Wahre/reine Fotografie

08/10/2016 - 22:01 von Johannes Leckebusch | Report spam
Tja, was ist das? Auf das Bild in einer Lochkamera schauen?

Halt - nein, fehlt ja noch die Graphie, also das "festhalten".
Vielleicht abzeichnen? Örks.

Nun, die Photo-Graphie (neudeutsch: Fotografie) hat mit Licht und
Aufzeichnung zu tun. So gesehen ist jeder durch Ausbleichung entstandene
Schatten auf einem lichtempfindlichen Material, auf dem lange mal was
lag und die Sonne draufschien, auch Fotografie. Ist ja auch so.

Benutzen auch Künstler, sogar für (neudeutsch) "Selfies":

http://www.siegfried-leckebusch.de/...ld_tif.htm

Sagen wir mal ... Fotografie ist das Erzeugen von Bildern/Abbildern auf
technischem Wege durch Licht und dessen Verarbeitung. Also nicht durch
Hinschauen und Zeichnen oder Malen (könnte man ja auch in der Camera
obscura --> Lochkamera).

Nun kriegt ja jeder Grundschüler Buntstifte und ggf. Filzstifte und/oder
Wasserfarben in die Hand und kann also Malerei betreiben. Oder auf
seinem HànDieKoiSchnur mit den Fingern wischend Bilder erzeugen ...

Photo-Graphie (sorry) meint die Entwicklung von effizienten
Aufneichnungsverfahren von "Lichtbildern" (jeder Baum, jede Lücke in der
Mauer erzeugt solche ja seit Anbeginn entsprechender Umstànde auf
unserem Planeten in unserem Sonnensystem).

Im engeren Sinne meinen wir, auch in dieser von Amateuren beherrschten
(wenn auch gelegentlich von Professionellen bedrohten) Newsgroup, den
gestalterischen Umgang mit solchen "Lichtbildern" - kreativ, fahrlàssig,
erinnerungsbedürftig ... wie auch immer.

So.

Inwiefern "bedroht" nun die Digitalisierung der Fotografie das? Kann sie
das?

Auffàllig ist natürlich, dass heute bald jede(r) irgend so ein Ding in
der Tasche bzw. vor der Nase hat, das Lichtbilder aufzeichnen kann, und
dass die Plagen der Amateurknipser von früher (hat der Fotoladen auf,
damit ich mir einen neuen Film in die Kamera einlegen lassen kann -
heul?????) so ziemlich auf Null geschrumpft sind (ausgenommen: Oh Gott,
meine SIM-Karte, mein Handyspeicher ist voll ... was mache ich denn
jetzt, kann ich doch meinen Neffen nicht mehr fotografieren!!!!!!!)

Betrifft "die hier" ja nicht, da diskutieren über lockere Schrauben in
Kampfjets - àh, Kameraobjektiven - und nicht darüber, wie man den Film
wechselt usw.; höchstens, wo man noch die popligsten
Sofortbildfilm-Imitate bekommt oder wer noch diese komischen Patronen
mit chemisch beschichteten seehr langen Hosentràgerfolien für Geràte, wo
man die reintun und dann mechanisch weitertransportieren muss, bekommt.

Was haben aber solche Diskussionen, und auch solche wie auf:

http://www.tagesanzeiger.ch/digital...y/24480198

nun eigentlich mit Fotografie zu tun, im "übertragenen Sinne", so wie
Malerei mit der Frage, ab wann es welches Tubenweiß gegeben hat oder es
ohne Fotografie jemals einen Fotorealismus in der Malerei hàtte geben
können (hüstel).

Tja. Ja, das mit dem Fotorealismus und was früher war, das /sind/
interessante Fragen. Und die Auseinandersetzung mit neuen, neueren,
neuesten und allerneuesten und noch gar nicht geneuesten Techniken ist
schon auch irgendwie interessant - und dass das Volk heute halt einfach
sein Handy vor seine und anderer Leute Nase hàlt und meint: Hurrah, ein
Foto! ... so what?

Ist halt so.

Schafft das die "Fotografie" ab?

Das "unverfàlschte Bild"? Was war das? Das, was man in der Camera
obscura gesehen hat? Aber das war ja noch keine "Graphie", wenn wenn wer
vor das Loch trat oder die Sonne unterging, war es weg - außer, man
hatte es vorher ab- oder aufgezeichnet, wie auch immer.

Nun, die "Graphie" als zweiter Teil hat sich stetig gewandelt - vom
tagelangen Warten auf die Ausbleichwirkung der Sonne bis hin zum
Soforteffekt in einer Feuchtblattkiste bis hin zum
IchBinDeinEinUndAllesApps, und wenn Du mich nicht dabei hast, bist Du
tot - für alle Deine Freunde, Deinen Arbeitgeber und Deine Kloounterhaltung.

Ich meine, dass Fotografie nicht von Linse, Nichtlinse oder wieviel
Linsen abhàngt, auch nicht von Pixelmillionen oder Trillionen, auch
nicht von Panoblahblah, sondern von was anderem:

Sehen und Gestalten.

Aber vielleicht ist das eine veraltete Einstellung?

Johannes Leckebusch - AR3

http://www.johannes-leckebusch.de/
http://www.johannes-leckebusch.de/F...index.html
http://www.foto.ungruen.de/index2.html
 

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#1 Karlheinz Klingbeil
09/10/2016 - 11:17 | Warnen spam
Am 08.10.16 um 22:01 schrieb Johannes Leckebusch:
[snip]

Ich meine, dass Fotografie nicht von Linse, Nichtlinse oder wieviel
Linsen abhàngt, auch nicht von Pixelmillionen oder Trillionen, auch
nicht von Panoblahblah, sondern von was anderem:

Sehen und Gestalten.



Ich bin da vollstàndig deiner Meinung. Ein _gutes_ Bild ist aber immer
(pun intendet) Ansichtssache und da gehen die Meinungen natürlich weit
auseinander.
Für mich persönlich ist es egal, mit welcher Technik ein Foto
aufgenommen wurde, das Ergebnis zàhlt.
Ich mag zum Thema _gutes Foto_ auch eine ganz eigene Einstellung haben,
ich fotografiere nun mal gern einen ganzen Stànder voller
Kitschpostkarten und überlasse dann die Auswahl dem Betrachter.
Für die meisten hier scheint dieser "Kitsch" nun mal nicht gut zu sein
und mit Auswahl sind die meisten hier wohl auch überfordert. Ich sehe da
auch den Grund dafür, dass meine Bilder hier selten bis nie kommentiert
werden, was mich nicht wirklich stört, denn gesehen werden die Bilder
wohl (=>Webserver-Logs)
Ich kommentiere ja schliesslich auch nur, was mir gefàllt oder eben
missfàllt.

Zurück zur Frage: Das ursprüngliche, unverfàlschte Bild gibt es IMHO
nicht, schon der Bildauschnitt ist eine verfàlschte Darstellung der
Wirklichkeit, wobei Fotografie keine Darstellung der Wirklichkeit ist
oder sein sollte.

Was gut ist oder nicht, liegt im Auge des Betrachters, weswegen auch
eine KI (wie im Keegan-Thread) die Qualitàt eines Bildes nicht
beurteilen kann, weil auch eine KI trainiert werden muss, und dann auch
nur bewerten kann, was sie "kennt", im Keegan Fall ein paar einfache
Regeln wie Goldener Schnitt, Drittelregel und farbig (SW bewertet Keegen
IMMER schlecht)

Mir gefallen Kitschpostkarten, andere bvevorzugen nackte Haut oder
Wasserpflanzen, wieder andere zeigen Ruinen.
Alles sind für den "richtigen" Betrachter gute Bilder, für andere eben
nicht.

Fazit: Erlaubt ist, was gefàllt, und ich sage, besser einen eigenen,
unverwechselbaren Stil, der 3 Leuten gefàllt als etwas, was daruf zielt
jedem zu gefallen...


Aber vielleicht ist das eine veraltete Einstellung?





Greetz
K.Klingbeil(lunqual)
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