
noch, und OpenLTE verspricht auch eine gewisse Spannung :) Raus kommen
da ein paar mW, für Tests mehr als genug.

Interessant für den Kenner ist der LTE_1815_2BW.png, zeigt er im
Wasserfall schön den Übergang zwischen zwei verschiedenen Bandbreiten
im LTE-Netz der Telekom. Die haben in Fürth noch ein paar
GSM1800-Stationen laufen, deswegen wird da für LTE eine etwas kleinere
Bandbreite verwendet. Leider ist 1800MHz ziemlich vollgemüllt, da gibt
es etliche unschöne Linien, die aber weg sind, sobald man die Antenne
abzieht. Das Bild bei 806 MHz stellt die drei LTE800-Betreiber O2, D2
und D1 dar, und die UMTS-screenshots zeigen auch, daß der RX das recht
sauber und ohne große aliasing-images darzustellen vermag, wenn er
nicht so zugemüllt ist wie auf 1800 MHz. SDR-typisch halt, ohne
HF-Filterung hat man verloren, wenn der Wandler durch Signal außerhalb
des interessierendes Bandes unerwartet in die Sàttigung geràt.

Stichwort Filter, auch die interne Filterung im TRX-chip bringt
einiges, wenn man sie sinnvoll dazukonfiguriert. Die Menu-Option in
gqrx ist auf meinen Tip hin mal eben eingebaut worden - die community
ist prima, viele fàhige Leute in der ganzen Welt.


-ras


Ralph A. Schmid

http://www.schmid.xxx/ http://www.db0fue.de/
http://www.bclog.de/
 

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#1 Matthias Weingart
16/09/2013 - 09:10 | Warnen spam
"Ralph A. Schmid, dk5ras" :

seit einiger Zeit habe ich einen neuen SDR, bladeRF von

http://dk5ras.dyndns.org/screenshots/



Scheint ein wirklich schönes Teil zu sein. Apropos Filterung. Auch wenn man
damit in den Amateurfunkbàndern QRV gehen will, braucht man für den TX Teil
(nebem einem Amp) sicherlich dann noch ein paar Filter gegen die Oberwellen,
oder ist die Synthese absolut sauber?

M.

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