Warum programmieren Studenten heute schlechter?

26/01/2014 - 23:52 von ram | Report spam
Newsgroups: de.comp.lang.misc,de.sci.informatik

Ich las einmal, Informatik-Studenten würden heute immer
schlechter programmieren können.

Woran könnte dies liegen?

Ich nehme an, es liegt unter anderem daran, daß man in einem
zweisemestrigen Java-Kurs viel Zeit mit der
objektorientierten Programmierung verbringt, beispielsweise
wird vielleicht das Visitor-Pattern erklàrt. Dadurch werden
andere Themen der prozeduralen und strukturierten
Programmierung verdràngt, es bleibt beispielsweise weniger
Zeit für Schleifen-Invarianten, Rekursion, Parser oder
vergleichende Analyse von Sortieralgorithmen.

Natürlich muß ein Programmierer heute seltener fundamentale
Algorithmen selber programmieren, aber manchmal braucht man
solche Fàhigkeiten eben doch.

Die Lösung dieses Problems könnte darin bestehen, die
Programmierveranstaltungen zeitlich auszudehen, so daß auch
ausreichend viel Zeit für diejenigen Grundlagen besteht, wie
man sie vor der OOP-Zeit behandelt hat. Dies steht aber
vielleicht im Widerspruch zu der gewünschten Verkürzung von
Studienzeiten im Rahmen des Bachelor-Studiums.

Und wo ich gerade beim Cross-Posten bin: Man könnte mal
überlegen, ob es nicht einfacher zu lesen wàre, wenn man
de.sci.informatik und alle Programmiergruppen zu
de.comp.lang vereinigt. Die meisten Programmierer
interessieren sich ohnehin für mehrere Programmiersprachen,
und so hàtte man dann gleich alles übersichtlich in einer
Gruppe und die sàhe hoffentlich etwas lebendiger aus.
 

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#1 Janek Schleicher
27/01/2014 - 00:38 | Warnen spam
Moderne Architekten oder Bauingenieure sollen Gerüchte zu folgen auch
schlechtere Trockenmaurer, Fliesenleger oder Estrichtmacher sein als früher.

Moderne Software soll korrekt funktionieren von Start an
(also zumindestens intensiv und leicht automatisierbar und testbar und
deploy-bar),
leicht wartbar sein,
höchst portabel,
versioniert,
und mit riesigen Datenmengen klar kommen,
und das höchst verteilt.

Fundamentale Algorithmen sind natürlich trotzdem nicht verkehrt,
ich möchte nicht auf meine Assembler-Zeit z.B. verzichten,
aber mal ernsthaft, dass ist wie Französisch/Spanisch-Unterricht zur
Schule, nett, aber heutzutage braucht man erst nicht mehr, wenn man
anfang 20 ist, wichtiger ist da sehr gutes Englisch oder bei uns in der
SW-Entwicklung gute Fàhigkeiten im Entwurf.

Konkret stimme ich aber zu, dass auf OOP zuviel Wert gelegt wird, auch,
weil funktionale Muster und generische Entwicklung viel wichtiger sind
in der Praxis, zumindestens wenn es um Dinge geht, die man in vielleicht
4+2 Veranstaltungen beibringen kann.
Bei großen Projekten kommt man um Entwurfspattern natürlich nicht umhin,
aber in einem Programmierpraktikum sind die andererseits auch nicht
richtig aufgehoben.

Allerdings, die durchschnittliche Ausbildung ist wirklich mangelhaft,
die meisten Arbeitgeber sind schon froh, wenn man weiss, was Polymorphie
ist; traurig, aber wahr.

Grüße,
Janek

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