"variadisch"

02/10/2015 - 19:49 von ram | Report spam
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Ich habe jetzt folgende Tabelle zu Attributen von Operatoren
und Funktionen aufgestellt:

kein Operand/Argument nullàr

ein Operand/Argument unàr monadisch

zwei Operanden/Argumente binàr dyadisch (diadisch)

mit variabler Anzahl von variadisch
Operanden/Argumenten

. Dabei sind MUSEN die mittleren beiden Zeilen eher
klassisch etablierte Begriffe, wàhrend »variadisch«
(wurde in de.etc.sprache.deutsch schon 2004 diskutiert!)
und besonders »nullàr« spàtere Pràgungen sein könnten.

Betrachtet man nun einmal nur die mittleren Zeilen, so
wirken die Wörter der rechte Spalte wie klassische deutsche
Fremdwörter griechischn Ursprungs, wàhrend sich die der
mittleren Zeile an das Lateinische anlehnen könnten, aber
vielleich auch über des Englische gekommen sein könnten.

Wàren daher für jemanden, der Anglizismen vermeiden will,
die Begriffe der rechten Spalte besser?

ein Operand/Argument unàr monadisch

zwei Operanden/Argumente binàr dyadisch (diadisch)

»Nullàr« klingt ein bißchen wie eine Adhoc-Bildung von
jemandem, der kein Latein gelernt hat, da es auf das
deutsche oder englische Wort »Null« (»null«) zurückzugehen
scheint. Aber selbst wenn die klassischen Römer keine Zahl
»Null« hatten, hatten sie vielleicht ein Wort für »Nichts«
oder »kein«.

Wie würde denn ein Altphilologe die Fragezeichen in der
folgenden Tabelle bilden, wenn er für die mittlere Spalte
eher Wörter aus dem Lateinischen und für die rechte Spalte
eher Wörter aus dem Griechischen zugrundelegen möchte?

kein Operand/Argument ?L0 ?G0

ein Operand/Argument unàr monadisch

zwei Operanden/Argumente binàr dyadisch (diadisch)

mit variabler Anzahl von ?L1 ?G1
Operanden/Argumenten

Bei »?G1« fàllt mir natürlich erst einmal »polyadisch« ein,
aber das heißt ja »/viele/ Operanden/Argumente« und nicht
»mit einer /variablen/ Anzahl von Operanden/Argumenten«.
Es wird wohl manchmal im Sinne von »mit mehr als drei«
verwendet (was etwas an die Pirahã erinnert), eine variable
Anzahl umfaßt aber auch die Möglichkeit von drei oder weniger
Argumenten.
 

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#1 Helmut Richter
02/10/2015 - 23:31 | Warnen spam
Am 02.10.2015 um 19:49 schrieb Stefan Ram:

Newsgroups: de.etc.sprache.deutsch,de.etc.sprache.klassisch,de.sci.mathematik

Ich habe jetzt folgende Tabelle zu Attributen von Operatoren
und Funktionen aufgestellt:

kein Operand/Argument nullàr

ein Operand/Argument unàr monadisch

zwei Operanden/Argumente binàr dyadisch (diadisch)



und natürlich auch mehr: ternàr, quaternàr, ..., wovon mindestens das
erste durchaus gebràuchlich ist. Auf Deutsch 0-stellig, 1-stellig, ...,
n-stellig, auf Englisch 0-ary (selten), unary, ..., n-ary.

Alles nichts, was es nicht schon làngst gàbe einschließlich der
Bezeichnungen.

mit variabler Anzahl von Operanden/Argumenten



Das ist in der Mathematik unüblich. Man kann auf n-stellige Operationen
mit n>1 auch verzichten und verwendet dann lieber einstellige
Operationen auf n-Tupeln; dann sind die mit variabler Anzahl von
Operanden/Argumenten eben einstellige auf der Menge abbrechender Folgen,
die man zuvor geeignet definieren muss.

Ein Grund, jeder Operation feste Operandenzahl zu geben ist der Bau
algebraischer Strukturen: definiert man, was eine Gruppe ist, dann gibt
es eben eine zweistellige Operation, die Multiplikation, Addition,
Komposition oder auch ganz anders heißen kann (Namen sind Schall und
Rauch), eine einstellige Operation (Inverses) und eine nullstellige
Operation (Eins oder Null oder Identitàt, je nachdem).

»Nullàr« klingt ein bißchen wie eine Adhoc-Bildung von
jemandem, der kein Latein gelernt hat, da es auf das
deutsche oder englische Wort »Null« (»null«) zurückzugehen
scheint. Aber selbst wenn die klassischen Römer keine Zahl
»Null« hatten, hatten sie vielleicht ein Wort für »Nichts«
oder »kein«.



Na ja, nullstellige Operationen werden gemeinhin "Konstante" genannt und
nullstellige Pràdikate gibts genau zwei, nàmlich "wahr" und "falsch".

Helmut Richter

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