Warum keine Konstruktion, die keine Kühlung im Notfall benötigt?

17/03/2011 - 21:10 von Falko Schmidt | Report spam
Hallo,

was ich nicht verstehe; warum baut man die Sache nicht so, daß im
Notfall keine komplexen Kühlsysteme notwendig sind?

Man könnte doch die Brennstàbe mit rein mechanischen Mitteln
(Gravitation) trennen oder sogar in ihre einzelnen Tabs zerlegen und
in getrennten Evakuierungstunneln in separate Becken fallen lassen. Wo
liegt denn da mein Denkfehler (außer dass der Spaß dann eben noch mehr
kostet).
 

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#1 Jakob Krieger
17/03/2011 - 23:22 | Warnen spam
- Falko Schmidt / 17.03.2011:


was ich nicht verstehe; warum baut man die Sache nicht so, daß im
Notfall keine komplexen Kühlsysteme notwendig sind?



Wenn die primàre Reaktion gestoppt ist (die Kernspaltung,
aus der man besonders viel Energie gewinnen kann/will),
erhitzen sekundàre Reaktionen (Zerfall kurzlebiger
Spaltprodukte) das Material weiter, und zwar bis zum
Schmelzpunkt. Das passiert auch bei abgebrannten Stàben,
was vermutlich gerade im Abklingbecken in Fukushima
passiert.


Man könnte doch die Brennstàbe mit rein mechanischen Mitteln
(Gravitation) trennen oder sogar in ihre einzelnen Tabs zerlegen ...



Genau das ist in Tschernobyl passiert - bei der Explosion
sind die Brennstàbe pulverisiert worden und die Reaktion
wurde luftgekühlt beendet, nur eben leider in der offenen
Atmosphàre.

... und
in getrennten Evakuierungstunneln in separate Becken fallen lassen. Wo
liegt denn da mein Denkfehler (außer dass der Spaß dann eben noch mehr
kostet).



'Abgeschaltete' Brennelemente erzeugen durch Sekundàr-
Reaktionen weiterhin soundsoviel Energie pro Kilo,
daran kann man nichts àndern. Die Reaktion làsst sich
nicht abschalten wie eine Stromquelle, sie braucht lange,
bis sie vollstàndig gestoppt ist.

Man muss weiter kühlen, sonst brennen die Stàbe oder
deren Bruchstücke durch und bilden dann eine Material-
Mischung, deren Eigenschaften nicht vorhersagbar sind.

Gehen wir mal davon aus, dass man unbedingt vermeiden
will, dass das Brennmaterial schmilzt - dann ist es eben
einfacher, weniger große Brennelemente zu messen und zu
kühlen als ganz viele kleine, die in unterschiedlicher
Konzentration irgendwo in Schàchten rumliegen.


Kurz: Die Prozesse in Spaltreaktoren sind, wie sie nun
mal sind, sie lassen sich nicht so einfach beherrschen.
Die Schönsprecher nennen das 'Restrisiko', andere Leute
sprechen von größenwahnsinnigen Machbarkeits- und
Machtphantasien.


Jetzt kommt die politische Komponente: Die Atomkraft
hatte (bisher) primàr den Sinn, Abfall aus der Waffen-
produktion zu verwenden und dabei die Menge der zur
Waffenherstellung verbrauchten Rohstoffe zu kaschieren.
Weder ist die Stromproduktion dadurch einfacher, billiger,
sauberer noch sicherer geworden.

1 Liter Heizöl zu 25 Cent hat einen Heizwert von etwas
über 10 kWh, was bei 70 % Wirkungsgrad (alte Anlage)
immer noch dem Äquivalent von 7 kWh Strom zu 2,50 Euro
entspricht - damit ist wohl die Geschichte von wegen
super-billigem Atomstrom widerlegt. Und dabei zahlt man
Endlager- und Folgekosten gar nicht mit.



jk



no sig

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