TV-Qualitaet am PC

17/01/2008 - 14:26 von Martin Trautmann | Report spam
Hallo,

dank Apple-TV-Werbung stellt sich wieder mal die Frage: Kann ein PC das
TV-Programm ebenso gut wiedergeben wie ein echter PC?

<vorsicht, laengerer Text>

Ich bin da nicht wirklich auf dem Laufenden - aber in einigen Monaten
steht ein Umzug an. Dann soll vielleicht eine Satelliten-Antenne ans
Haus. Ausserdem liegen wir in einem DVB-T-Gebiet, das aber nur mit
oeffentlich-rechtlichen bestrahlt wird.

Meine bisherigen Erfahrungen sind maessig und enttaeuschend: Cyberlink
unter Win-XP (Medion-Laptop). Was mich dort am meisten stoerte:

- Rechner booten - der Mac ist hingegen quasi sofort aus dem Suspend da.
- Einloggen (zwar mit Fingerprint-Sensor, aber bis der endlich bereit
ist, dauert es nochmal...)
(Der Mac ist Mein, auf dem Win-Rechner gibt's z.B. auch Benutzerkonten
fuer die Kinners)
- TV-Software starten - da erst mal das Antiviren-Programm nach Updates
sucht, dauert es, bis die Applikation endlich da ist
- DIESE Software ist auch so daemlich programmiert, dass sie nicht dort
weitermacht, wo man aufgehoert hat. Statt dessen muss man nochmals
den TV auswaehlen ... warten ...
... Kanal auswaehlen (ja, der alte ist nicht mehr da, statt dessen
ist man auf einem Rauschkanal ohne Senderplatz)
... Lautstaerke auf Maximum hochdrehen


... und dann sollte der Genuss endlich beginnen. Das ganze Hochstarten
ist schon extrem nervig und dauert etwa eine Minute, mit mehrfachem
manuellen Eingriff. Da erwarte ich von Elgato-Loesungen weit mehr
Komfort.

-> Anschalten: Ausreichend

Die entsprechende Hardware am Laptop ist ein Gefrickel: Hakelige
PCMCIA-Karte einschieben, Antennenkabel steckt schon. Der Stromverbrauch
ist aber zu hoch - daher noch ein USB-Kabel ran, natuerlich von hinten,
da vorne das Antennenkabel den USB-Anschluss blockiert. Noch in den
wackligen Mini-USB-Anschluss rein. Wehe das Kabel lockert sich mal in
laufendem Betrieb - dann wird die TV-Karte nie mehr erkannt, es hilft
nur noch Reboot. Autsch. Auch da sollte Elgato besser funktionieren?

-> Betrieb: Ausreichend

Von der Darstellung her sollte der PC das ja fantastisch darstellen
koennen. Wie aber sieht die Realitaet aus? Bei bewegten Bildern versucht
sich der PC wohl an irgendwelchen Stabilisierungen. Zooms werden
ruckelig. Egal welche Einstellung man nimmt (Anpassung auf Widescreen),
das Resultat bleibt unbefriedigend. Entweder hat man 50 %
Bildschirmflaeche schwarz, fehlende Bildpartien seitlich oder verzerrte
Eierkoepfe.

-> Bildqualitaet: Befriedigend

Dass Laptop-Lautsprecher maessig sind, ueberrascht nicht wirklich. Dass
der Ton aber massiv verzerrt (abgeschnitten? uebersteuert? Mit Knacksern
ueberlagert?), sollte nicht sein. Dass der Ton teilweise aber voellig
asynchron zum Bild laeuft, ist gaenzlich inakzeptabel.

-> Tonqualitaet: Mangelhaft

Dafuer sollten aber die Zusatzfunktionen grossartig funktionieren?
Krasseste Enttaeuschung: Videotext. Fuer die paar Zeichen sollte es
eigentlich kein Problem sein, im Hintergrund schon mal alle Seiten in
den VT-Speicher zu verschieben. Pech gehabt, das macht er erst beim
Einschalten vom Videotext. Der ist aber ohnehin unbrauchbar, weil nur
noch Kloetzchengrafik erscheint: In einer fruehen Version wurde der
Videotext wohl mit Holzhammer-Arithmetik auf Bildschimgroesse
hochgerechnet. Wer glaubt, VT-Grafik ist Urzeit, der sollte sich erst
mal ansehen, was aktuelle Software daraus zaubert. Eine aktuellere
Version ist so verbessert, dass nur noch Kloetzchengrafik angezeigt
wird: Die VT-Zeichen werden durch breite Zwischenraeume unterbrochen.
Lesbarkeit gleich null

-> Videotext: Mangelhaft

Sonstige Zusatzfunktionen (Videoaufnahme, Werbepausen rausschneiden
usw.) habe ich noch nicht getestet. Vielleicht kann der Soft-TV gerade
da dann doch noch punkten? Cyberlink verwendete einen Programmfuehrer
aus einem Kabelkanal - oder eine leerbleibende Zwangseinblendung: bei
jedem Programmwechsel wird die untere Bildschirmhaelfte sekundenlang
komplett ueberlagert, um nichts ausser einer kleinen Senderplatznummer
anzuzeigen.

-> Sonderfunktionen: vielleicht super, eher mangelhaft


Von daher habe ich massive Zweifel, wie es auf dem Mac heute
aussieht. Der Mac-Markt scheint immerhin recht uebersichtlich zu sein. Es
gibt Elgato unst sonst nix.

Laeuft das alles auf dem Mac besser?

Laeuft die Elgato-Software auch noch nach dem naechsten Systemwechsel?
Lebensdauern jenseits von 10 Jahren sind wohl voellig illusorisch.

Koennen solche Loesungen ueberhaupt qualitativ mit einem echten
Fernseher mithalten? Ordentliche 100Hz-TVs scheint es schon ab 100 Euro
zu geben. Aktuelle Zwitter-Displays mit eingebautem TV und DVI-Anschluss
scheinen bestenfalls eher das eine oder das andere brauchbar zu
beherrschen. Taugen externe TV-Empfaenger zum Monitor-Anschluss?
Bildqualitaet? Standby-Verbrauch? Tonkanaele? Bild-Im-Bild?

Steht uns das ganze Systemchaos erst noch bevor? DVI, HDMI,
HDTVplusplusplus, Digital Rights Masturbation, ...

Was mich bei Elgato stoert: ich kann kein modulares Konzept erkennen, wo
ich heute z.B. analog nutzen wuerde, morgen DVB-T und uebermorgen DVB-S.
Mit jedem neuen Standard werde ich mir wohl ein komplett neues Geraet
kaufen muessen. Kommen demnaechst die privaten mit
Grundverschluesselung, werden schon wieder neue Geraete faellig? Kommt
ein Systemwechsel, werden die alten Geraete nicht mehr unterstuetzt?

Naja, die Diskussion um Blu-Ray-Alternativen wirkt inzwischen
ausgestanden. MP3-Codecs aendern sich alle Nas lang, neue Verfahren
tauchen auf und verschwinden. Ein moeglichst software-basierender und
modularer Ansatz erscheint attraktiver denn je - aber ich habe den
Eindruck, wir sind davon gleichzeitig weiter weg denn je?

Einfachstes Fazit: ganz darauf verzichten (aber ich will min. Radio).
Naechstbesseres Fazit: herkoemmlichen TV kaufen, Satellitenempfaenger
dazu. Videorecorder, fertig.
Auf dem PC gibt es keine gleich- oder hoeherwertige Loesung? Kann ich
gleich nur noch auf Webdienste zurueckgreifen? Airport, DSL, Streams?

Schoenen Gruss
Martin
 

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#1 aclauss
17/01/2008 - 17:13 | Warnen spam
Martin Trautmann wrote:

steht ein Umzug an. Dann soll vielleicht eine Satelliten-Antenne ans
Haus. Ausserdem liegen wir in einem DVB-T-Gebiet, das aber nur mit
oeffentlich-rechtlichen bestrahlt wird.



DVB-S hat ein deutlich besseres Bild als DVB-T. Insofern würde ich für
eine DVB-S-Lösung votieren (wie eyeTV 310 von Elgato), auch wenn die
deutlich teurer ist, als eine DVB-T-Lösung. Meine Ausführungen beziehen
sich nur auf eyeTV 310 (DVB-S) von Elgato, denn das ist das was ich
nutze.

... und dann sollte der Genuss endlich beginnen. Das ganze Hochstarten
ist schon extrem nervig und dauert etwa eine Minute, mit mehrfachem
manuellen Eingriff. Da erwarte ich von Elgato-Loesungen weit mehr
Komfort.



Die Elgato-Lösung kann natürlich nichts am Hochfahren des Macs àndern.
Wenn Du da noch zig Programme automatisch starten làsst, kann das dann
eine Weile dauern. Die eyeTV-Software selbst startet aber (wenn
gewünscht) automatisch so daß beim Hochfahren dann auch gleich das
TV-Programm zu sehen ist.

laufendem Betrieb - dann wird die TV-Karte nie mehr erkannt, es hilft
nur noch Reboot. Autsch. Auch da sollte Elgato besser funktionieren?



Keine Ahnung, ist mir noch nie passiert. Ich schàtze aber, daß man nicht
neu botton muß.

koennen. Wie aber sieht die Realitaet aus? Bei bewegten Bildern versucht
sich der PC wohl an irgendwelchen Stabilisierungen. Zooms werden
ruckelig.



Das kann normal und unvermeidbar sein. Das Problem sind die
unterschiedlichen Bildwiederholungsraten (25/50Hz beim TV-Bild und 60Hz
bei normalen TFT-Bildschirmen), was sich bei Schwenks dann durch Ruckler
manifestiert, weil nicht jedes Einzelbild gleich lang gezeigt werden
kann, ohne die Geschwindigkeit des Films drastisch zu àndern.

das Resultat bleibt unbefriedigend. Entweder hat man 50 %
Bildschirmflaeche schwarz, fehlende Bildpartien seitlich oder verzerrte
Eierkoepfe.



eyeTV kann automatisch und auch manuell zwischen 4:3, 16:9, Widescreen
und auch 16:10 (das am Computer übliche Breitbildformat) umschalten,
wobei dabei je nach Auswahl und Film Rànder abgeschnitten oder winzige
oder auch größere schwarze Balken angezeigt werden. Man kann zusàtzlich
auch noch die verbleibenden schwarzen Rànder wegbekommen, indem das Bild
verzerrt wird. Kann man alles nach Gusto einstellen.

Ich kann mit DVB-S (eyeTV 310) über die Bildqualitàt absolut nicht
meckern, die ist Top. Aber auch die Bildqualitàt hàngt vom Sender ab,
einige Sender nutzen eine hohe Bandbreite für bestes Bild (ÖR-Sender),
andere Sender sparen an der Bandbreite und haben dementsprechend eine
deutlich schlechtere Bildqualitàt (wie z.B. kleine private Sender wie
Tele 5).

asynchron zum Bild laeuft, ist gaenzlich inakzeptabel.



Ist nicht zu beobachten bei eyeTV 310. Ton ist perfekt.

Krasseste Enttaeuschung: Videotext. Fuer die paar Zeichen sollte es



VideoText funktioniert problemlos, sieht aus wie auf einem echten
Fernseher. Navigation im Videotext ist sogar per Maus möglich: Klick auf
eine dreistellige Seitenzahl und man springt auf diese Seite.


Sonstige Zusatzfunktionen (Videoaufnahme, Werbepausen rausschneiden
usw.) habe ich noch nicht getestet.



Funktioniert alles prima. Allerdings gibt es kein VPS, so daß
Programmverschiebungen Probleme machen können, sofern man nicht einen
Puffer vorne und hinten einrichtet (was Standardmàßig schon der Fall
ist). Als Programmführer können die von den Sendern selbst mitgesendeten
Angaben dienen (reichen aber nur 3 Tage und man kann nur
Sendeinformationen aktualisieren, wenn die entsprechenden Sender auch
gerade laufen) oder man kann tvtv verwenden (über Internet werden sehr
detailierte Informationen für die nàchsten 2 Wochen angezeigt).
Letzteres kostet ein paar Euro im Jahr (ein Jahr ist i.d.R. bei einer
eyeTV-Hardware/Software dabei).


Laeuft das alles auf dem Mac besser?



Ich habe nicht den richtigen Verglich, da ich nicht viele PC-Lösungen
kenne. eyeTV làuft jedenfalls sehr gut und problemlos. Die Software hat
zwar auch ein paar Macken, aber ganz generell gibt's nicht viel zu
meckern.

Laeuft die Elgato-Software auch noch nach dem naechsten Systemwechsel?



I.d.R. ja. Wenn nein, gibt's üblicherweise bald ein Update.
Ein "Problem" ist nur, daß große Programmupdates (also von Version 1 auf
2 oder gerade jetzt aktuell das Update von Version 2 auf 3) nicht
kostenlos sind. Wenn man also solch großen Programmupdates mitmachen
will (muss man ja nicht), muß man zahlen.

Koennen solche Loesungen ueberhaupt qualitativ mit einem echten
Fernseher mithalten?



Naja, kommt drauf an, was Du genau erwartest. Ein "echter" Fernseher ist
in der Regel größer als ein typischer Computer-Monitor. Wenn Dir die
Computer-Bildschirmgröße reicht, kann ein Computer durchaus ein guter
Ersatz für Fernseher, Videorecorder, DVD-Player usw. sein. Wenn Du gerne
ein etwas größeres Bild haben willst, wàre ein echter Fernseher dann
vielleichet doch besser geeignet.

Ordentliche 100Hz-TVs scheint es schon ab 100 Euro
zu geben.



Das bezweifle ich mal. Wobei ab 100 Euro heißt ja, daß auch Geràte
für 1000 Euro gemeint sind, insofern stimmt die Aussage vermutlich doch
;-)


Was mich bei Elgato stoert: ich kann kein modulares Konzept erkennen, wo
ich heute z.B. analog nutzen wuerde, morgen DVB-T und uebermorgen DVB-S.



Naja, da das alles komplett andere Hardware erfordert, macht ein
"modulares" Konzept hier keinen Sinn. Denn jedes "Modul" wàre sowieso
eine komplett andere Hardware.

Mit jedem neuen Standard werde ich mir wohl ein komplett neues Geraet
kaufen muessen.



Das ist leider immer so, auch ohne Computer.

Kommen demnaechst die privaten mit
Grundverschluesselung, werden schon wieder neue Geraete faellig?



Zumindest einige der (teureren) elgato-Boxen kommen mit CI-Interface.



Alexander

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