"Tun Sie nicht so, als wärenSie Gott, Professor Dawkins!"

22/04/2013 - 22:44 von heiniford | Report spam
"Er (Gott) ist ein "psychotischer Krimineller", den verrückte und
verwirrte Leute erfunden haben." Das ist eine von Richard Dawkins
milderen Feststellungen. Dawkins, Professor an der Universitàt von
Oxford, ist auf einem Kreuzzug. Ziel dieses Kreuzzuges ist es, die Welt
von einem ihrer größten Übel zu befreien: Religion. "Wenn dieses Buch
("Der Gotteswahn") wirkt, wie ich es mir vorgestellt habe", meint er,
"dann werden religiöse Leser dieses Buch aufschlagen und es als
Atheisten wieder bei Seite legen." Aber er gibt auch zu, dass dieses
Ergebnis sehr unwahrscheinlich ist. "In der Wolle gefàrbte Fromme sind
immun gegen Argumente", meint Dawkins.

Ich kenne Dawkins seit über 20 Jahren. Wir sind beide Professoren in
Oxford. Wenn irgendeiner "immun gegen Argumente" ist, dann ist er es. Er
begegnet einem als dogmatischer und aggressiver Propagandist.

Zurück in den sechziger Jahren war es tatsàchlich so, dass jeder, der
Einfluss hatte, erzàhlte, dass die Religion tot sei. Ich war damals ein
Atheist. Ich war als Protestant in Nordirland aufgewachsen. Ich gelangte
zu der Überzeugung, dass die Probleme Nordirlands ihre Wurzeln in der
Religion hatten. In der Schule liebte ich die naturwissenschaftlichen
Fàcher. Unter anderem deswegen, weil ich meinte, mit ihnen die Existenz
Gottes widerlegen zu können. Der Glaube an Gott war meines Erachtens nur
etwas für traurige, verrückte oder böse Menschen, denen die Erleuchtung
durch die Naturwissenschaften noch fehlte.

Ich ging 1971 zum Studium nach Oxford und erwartete, dass mein Atheismus
dort Bestàtigung fànde. Es kam völlig anders. Meine Welt wurde auf den
Kopf gestellt. Ich gab den Atheismus auf und nahm den christlichen
Glauben an. Warum? Es gab verschiedene Faktoren. Einer der Gründe war,
dass ich alarmiert war durch die Bücher einiger Atheisten. Sie schienen
mehr damit befasst zu sein, die Religion schlecht zu reden, als nach der
Wahrheit zu suchen.

Vor allem begegnete ich in Oxford einem Phànomen, das ich aus meiner
Heimat in Nordirland nicht kannte: Christen, die ihren Glauben
nachvollziehbar artikulierten und Argumente vorbrachten, durch die ich
meinen Atheismus hinterfragt sah. Bald entdeckte ich zwei
lebensveràndernde Dinge.

Erstens: Der christliche Glaube ergibt Sinn. Durch den christlichen
Glauben erhielt ich ein neues und nachvollziehbares Welt- und
Wirklichkeitsverstàndnis. Dies wirkte sich gerade auch auf die
Naturwissenschaften aus.

Zweitens: Ich machte die Entdeckung, dass der christliche Glaube
funktioniert. Er vermittelt Sinn und gibt dem Leben Würde.

Ich setzte mein Studium fort und begann in molekularer Biophysik zu
promovieren. Jedoch stellte ich fest, dass Herz und Verstand durch die
Theologie verführt wurden. Bis heute liebe ich dieses Feld.

Dawkins und ich sind überzeugte Wissenschaftler. Wir glauben beide an
Argumente, die auf Fakten basieren. Wie kann man aber dann erklàren,
dass wir beide zu solch unterschiedlichen Einschàtzungen kommen? Es ist
schon lange mein Wunsch gewesen, dass wir darüber in einen intensiven
Dialog treten. Unsere Wege kreuzen sich von Zeit zu Zeit in
Fernsehsendungen und vor einigen Monaten hatten wir das Vergnügen, für
einen kleinen Schlagabtausch auf einem Sofa des Fernsehsenders BBC zu
sitzen. Außerdem wurden wir bei einer Debatte für Dawkins'
Fernsehsendung "Die Wurzel allen Übels?" auf "Channel 4" gefilmt.
Dawkins erlàuterte in dieser Sendung seine Hauptkritikpunkte an Gott und
ich entgegnete den Argumenten, die ganz offensichtlich entweder
Übertreibungen waren oder auf Missverstàndnissen basierten. Das war auch
nicht besonders schwer.

So vergleicht Dawkins den Glauben an Gott sehr gerne mit dem
Kinderglauben an den Weihnachtsmann oder die Zahnfee. So wie man als
Erwachsener nicht mehr an die Zahnfee glaube, so müsse man auch dem
Glauben an Gott entwachsen. Doch die Analogie hinkt. Denn wie viele
Menschen kennen Sie, die als Erwachsene angefangen haben, an den
Weihnachtsmann oder die Zahnfee zu glauben?

Viele Menschen entdecken Gott Jahrzehnte nachdem sie aufgehört haben, an
die Zahnfee zu glauben. Dawkins, natürlich, meint dann, dass solche
Leute entweder verrückt oder senil sind. Das ist jedoch kein logisches
Argument. Weder kann Dawkins beweisen, dass es Gott nicht gibt, noch
kann irgendein Mensch beweisen, dass es ihn gibt.

Die meisten Menschen sind sich bewusst, dass sie Glaubensüberzeugungen
haben, deren Faktizitàt sie nicht beweisen können. Es erinnert uns
daran, dass wir denjenigen, die mit uns nicht einer Meinung sind, mit
intellektuellem Respekt begegnen, anstatt sie - wie es Dawkins tut - als
Lügner, Gauner und Scharlatane zu diskreditieren.

Als ich diese Themen mit ihm debattierte, schien Dawkins unruhig zu
werden. Es erstaunte mich nicht, als ich erfuhr, dass mein Beitrag
herausgeschnitten werden sollte. Die Sendung "Die Wurzel allen Übels?"
wurde in der Folge auch wegen der in ihr so offen zu Tage tretenden
Unaufrichtigkeit scharf kritisiert. Warum, so fragten die Kritiker, war
in der Sendung keine überzeugende und informierte christliche Antwort zu
hören. Die Antwort: Sie lag auf dem Fußboden des Schneideraums.

Das Buch "Der Gotteswahn" von Dawkins ist ebenfalls voll von
Missverstàndnissen. Dawkins konfrontiert uns mit einer anderen Form des
dogmatischen Fundamentalismus. Das ist vielleicht der Grund, warum
einige der schàrfsten Angriffe auf sein Buch von Atheisten und nicht von
Christen stammen. Michael Ruse, der sich selbst als darwinistischer
Philosoph beschreibt, bekannte, dass er sich schàmte ein Atheist zu
sein, als er das Buch "Der Gotteswahn" las.

Durch seinen Dogmatismus hat "Der Gotteswahn" viele Kritik aus dem
sàkularen Bereich auf sich gezogen. Viele, von denen man eigentlich
erwartet hàtte, dass sie sich mit den Thesen Dawkins' solidarisieren,
distanzierten sich stattdessen von ihm, weil ihnen das Buch schlicht
peinlich erschien.

Viele Atheisten sind sich bewusst, dass auch der Kritiker der
moralischen Verpflichtung unterliegt, das Phànomen Religion mit gut
durchdachten und überzeugenden Argumenten zu hinterfragen. Dawkins'
krude Stereotypen und seine pathologische Feindschaft gegenüber der
Religion haben viele abgeschreckt. Es scheint ganz so, dass das Buch
"Der Gotteswahn" ein monumentales Eigentor ist, das Menschen davon
überzeugt, dass der Atheismus ebenso intolerant sein kann wie Religion
in ihren schlimmsten Auswüchsen.

Alister McGrath, 9.2.2007

Der Verfasser ist Professor der Theologie am King's College, London.
Davor war McGrath Professor für Historische Theologie an der Universitàt
Oxford (www.mcgrath.uk). Er schrieb das Buch "Der Atheismus Wahn - eine
Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus",
Gerth-Medien, Asslar, 2008.









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Lesen sie die antworten

#1 halo
23/04/2013 - 18:26 | Warnen spam
"Heinrich Ford" schrieb im Newsbeitrag
news:1l1r5rb.eos5ghrh0y9lN%
"Er (Gott) ist ein "psychotischer Krimineller", den verrückte und
verwirrte Leute erfunden haben." Das ist eine von Richard Dawkins
milderen Feststellungen. Dawkins, Professor an der Universitàt von


.

Alister McGrath, 9.2.2007

Der Verfasser ist Professor der Theologie am King's College, London.
Davor war McGrath Professor für Historische Theologie an der Universitàt
Oxford (www.mcgrath.uk). Er schrieb das Buch "Der Atheismus Wahn - eine
Antwort auf Richard Dawkins und den atheistischen Fundamentalismus",
Gerth-Medien, Asslar, 2008.



ca. 7 Milliarden Menschen gibt es derzeit, in 100 Jahren die nàchsten 7
Milliarden, alle haben sie gelebt, aber keiner kam zurück um uns zu
berichten.
halo

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