Theorien und Systeme

27/11/2010 - 06:51 von ram | Report spam
Ich betrachte einmal die klassische Mechanik. Dort habe ich
eine Theorie mit Gesetzen, wie beispielsweise F=ma. Außerdem
kann ich diese Theorie auf bestimmte Systeme anwenden,
beispielsweise einen Tisch oder ein Staubteilchen. Die
Theorie ist sozusagen »skalenneutral«, aber um die Welt zu
beschreiben, benötigt man neben der Theorie noch
Informationen über die tatsàchlich vorhandenen Systeme (und
damit deren »Skalen«). Diese Informationen bezeichnet man in
manchen Fàllen auch als »Anfangsbedingungen« oder
»Randbedingungen«.

In der Speziellen Relativitàtstheorie (SRT) ist diese
Trennung schon etwas verletzt, denn c geht als »magische
Konstante« in sie ein.

Nun lese ich gerade, daß die Quantentheorie (QT) eine
»natürliche Skala« habe, welche durch das Plancksche
Wirkungsquantum h bestimmt sei.

Es kommt mir etwas merkwürdig vor, daß bestimmte Konstanten
in eine Theorie »fest eingebaut« sein sollen und man diese
nicht zu den »Bedingungen« (wie Randbedingungen oder
Anfangsbedingungen oder Systemeigenschaften) zàhlt.

Zwar kann man c und vielleicht auch h willkürlich auf 1
setzen, aber durch Meßvorschriften wird dann immer noch ein
Zusammenhang zu bestimmten physikalischen Skalen hergestellt.

Sollte man die Auszeichnung einer bestimmten Skale (wie
der von mir gelesene Text sie der QT zuschreibt) nicht
aus der Theorie herausnehmen? Formal könnte man dies ja
machen, indem man als »Relativitàtstheorie« oder
»Quantentheorie« die Theorien für beliebige Werte von
c oder h ansieht und dann erklàrt »Und in unserer Welt
ist es nun so, daß c gerade diesen und h gerade jenen Wert
hat.« Dann würden diese Theorien keine bestimmten Skalen
mehr auszeichnen, sondern unser Universum würde dies tun.

Sollte man also die speziellen Werte von c und h als Teil
der SRT beziehungsweise QT ansehen oder die Theorien davon
frei halten und c und h als Informationen über unser
Universum (also als Informationen über ein spezielles
System, auf das die Theorie dann angewendet werden kann)
ansehen?

Ja, man kann natürlich sagen, daß es müßig sei, die Theorie
für Universen mit anderen Werten von c und h offenzuhalten,
wenn wir sie ohnehin nur auf dieses Universum anwenden
können. Aber, wenn es willkürlich auch möglich wàre, einen
speziellen Wert von h aus der QT herauszuhalten, dann kann
man nicht mehr ohne weiteres sagen, daß die QT eine
bestimmte Skala auszeichnet, sondern dies wàre dann nur
das Ergebnis einer willkürlichen Entscheidung, den Wert
von h als Teil der Theorie anzusehen und nicht als
Eigenschaft der Welt.
 

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#1 ram
27/11/2010 - 06:58 | Warnen spam
(Stefan Ram) writes:
Nun lese ich gerade, daß die Quantentheorie (QT) eine
»natürliche Skala« habe, welche durch das Plancksche
Wirkungsquantum h bestimmt sei.



Und dieser Text, den ich dort lese, brachte mich zu
einer Verwendung einer Web-Suchmaschine, welche mich
wiederum auf diesen schönen Satz führt:

»Decoherence suppresses the quantum suppression of chaos.«

(Wer mehr darüber wissen will, kann diesen Satz ja
wiederum in eine Web-Suchmaschine eingeben.)

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