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"Von den Lehrstühlen der Tugend"

02/01/2012 - 20:36 von Aguirre | Report spam
"Man rühmte Zarathustra einen Weisen, der gut vom Schlafe und von der
Tugend zu reden wisse: sehr werde er geehrt und gelohnt dafür, und
alle Jünglinge sàssen vor seinem Lehrstuhle. Zu ihm gieng Zarathustra,
und mit allen Jünglingen sass er vor seinem Lehrstuhle. Und also
sprach der Weise:

Ehre und Scham vor dem Schlafe! Das ist das Erste! Und Allen aus dem
Wege gehn, die schlecht schlafen und Nachts wachen!

Schamhaft ist noch der Dieb vor dem Schlafe: stets stiehlt er sich
leise durch die Nacht. Schamlos aber ist der Wàchter der Nacht,
schamlos tràgt er sein Horn.

Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag
darauf hin zu wachen.

Zehn Mal musst du des Tages dich selber überwinden: das macht eine
gute Müdigkeit und ist Mohn der Seele.

Zehn Mal musst du dich wieder dir selber versöhnen; denn Überwindung
ist Bitterniss, und schlecht schlàft der Unversöhnte.

Zehn Wahrheiten musst du des Tages finden: sonst suchst du noch des
Nachts nach Wahrheit, und deine Seele blieb hungrig.

Zehn Mal musst du lachen am Tage und heiter sein: sonst stört dich der
Magen in der Nacht, dieser Vater der Trübsal.

Wenige wissen das: aber man muss alle Tugenden haben, um gut zu
schlafen. Werde ich falsch Zeugniss reden? Werde ich ehebrechen?

Werde ich mich gelüsten lassen meines Nàchsten Magd? Das Alles
vertrüge sich schlecht mit gutem Schlafe.

Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins
verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken.

Dass sie sich nicht mit einander zanken, die artigen Weiblein! Und
über dich, du Unglückseliger!

Friede mit Gott und dem Nachbar: so will es der gute Schlaf. Und
Friede auch noch mit des Nachbars Teufel! Sonst geht er bei dir des
Nachts um.

Ehre der Obrigkeit und Gehorsam, und auch der krummen Obrigkeit! So
will es der gute Schlaf. Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf
krummen Beinen Wandelt?

Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die
grünste Aue führt: so vertràgt es sich mit dem gutem Schlafe.

Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schàtze: das entzündet die
Milz. Aber schlecht schlàft es sich ohne einen guten Namen und einen
kleinen Schatz.

Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss
sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So vertràgt es sich mit gutem
Schlafe.

Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf.
Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.

Also làuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte ich
mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der
Schlaf, der der Herr der Tugenden ist!

Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkàuend
frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine
zehn Überwindungen?

Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und
die zehn Gelàchter, mit denen sich mein Herz gütlich that?

Solcherlei erwàgend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfàllt mich
auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.

Der Schlaf klopft mir auf meine Auge: da wird es schwer. Der Schlaf
berührt mir den Mund: da bleibt er offen.

Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und
stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl.

Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. –

Als Zarathustra den Weisen also sprechen hörte, lachte er bei sich im
Herzen: denn ihm war dabei ein Licht aufgegangen. Und also sprach er
zu seinem Herzen:

Ein Narr ist mir dieser Weise da mit seinen vierzig Gedanken: aber ich
glaube, dass er sich wohl auf das Schlafen versteht.

Glücklich schon, wer in der Nàhe dieses Weisen wohnt! Solch ein Schlaf
steckt an, noch durch eine dicke Wand hindurch steckt er an.

Ein Zauber wohnt selbst in seinem Lehrstuhle. Und nicht vergebens
sassen die Jünglinge vor dem Prediger der Tugend.

Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen. Und wahrlich, hàtte
das Leben keinen Sinn und müsste ich Unsinn wàhlen, so wàre auch mir
diess der wàhlenswürdigste Unsinn.

Jetzo verstehe ich klar, was einst man vor Allem suchte, wenn man
Lehrer der Tugend suchte. Guten Schlaf suchte man sich und mohnblumige
Tugenden dazu!

Allen diesen gelobten Weisen der Lehrstühle war Weisheit der Schlaf
ohne Tràume: sie kannten keinen bessern Sinn des Lebens.

Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend,
und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr
lange stehen sie noch: da liegen sie schon.

Selig sind diese Schlàfrigen: denn sie sollen bald einnicken. –"

Also
"Seien wie realistisch und verlangen das Unmögliche"
 

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#1 Aguirre
03/01/2012 - 23:18 | Warnen spam
On 2 Jan., 20:36, Aguirre wrote:
"Man rühmte Zarathustra einen Weisen, der gut vom Schlafe und von der
Tugend zu reden wisse:



Wer soll denn das sein?
Doch nicht etwa Gregor?


sehr werde er geehrt und gelohnt dafür, und
alle Jünglinge sàssen vor seinem Lehrstuhle. Zu ihm gieng Zarathustra,
und mit allen Jünglingen sass er vor seinem Lehrstuhle. Und also
sprach der Weise:

Ehre und Scham vor dem Schlafe! Das ist das Erste! Und Allen aus dem
Wege gehn, die schlecht schlafen und Nachts wachen!

Schamhaft ist noch der Dieb vor dem Schlafe: stets stiehlt er sich
leise durch die Nacht. Schamlos aber ist der Wàchter der Nacht,
schamlos tràgt er sein Horn.

Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag
darauf hin zu wachen.



Oh ja Gregor!

Zehn Mal musst du des Tages dich selber überwinden: das macht eine
gute Müdigkeit und ist Mohn der Seele.



Sicher Gregor!

Zehn Mal musst du dich wieder dir selber versöhnen; denn Überwindung
ist Bitterniss, und schlecht schlàft der Unversöhnte.

Zehn Wahrheiten musst du des Tages finden:



Dann fang mal an Gregor

sonst suchst du noch des
Nachts nach Wahrheit, und deine Seele blieb hungrig.



Sonst passiert das.

Zehn Mal musst du lachen am Tage und heiter sein: sonst stört dich der
Magen in der Nacht, dieser Vater der Trübsal.



Naja davon wollen wir mal absehen.

Wenige wissen das: aber man muss alle Tugenden haben, um gut zu
schlafen. Werde ich falsch Zeugniss reden?



Das ist dier Frage?

Werde ich ehebrechen?

Das ist sekundàr.

Werde ich mich gelüsten lassen meines Nàchsten Magd? Das Alles
vertrüge sich schlecht mit gutem Schlafe.

Und selbst wenn man alle Tugenden hat, muss man sich noch auf Eins
verstehn: selber die Tugenden zur rechten Zeit schlafen schicken.

Dass sie sich nicht mit einander zanken, die artigen Weiblein! Und
über dich, du Unglückseliger!

Friede mit Gott und dem Nachbar: so will es der gute Schlaf. Und
Friede auch noch mit des Nachbars Teufel! Sonst geht er bei dir des
Nachts um.

Ehre der Obrigkeit und Gehorsam,




Oh dein Thema Gregor.


und auch der krummen Obrigkeit! So
will es der gute Schlaf. Was kann ich dafür, dass die Macht gerne auf
krummen Beinen Wandelt?

Der soll mir immer der beste Hirt heissen, der sein Schaf auf die
grünste Aue führt: so vertràgt es sich mit dem gutem Schlafe.

Viel Ehren will ich nicht, noch grosse Schàtze: das entzündet die
Milz. Aber schlecht schlàft es sich ohne einen guten Namen und einen
kleinen Schatz.



Deinen Schatz kennt man ja Gregor.

Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss
sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So vertràgt es sich mit gutem
Schlafe.

Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf.
Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.



Hm.

Also làuft der Tag dem Tugendsamen. Kommt nun die Nacht, so hüte ich
mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der
Schlaf, der der Herr der Tugenden ist!

Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkàuend
frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine
zehn Überwindungen?

Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und
die zehn Gelàchter, mit denen sich mein Herz gütlich that?

Solcherlei erwàgend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfàllt mich
auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.

Der Schlaf klopft mir auf meine Auge: da wird es schwer.



OHOH.

Der Schlaf
berührt mir den Mund: da bleibt er offen.



oder geschlossen wie bei Gregor.

Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und
stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl.

Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. –

Als Zarathustra den Weisen also sprechen hörte, lachte er bei sich im
Herzen: denn ihm war dabei ein Licht aufgegangen. Und also sprach er
zu seinem Herzen:

Ein Narr ist mir dieser Weise da mit seinen vierzig Gedanken: aber ich
glaube, dass er sich wohl auf das Schlafen versteht.

Glücklich schon, wer in der Nàhe dieses Weisen wohnt! Solch ein Schlaf
steckt an, noch durch eine dicke Wand hindurch steckt er an.

Ein Zauber wohnt selbst in seinem Lehrstuhle. Und nicht vergebens
sassen die Jünglinge vor dem Prediger der Tugend.

Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen. Und wahrlich, hàtte
das Leben keinen Sinn und müsste ich Unsinn wàhlen, so wàre auch mir
diess der wàhlenswürdigste Unsinn.

Jetzo verstehe ich klar, was einst man vor Allem suchte, wenn man
Lehrer der Tugend suchte. Guten Schlaf suchte man sich und mohnblumige
Tugenden dazu!

Allen diesen gelobten Weisen der Lehrstühle war Weisheit der Schlaf
ohne Tràume: sie kannten keinen bessern Sinn des Lebens.

Auch noch heute wohl giebt es Einige, wie diesen Prediger der Tugend,
und nicht immer so Ehrliche: aber ihre Zeit ist um. Und nicht mehr
lange stehen sie noch: da liegen sie schon.

Selig sind diese Schlàfrigen: denn sie sollen bald einnicken. –"



Gute Nacht GÄHN

Also
"Seien wie realistisch und verlangen das Unmögliche"

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