Statistische Physik Teil 6 Fortführung

26/08/2010 - 18:18 von Aguirre | Report spam
In dem Teil der physikalischen Beschreibung der Welt
als Ganzes, denn wir betrachtet haben sind also die
physikalischen Wurzeln der scheinbaren Widersprüche
klar. Es gibt jedoch andere Schwierigkeiten in dem
Verstàndnis der physikalischen Natur des Gesetzes
über das Anwachsen der Entropie.

Freunde es wird weiter gehn
aber der letzte Satz dieses Absatzes zeigt klar und
deutlich das gar nicht so viel klar ist
wie manche Keute behaupten.

496I6
In die Ruhe liegt die Kraft
 

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#1 Philo
27/08/2010 - 09:06 | Warnen spam
On 26 Aug., 18:18, Aguirre wrote:

Es gibt jedoch andere Schwierigkeiten in dem
Verstàndnis der physikalischen Natur des Gesetzes
über das Anwachsen der Entropie.



Dieses „Gesetz“ haben wir bekanntlich Clausius zu verdanken,
Deutschlands erstem und Urahn aller ihm folgenden
Schreibtischphysiker. Kaum jemand hat Clausius gelesen. Kaum jemand
hat Boltzmann gelesen. Und über kaum einen anderen Begriff gibt es
abseits der auswendig gelernten Formeln derart unklare Vorstellungen
wie über die Entropie.

Schauen wir mal auf folgende Webseite:

http://www.tf.uni-kiel.de/matwis/am...5_3_2.html

Dort lesen wir:
"Ordnung heißt: Jedes Ding ist an seinem Platz. Es gibt nur einen
Platz für jedes Ding."

Das ist beispielsweise das Hauptproblem bei Luftmolekülen. Sie wissen
nicht, wo ihr Platz ist, irren einfach orientierungslos herum und
verursachen das reinste Chaos. Eine Kirsche dagegen kennt ihren Platz:
am Baum oder in der Auslage eines Hàndlers.

Weiter heißt es:
"Im perfekten Kristall ist jedes Atom an seinem Platz. Es gibt aber
viele Möglichkeiten, ... einen unordentlichen Kristall zu produzieren"

Unordnung ist kein physikalisch sinnvoller Begriff, auch kein
wahrscheinlichkeitstheoretisch sinnvoller Begriff. Die W-Theorie kommt
ohne ihn aus. Unordnung bezeichnet umgangssprachlich einen *für uns*
unübersichtlichen oder unzweckmàßigen Zustand: unsortierte Bücher auf
dem Wühltisch, farbliches Durcheinander, unstrukturiertes und
begrifflich unklares Geschreibsel in de.sci.physik usw. Aber wenn wir
mit unserem Gesichtssinn Gegenstànde nach Farben sortieren und das
Ergebnis als geordnet empfinden, so mag das für einen Hund mit seinem
Geruchssinn ganz anders aussehen. Ein perfekter Kristall mag unseren
Schönheitssinn ansprechen oder er hat nützliche physikalische
Eigenschaften. Dass diese Perfektion an sich irgendwie von Bedeutung
ist oder gar "die Entropie senkt", ist der reinste Mystizismus.
Unordnung mittels des Boltzmannschen Entropiebegriffs "messen" zu
wollen ist Physik im Wolkenkuckucksheim, Spinnerei mathematisierender
Schreibtischforscher, barer Unsinn. Im übrigen sind die beiden
Entropiebegriffe von Boltzmann und Clausius ganz verschiedene Dinge,
sie sind nur formal gleich. Es gibt viele verschiedene Dinge, die
mathematisch auf gleichartige Formeln führen. Bekanntlich gibt es
neuerdings auch in der Informatik einen Entropiebegriff

Der Zerfall eines Objekts ist in der Natur ebenso sinnvoll und
nützlich wie sein Aufbau, wie man schon am schwer zerfallenden
Plastikmüll erkennt. Ohne vorherigen Zerfall gibt es keine Erneuerung.
Die Ordnung der Natur ist nicht starr, sie làsst sich nicht in unsere
Ordnungsbegriffe pressen und durch Kombinatorik erfassen. Wàrme ist
nicht minderwertige Energie, kein Abfall ("Abwàrme"), der immer mehr
anwàchst, bis man darin erstickt, oder, wie ein Autor sich ausdrückt,
Entropieerzeugung sei das „was Stoff oder Energie zum Schmutz macht“.
Von den primitiven Vorstellungen der Mechanisten Clausius und
Boltzmann sollte man sich mal frei machen. Schon Clausius'
Terminologie zeigt, was dort für ein Naturverstàndnis herrscht: Wàrme
fließt "von selbst" immer nur vom warmen zum kalten Körper. Es mag
überraschen, aber von selbst geschieht gar nichts. Von selbst fließt
Wasser nicht bergauf. Aber von selbst fließt es auch nicht bergab. Und
aus der Tatsache, dass Wasser ohne anderweitige Einwirkung nur bergab
fließt, folgt nicht, dass die Berge irgendwann in der Zukunft
ausgetrocknet sind und alles Wasser im Meer versammelt ist. Wir
benötigen auch keinen zweiten Hauptsatz der Wassertheorie, der uns
darüber belehrt, dass Wasser ohne àußere Einwirkung nicht von einem
tieferen in ein höheres Reservoir fließt oder dass keine periodisch
wirkende Maschine denkbar ist., und was es da noch so an
schrulligen Formulierungen gibt. Bei der Wàrme ist es ganz àhnlich. Es
gibt diverse Phànomene, die den zweiten Hauptsatz nicht gerade
nahelegen, um es mal so zu sagen; sei es die Gravitation, die kühle
Staubwolken in heiße Sterne verwandelt, sei es die von Tyndall
entdeckte Umwandlung von Wàrme in Licht, um nur zwei zu nennen. Und
was soll man mit der Versicherung der Theoretiker anfangen, dies sei
keine Widerlegung des 2. Hauptsatzes, da er ja nur in abgeschlossenen
Systemen gilt? Eine physikalische Aussage, die nur in abgeschlossenen
Systemen gilt, ist wertlos und uninteressant. Sie gilt dann im
Nimmerland, aber nicht in der Welt, in der wir leben. Clausius'
Entropiebegriff entstand aus einer fehlerhaften Behandlung des
Carnotschen Kreisprozesses und wurde dann in der typischen Manier
theoretischer Physiker bis zum Blödsinn ausgedehnt und verabsolutiert:
Die Entropie des Universums strebt einem Maximum entgegen. Die
rechnerische Behandlung des ganzen Universums ist naturgemàß das
Lieblingsspiel der Theoretiker.

Eine der seltenen Oasen in der begrifflichen Wüste der Thermodynamik
ist diese
http://schattenblick.net/infopool/n...he034.html

Dort steht:
"Dass die übliche Theorie solche Phànomene nicht zu erfassen vermag,
hat sich in den letzten Jahren als immer größeres Hemmnis erwiesen."

Leider ist auch der Verfasser viel zu gehemmt, um das ganze hemmende
und überflüssige Zeug zu entsorgen. Er schreibt zwar "von ernsten
theoretischen Màngeln" der ursprünglichen Herleitung des 2.
Hauptsatzes (in der Tat, aber wo hört man das schon mal!), hàlt sich
dann aber mit Erweiterungen und Verbesserungen auf. Die „Verbesserung“
einer unrettbar fehlerhaften Überflüssigkeit àndert an ihrem Charakter
aber auch nichts. Wohltuend an dem Aufsatz ist jedoch die richtige
Perspektive. Es wird nicht von Kombinatorik, dem "richtigen Platz"
eines Teilchens und "von selbst" ablaufenden Prozessen oder dem
Anwachsen von Schmutz geschwafelt sondern es geht um physikalische
Ursachen und Wirkungen. Nur zum Schluss "verfàllt" wieder alles:
"Weiterhin gilt, dass wir im Kampf gegen Abnutzung und Verfall
letztlich unterliegen müssen." Die Verbeugung vor der gerade
herrschenden wissenschaftlichen Ideologie ist heute ebenso notwendig
wie früher die Verbeugung vor der Religion und dem Landesherrn. Wenn
der Satz allerdings nur ausdrücken soll, dass nichts ewig besteht, nun
gut. Eine Binsenweisheit.

Im übrigen soll der Humor bei diesem Thema ja auch nicht zu kurz
kommen:
http://sci.althand.com/entrop.html

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