SOHO Server Hardware

18/11/2007 - 15:35 von Thorsten Steinbrenner | Report spam
Hallo!

Ich würde mir gerne einen neuen SOHO Server zusammenbauen. Als OS soll
Ubuntu Linux Server zum Einsatz kommen. Leisten soll die Kiste:

o Intranet Webserver (LAMP),
o Mailserver (postfix, clamav, spamd),
o Datei- und Druckerserver (Samba, CUPS),
o Newsserver (leafnode),
o Telefonie- und Faxserver (capisuite),
o sowie mehr und mehr NAS (Erweiterbarkeit!).

Zur Zeit nutze ich eine Soekris Net 4801 [1]. Diese soll durch etwas
"performanteres" ersetzt werden. Gesucht ist also ein stabil laufender,
leiser, möglichst wenig Strom fressender, linuxkompatibler (!) Rechner.
Da kam mir ein Vorschlag aus der aktuellen c't sehr recht, die eine
Hardwareplattform für genau diesen Zweck vorschlàgt:

o CPU: AMD Semperon LE-1100
o MoBo: Asus M2N-MX, Graka integriert
o RAM: 2x Quimonda DIMM 512 MB DDR2-677
o HDD: 2x Western Digital WD5000AAKS mit Antivibrationsrahmen
o ISDN: AMD Fritz!Card

Der Vorschlag ist allerdings für einen Windows Homeserver gedacht, ich
will das Ganze aber, wie gesagt, mit Linux betreiben.

Frage: Funktioniert das so mit Ubuntu Server? Sind irgendwelche
Inkompatibilitàten zu erwarten? Funktionieren auch die
Stromsparfunktionen (CPU, HDD) unter Ubuntu? Würdet ihr andere Hardware
nehmen? Welche? Warum?

Ich weiß, dass das viele Fragen auf einmal sind. Ich würde mich dennoch
sehr über eine produktive Diskussion freuen.

Viele Grüße,


[1] http://www.soekris.com/net4801.htm
[2] Lau O, Windeck C: Serviervorschlag c't 2007;24:100-104

Thorsten

Warum werden bei BMW keine Mathematiker mehr beschàftigt?
Die haben allgemein ein Auto mit n Ràdern konstruiert und
erst danach den Spezialfall n=4 betrachtet...
 

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#1 Marcel Müller
19/11/2007 - 12:30 | Warnen spam
Hallo,

Thorsten Steinbrenner schrieb:
Ich würde mir gerne einen neuen SOHO Server zusammenbauen. Als OS soll
Ubuntu Linux Server zum Einsatz kommen. Leisten soll die Kiste:

o Intranet Webserver (LAMP),
o Mailserver (postfix, clamav, spamd),
o Datei- und Druckerserver (Samba, CUPS),
o Newsserver (leafnode),
o Telefonie- und Faxserver (capisuite),
o sowie mehr und mehr NAS (Erweiterbarkeit!).



ich würde bei dem Anforderungsprofil sogar eher zu dem Unbutu
zugrundeliegenden Debian greifen. Eine toll konfigurierte grafische
Oberflàche mit allen Office-Produkten an board ist für den Zweck ja eher
Overkill und kostet nur RAM. Falls die Kiste nur remote administriert
werden soll, würde ich den X-Server ganz weglassen. Der kann dann auf
dem Client laufen.

Keine der Anforderungen stellt besondere Anforderungen an die
Performance. Einzig beim Webserver wird es vom Grad der Interaktiven
Inhalte abhàngig. Aber das ist bei SOHO, wo man die Zugriffe zàhlen
kann, auch eher Banane.

Würdet ihr andere Hardware
nehmen? Welche? Warum?



Bei diesem Profil bietet es sich durchaus an, nach bekanntermaßen
solider Althardware ausschau zu halten. PII/PIII in der Region zwischen
300 und 1GHz bieten sich da zum Beispiel an. Die CPUs gab es auch passiv
gekühlt (leise, zuverlàssig) und der Stromverbrauch ist trotz weniger
Power-Features auch nicht höher, als bei neuer Hardware. Wichtig ist ein
solides Mainboard, damit es im 24/7 auch viele Jahre làuft und der
PCI-Bus auch ordentlich durchsatz bringt. Intel-Chipsàtze sind da
durchaus immer wieder positiv aufgefallen.
Linuxkompatibilitàt ist bei àlterer, bekannter Hardware erfahrungsgemàß
überhaupt kein Problem. Dann braucht man nur noch ein Gehàuse/Netzteil
mit einem großen, langsamdrehenden Lüfter und das Thema Lautstàrke
sollte kontrollierbar bleiben. Den Luftstrom zu Kühlung der Komponenten
kann man durch gezieltes Zukleben oder Öffnen von
Gehàuseöffnungen/Ritzen ganz gut steuern. Des weiteren sollte das
Netzteil so schwach wie möglich sein, dafür lieber Markenware. Alles
andere braucht nur unnötig Strom.

Als Graka kann man jede reudige PCI-Karte nehmen, die keinen Kühlkörper
hat (Stromverbrauch). Unnötige Komponenten, wie CD-ROM etc. kann man
jenseits von Serviceaktivitàten abklemmen (spart einige Euros/Jahr).
Beim Speicher sollte man bei dem Anwendungsprofil nicht geizen, aber
Vorsicht, wenn man sie einzeln beschafft: neue Module laufen in alten
Boards oft nicht. Die Platten würde ich über einen einfachen PCI-SATA
dran hàngen und die Onboard-Komponenten nur vielleicht für CD oder die
Systemplatte nutzen, falls es eine eigene wird. Noch eine ordentliche
Netzwerkkarte rein und fertig.

Falls die Zugriffe typischerweise nicht 24/7 erfolgen, könnte es noch
sinnvoll sein, die Platten, oder zumindest alle bis auf eine mit hàufig
benötigen oder verànderten Daten (wie log, Fax-Spooler etc.) nach einer
Weile Idle-Time herunterzufahren. Der Preis ist natürlich ein paar
Sekunden Wartezeit beim ersten Zugriff morgens. Die Stromersparnis ist
sicher höher zu bewerten als der vieldiskutierte Lebensdauerverlust der
Platte.
Beim Thema Platten und Stromverbrauch ist auch zu beachten, dass neue
Modelle mit hoher Datendichte weniger Strom pro GB brauchen, als àltere.
Das gilt meist selbst dann, wenn die àltere noch eine Drehzahlstufe
weniger hatte. Hier würde ich keinesfalls Gebrauchtware nehmen.
Neue Platten laufen übrigens eigentlich immer irgendwie an alten Boards
- auch ohne eigenen Controller. Ich habe erst kürzlich wieder einer
alten Kiste mit ab-32GB-abstürz-BIOS eine 160GB Ersatzplatte verpasst -
ohne 32GB-Jumper. Nur würde ich heute kein PATA mehr für einen neuen
Server kaufen.
Zum Thema Erweiterbarkeit des Disk-Space: theoretsich sind dem kaum
Grenzen gesetzt, solange noch ein PCI-Slot frei ist. Aus gründen des
Stromverbrauchs sind allerdings mehr als 3 Platten dauerhaft ohnehin
nicht sinnvoll.

Als Hausnummer sollte man für derlei Spielereien (derzeit) etwa 50-100€
Strom pro Jahr einkalkulieren. Alles andere wàre eine
Milchmàdchenrechnung. Das grenzt auch die sinnvollen Investitionen in
Stromsparmaßnahmen ein.
Mit einem 08/15 PC wàren es übrigens 150-250€/Jahr, denn signifikant
unter 100W brutto kommen die alle nicht.


Marcel

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