[spekulativ]"Farbeichung" (Analogie)

19/02/2010 - 14:16 von ram | Report spam
Es gibt etwas an der Natur der Qualia, das sprachlich nicht
ausgedrückt werden kann: Ich kann mir nàmlich vorstellen, daß
für einen anderen Menschen die Farbe Rot so aussieht, wie für
mich Blau. Dies kann aber durch sprachliche Kommunikation nicht
erkannt werden, denn sage ich ihm beispielsweise, daß diese
Farbe für mich »warm« aussehe, dann sagt er das auch, da er
ja von Kindheit an gelernt hat, daß Feuer diese Farbe hat, die
ich »Blau« nennen würde.

Daher hàngen alle unsere sprachlichen Aussagen nicht von diesen
»unaussprechlichen« Qualia ab, sie sind also invariant hinsichtlich
der Frage, ob für jemand anders Rot so aussieht, wie für mich Blau.

Neulich las ich nun eine Quelle, in der lokale Eichtransformationen
im Farbraum (im Rahmen einer Quantenchromodynamik) beschrieben wurden,
und die formale Struktur dieser Umeichungen erinnerte mich doch sehr
an die obigen Gedanken: Auch hier will man, daß die Aussagen unabhàngig
davon sind, ob man bei einem Teilchen lokal das »Rot« nennt, was man
bei einem anderen »Blau« nennt (wenn ich es richtig verstehe).

Ich weiß nicht, ob man diese Analogie für irgend etwas benutzen kann.
Kann man etwa bei den Qualia der Menschen auch etwas finden, das
analog zum Ladungsfeld wàre, welches bei Teilchen die Invarianz der
Physik unter lokalen Eichtransformationen sicherstellt?

Wodurch ergibt sich überhaupt diese Analogie? Vielleicht daraus, daß
wir sowohl bei Menschen als auch bei Teilchen unterscheiden können
zwischen àußeren und inneren Freiheitsgraden und bestimmte
»Paralleltransportmöglichkeiten« von inneren Freiheitsgraden fehlen,
so daß man Qualitàten/Richtungen in den Ràumen der inneren
Freiheitsgrade nicht kanonische miteinander identifizieren kann.
 

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#1 Karl Heinz
19/02/2010 - 14:34 | Warnen spam
Stefan Ram schrieb:

Es gibt etwas an der Natur der Qualia, das sprachlich nicht
ausgedrückt werden kann:



Alles kann sprachlich ausgedrückt werden, wenn man gemeinsame "Codicles"
vereinbart, auf die man zeigen kann (z.B. Leuchtturm, Feldgleichungen).

Ich kann mir nàmlich vorstellen, daß
für einen anderen Menschen die Farbe Rot so aussieht, wie für
mich Blau.



Blau muss allerdings immer Blau bleiben, so wie Rot Rot, aber diese
interne Codierung für dein ZNS bleibt bis auf weiteres privat (bis
passende Technologie zur Verfügung steht).

Dies kann aber durch sprachliche Kommunikation nicht
erkannt werden, denn sage ich ihm beispielsweise, daß diese
Farbe für mich »warm« aussehe, dann sagt er das auch, da er
ja von Kindheit an gelernt hat, daß Feuer diese Farbe hat, die
ich »Blau« nennen würde.



Ja, man kann aber /zeigen/ und deshalb die Farben eindeutig zuordnen.

Daher hàngen alle unsere sprachlichen Aussagen nicht von diesen
»unaussprechlichen« Qualia ab, sie sind also invariant hinsichtlich
der Frage, ob für jemand anders Rot so aussieht, wie für mich Blau.



Ja.

Neulich las ich nun eine Quelle, in der lokale Eichtransformationen
im Farbraum (im Rahmen einer Quantenchromodynamik) beschrieben wurden,
und die formale Struktur dieser Umeichungen erinnerte mich doch sehr
an die obigen Gedanken: Auch hier will man, daß die Aussagen unabhàngig
davon sind, ob man bei einem Teilchen lokal das »Rot« nennt, was man
bei einem anderen »Blau« nennt (wenn ich es richtig verstehe).



Ja, es ist ohne Information, ob du die Zahl 4 chinesisch oder klingonisch
schreibst, was zàhlt ist nur, dass es sich um ein "Objekt" handelt, das
die zugesicherten Eigenschaften hat (es z.B. durch 2 x 2 faktorisieren
làsst).

Ich weiß nicht, ob man diese Analogie für irgend etwas benutzen kann.
Kann man etwa bei den Qualia der Menschen auch etwas finden, das
analog zum Ladungsfeld wàre, welches bei Teilchen die Invarianz der
Physik unter lokalen Eichtransformationen sicherstellt?



Sicherlich kann man so etwas immer finden, der "Symbolraum"
(der Phantasie) ist mindestens unendlichdimensional ;)

Wodurch ergibt sich überhaupt diese Analogie?



Durch die Redundanz gegenüber Zuordnung verschiedener "Avatare"
(z.B. chinesischem und klingonischen Zahlensymbol).

Vielleicht daraus, daß
wir sowohl bei Menschen als auch bei Teilchen unterscheiden können
zwischen àußeren und inneren Freiheitsgraden und bestimmte
»Paralleltransportmöglichkeiten« von inneren Freiheitsgraden fehlen,
so daß man Qualitàten/Richtungen in den Ràumen der inneren
Freiheitsgrade nicht kanonische miteinander identifizieren kann.



Ich kann mir übrigens vorstellen, dass unsere Farbwahrnehmungen einem
bestimmten Schema folgen, das man irgendwie per Evolution mit besonderen
Gegebengheiten verknüpfen kann, so daß Blau aus irgendwelchen (z.B.
Frequenz-) Gründen wie Blau aussieht, aber das würde nichts an der
"Eichfreiheit und Invarianz des Symbolraums", die du oben impliziertst,
àndern. Es scheint da sicherlich vieles "zu geben" was invariant gegen
zufàllige Vertauschung war: aber wer an wirklichen Zufall in der Natur
"glaubt", für den ist das freilich nur "normal"...

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