Ursache falscher Kraftwerksstandort in KiKK-Studie

18/04/2008 - 19:48 von Ralf Kusmierz | Report spam
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Moin,

ich wollte mal ein instruktives Beispiel für eine eher banale
Fehlerursache mitteilen.

Die im Dezember veröffentlichte Kinderkrebsstudie über
Krebserkrankungen in der Umgebung von Kernkraftwerken stellt
Berechnungen über die Abhàngigkeit des Wohnungsabstands Erkrankter vom
nàchstgelegenen Kernkraftwerk an. Für diese Berechnungen braucht man
offenbar die geographischen Positionen der Wohnungen und die der
Kernkraftwerke, dann kann man die Abstànde ausrechnen.

In der Studie ist eine Liste der Koordinaten der 16 Kernkraftwerke im
Gauß-Krüger-System im dritten Meridianstreifen (GK3) angegeben, lt.
der Autoren mit einer Genauigkeit der Standorte von 10 Metern
(Referenzpunkt ist jeweils der Fußpunkt des Abluftkamins, mit dem die
(genehmigten) radioaktiven Emissionen der KKW verdünnt werden - die
geographischen Positionen der Wohnungen wurden angeblich mit einer
mittleren Genauigkeit von 25 m bestimmt. Das Gauß-Krüger-System ist
ein rechtwinkliges Koordinatensystem, die Koordinaten bestehen jeweils
aus einem "Rechtswert" (in Ost-Richtung) und einem "Hochwert" (in
Nord-Richtung) in der Einheit Meter).

Für das (stillgelegte) Kernkraftwerk Lingen sind in der Studie die
GK3-Koordinaten [3384566, 5818441] angegeben - diese Koordinaten sind
aber falsch, richtig wàre [3384639, 5818005], was einen
Lageunterschied von ca. 442 m ausmacht und damit weit außerhalb der
Toleranz liegt (die Positionen der anderen 15 Anlagen sind korrekt
angegeben).

Das IMBEI an der Uni Mainz, das die Studie angefertigt hatte, hatte
kürzlich eine Informationsveranstaltung zu der KiKK-Studie
durchgeführt. Im Anschluß daran habe ich eine der Autorinnen gefragt,
wie es denn zu der Panne gekommen wàre - sie wußte davon aber gar
nichts, obwohl ich das dem IMBEI bereits vor geraumer Zeit mitgeteilt
hatte, sondern meinte, das IMBEI hàtte die Daten vom Bundesamt für
Strahlenschutz als GK2-Koordinaten erhalten und nur ins GK3-System
umgerechnet. Ich habe dann mal die korrekten GK3-Koordinaten
rücktransformiert ins GK2-System und erhalte als Ergebnis [2588411,
5817445] - das waren wohl mutmaßlich diejenigen Koordinaten, die das
IMBEI vom BfS erhalten hatte.

Wie kam es nun zu den falschen Zahlen?

Das sieht man, wenn man die falschen GK3-Koordinaten aus der Studie
mit den (richtigen) GK2-Koordinaten vergleicht: Die letzten vier
Ziffern des falschen GK3-Hochwerts stimmen nàmlich mit den letzten
vier Ziffern des GK2-Rechtswerts überein. Ich nehme an, daß die
Teilübereinstimmung kein Zufall ist, sondern sich jemand beim
Übertragen der Zahlen vertan hat.

(Und als Warnung für alle Anwender: Es gibt immer jemanden, dem so
etwas auffàllt, und zwar dann, wenn es zu spàt ist, besonders dann,
wenn die falschen Zahlen auch noch plausibel aussehen, z. B. beim
Plotten: Das nàchstgelegene Kernkraftwerk Emsland am gleichen Standort
ist gut 2 km entfernt von Lingen, da sieht ein um 400 m verschobener
"Plotpunkt" durchaus "richtig" aus. Also bitte *nie* Zahlen irgendwo
"abschreiben", sondern *immer* per past&copy übertragen!)


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

Lesen sie die antworten

#1 Michael Friese
18/04/2008 - 21:56 | Warnen spam
Hallo,

Für das (stillgelegte) Kernkraftwerk Lingen sind in der Studie die
GK3-Koordinaten [3384566, 5818441] angegeben


^^^^
rücktransformiert ins GK2-System und erhalte als Ergebnis [2588411,


^^^^

also ich kenne mich hier zwar nicht aus, aber wenn ich dich richtig
verstanden habe, müssten diese Ziffernfolgen identisch sein, oder?!

MF.

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