Überlandleitungen mit Gleichstrom?

01/06/2012 - 15:45 von Jörg Barres | Report spam
Hallo alle,

heute habe in der Zeitung gelesen, daß in Deutschland einige
"Stromautobahnen" per Überlandleitung realisiert werden sollen (wegen
den ganzen Öko-Energie-Erzeugungskram).
Was mich jedoch verwundert hat war, daß diese anscheinend als
Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen genutzt werden sollen, da weniger
Verlustleistung.

Mit meinen bescheidenen Physikkenntnissen verstehe ich das aber nicht so
ganz. Geht das wirklich? Macht das Sinn?

Gerade für hohe Ströme ist doch meines Wissens nach Wechselstrom
sinnvoller, oder?

Wer kann mir das mal einfach erklàren?

Jörg

PS: Kenntnisstand: Physik-LK und diverse Hardware-Vorlesungen an der Uni.
 

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#1 Christoph Müller
01/06/2012 - 16:08 | Warnen spam
Ein Stromnetz zeichnet sich durch lange Leitungen aus. Diese wirken
selbst mit 50Hz wie eine Antenne. Wellenlànge = Lichtgeschwindigkeit /
Frequenz = 300.000.000 m/s / 50 Hz = 6000 km. Antennen werden meistens
auf Lambda/4 getrimmt. Sind dann also nur noch 1500 km. Diese sind
schnell beisammen. Außerdem gibt es noch induktive Verluste durch
Metalle in der Nàhe. In ihnen werden Wirbelströme induziert, die die
Strukturen aufheizen und somit ebenfalls Energie aus dem System nehmen.
Analoges gilt für das elektrische Feld im Zusammenhang mit polaren
Substanzen.

Mit Gleichstrom wird das elektrische und das magnetische Feld nur einmal
aufgebaut und steht dann mehr oder weniger unveràndert. Mangels Frequenz
ist die Wellenlànge sozusagen unendlich lang, keine wechselnden
Magnetfelder erzeugen auch keine Wirbelströme und ein statisches
elektrisches Feld polt auch nicht stàndig die Dipole in begleitenden
Substanzen um. Die Wechselstromverluste entfallen damit. Was bleibt, ist
nur noch der Ohmsche Widerstand. Doch den hat der Wechselstrom ganz genauso.

Servus
Christoph Müller
http://www.astrail.de

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