Urknall und Zeitpfeil

19/12/2007 - 21:24 von Wolfgang Beyer | Report spam
Habe mal irgendwo gelesen, dass das Universum im Moment des Urknalls im
Sinne der Entropie maximal geordnet gewesen sei, d. h. die Entropie so
klein wie überhaupt nur möglich gewesen wàre, und dieser Umstand sei die
Ursache dafür, dass der thermodynamische Zeitpfeil vom Urknall weg
zeige. Da dieser Zeitpfeil die Basis für unser Zeitempfinden ist, wàre
damit begründet, dass der Urknall in unsere Vergangenheit liegt. Das
klingt plausibel, aber wie muss man sich dann die Situation vorstellen,
wenn die Anfangsbedingungen für das Universum so gewesen wàren, dass es
irgendwann wieder kollabiert, was zwar offenbar nicht der Fall zu sein
scheint, aber möglich gewesen wàre. Würde dieser Kollaps wieder in einem
Zustand maximaler Ordnung enden müssen? Falls ja, müsste aus obigem
Argument angewendet auf den Kollaps ja folgen, dass der Zeitpfeil sich
irgendwann wieder umkehren müsste, aus Symmetriegründen wohl im Moment
der maximalen Ausdehnung. Das scheint mir aber wiedersinnig, denn wieso
sollte plötzlich z. B. ein Stern in diesem Moment ausgehend von seinem
aktuellen Entwicklungsstadium sich wieder zurückentwickeln nur weil die
Expansion in eine Kontraktion übergeht? Falls nein, was wàre dann aus
Sicht der Entropie der Unterschied zwischen Urknall und Kollaps?
 

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#1 Thomas Heger
20/12/2007 - 09:00 | Warnen spam
"Wolfgang Beyer" schrieb im Newsbeitrag
news:fkbulf$99d$
Habe mal irgendwo gelesen, dass das Universum im Moment des Urknalls im
Sinne der Entropie maximal geordnet gewesen sei, d. h. die Entropie so
klein wie überhaupt nur möglich gewesen wàre, und dieser Umstand sei die
Ursache dafür, dass der thermodynamische Zeitpfeil vom Urknall weg zeige.
Da dieser Zeitpfeil die Basis für unser Zeitempfinden ist, wàre damit
begründet, dass der Urknall in unsere Vergangenheit liegt. Das klingt
plausibel, aber wie muss man sich dann die Situation vorstellen, wenn die
Anfangsbedingungen für das Universum so gewesen wàren, dass es irgendwann
wieder kollabiert, was zwar offenbar nicht der Fall zu sein scheint, aber
möglich gewesen wàre. Würde dieser Kollaps wieder in einem Zustand
maximaler Ordnung enden müssen? Falls ja, müsste aus obigem Argument
angewendet auf den Kollaps ja folgen, dass der Zeitpfeil sich irgendwann
wieder umkehren müsste, aus Symmetriegründen wohl im Moment der maximalen
Ausdehnung. Das scheint mir aber wiedersinnig, denn wieso sollte plötzlich
z. B. ein Stern in diesem Moment ausgehend von seinem aktuellen
Entwicklungsstadium sich wieder zurückentwickeln nur weil die Expansion in
eine Kontraktion übergeht? Falls nein, was wàre dann aus Sicht der
Entropie der Unterschied zwischen Urknall und Kollaps?



Hallo Wolfgang

über dieses Thema hatte ich auch mal nachgedacht und bin zu der Ansicht
gelangt, dass die Entropie nicht die Ursache der Zeit ist. Nach meiner
_Meinung_ nimmt im Masstab des gesamten Universums die Entropie auch nicht
zu. Die Expansion sollte bewirken, das insgesamt thermodynamisches
Gleichgewicht herrscht. Man muss sich das wie ein expandierendes ideales Gas
vorstellen das in einer idealen Maschine expandiert, ohne dabei Wàrme oder
Arbeit abzugeben oder aufzunehmen. Unter der Annahme der völligen Isolation
und Reibungsfreiheit konnte man sich ein Gasvolumen wie eine Art Feder
vorstellen, welche ad infinitum oszilliert. Meine Argumentation in dem
Thread "Entropie des Universums" lief über Wahrscheinlichkeiten und die
Anzahl möglicher Zustànde. Und so ist der jetzige Zustand nicht
wahrscheinlicher, als der Zustand zum Urknall.

Anscheinend ist es auch so, dass kleinste Objekte eine Idee von Zeit habe,
denn die Definition der Sekunde geht über die Frequenz eines
Zustandswechsels in einem Atom.

viele Grüße

Thomas Heger

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