Stiftung Warentest: Grob fahrlaessig ohne Virenschutz

01/05/2009 - 16:07 von Christoph Schneegans | Report spam
Hallo allerseits!

Die Stiftung Warentest hat "Antivirenpakete" getestet (Ausgabe
4/2009, S. 30). Die Schauergeschichten in dem Artikel könnten direkt
aus der Marketing-Abteilung der Hersteller kommen:

"Wer ohne Schutzprogramm im Internet surft, riskiert, Daten und
Passwörter an Kriminelle zu verlieren".

"Ein ungeschützter Computer im Internet, das ist vergleichbar mit
einem Topf Honig im Frühling auf dem Fensterbrett".

"Wer mit einem Rechner ungeschützt ins Internet geht, ist für alle
Arten von Schadprogrammen wie Viren, Trojaner und Würmer eine
leichte und sichere Beute."

Im letzten Absatz geht der Artikel dann immerhin noch auf das
wichtigste Einfalltor für Schadsoftware ein, den Browser:

"Der Browser sollte bei aktiven Inhalten (ActiveX, Java, Java
Script) immer nachfragen. So kann der Nutzer sie dann bei Bedarf
einschalten."

Was für eine weltfremde Empfehlung! Beim Aufruf von
<http://www.test.de/> in einem entsprechend konfigurierten IE8 wurde
ich mindestens zehnmal gefragt, ob Skripte ausgeführt werden dürfen.

Unterschreiben würde ich nur den allerletzten Satz:

"Das Mail-Programm sollte E-Mails nicht in HTML-, sondern nur in
reiner Textform anzeigen und senden."

Es schließt sich ein Interview mit einem "Experten für
Sicherheitssoftware" an. Der weist immerhin darauf hin, daß die
Windows-Firewall bereits einen guten Schutz bietet, daß man ein
Konto mit eingeschrànkten Rechten verwenden und Sicherheitsupdates
installieren sollte. Dennoch sei "Virenschutz (...) unerlàsslich".
Die Begründung ist lustig:

"Laut einer aktuellen Studie ist in jeder 250. E-Mail ein Virus".

Und wenn das alles noch nicht reicht, wird dem Leser ein schlechtes
Gewissen eingeredet:

"Wer mit einem ungeschützten (Windows-)Rechner ins Internet geht,
handelt grob fahrlàssig und gefàhrdet damit auch andere Nutzer."

Er muß dann allerdings zugeben, daß "die Erkennung von neuen Viren
nicht so gut funktioniert wie bei schon bekannten Schadprogrammen".
<http://www.heise.de/security/news/m...100861> nannte hier
"klàgliche 20 bis 30 Prozent". Das also versteht der Experte unter
"nicht so gut"...

Keine Wort verliert der Artikel über Fehlalarme, die den ganzen
Rechner lahmlegen können. Daß ausgrechnet das Antivirenprogramm
gerne selbst zum Angriffsziel und Einfallstor werden kann, bleibt
ebenfalls unerwàhnt, vgl.
<http://www.heise.de/security/artikel/99749>. Und auf das Problem
der Risikokompensation wird natürlich auch nicht eingegangen.

Wie der Zufall so will, wurden in derselben Ausgabe auch Kondome
getestet, so daß ich eines meiner Lieblingszitate von
<http://www.psychocats.net/ubuntucat...lture/> hier
besonders gut anbringen kann:

"The way a lot of people run their computers, it's like having
rampant unprotected sex and then getting an HIV test every six
months. That won't stop HIV! Get a condom! Computers have condoms
too, even though Microsoft doesn’t make them very easy to put on."

<http://schneegans.de/web/kanonische-adressen/> · Gute URLs
 

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#1 Peter Schmidt-Schmiedebach
01/05/2009 - 16:28 | Warnen spam
Christoph Schneegans schrieb:
too, even though Microsoft doesn’t make them very easy to put on."




Was macht diesen Warentest nun "weltfremd"? Ich kann keine Unwahrheiten
erkennen.

Peter

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