Was genau ist Zeit?

28/05/2013 - 10:02 von Wolfgang Jäth | Report spam
Mir gehen schon seit einiger Zeit ein paar Gedanken durch den Kopf, zu
denen ich gerne mal Eure Meinung hören möchte.

Und zwar frage ich mich, ob nicht unsere Vorstellung von Raumzeit als
eine untrennbar miteinander verknüpfte Einheit nicht einem Denkfehler
unterliegt, und zwar, was den Aspekt 'Zeit' an geht. Oder anders herum
gefragt: Was genau ist eigentlich Zeit?

Die auf der Hand liegende Antwort wàre, einfach mal auf meine Uhr zu
schauen, um zu sehen, wie sie vergeht. Aber genau da liegt mein Problem:
Was genau zeigt mir diese Uhr an? Oder anders gefragt, was genau /misst/
diese Uhr?

Wenn ich mir beispielsweise eine klassische mechanische Pendeluhr im
Detail vorstelle, dann ist der eigentliche Zeitmesser darin
unzweifelhaft das Perpendikel. Dieses schwingt hin und her, und gibt
durch diese gleichmàßige Bewegung den Takt und damit die Zeiteinheiten
vor. Aber ist nicht Bewegung immer auch eine Funktion des Raumes? Wenn
das Pendel also hin und her schwingt, misst es damit doch genau genommen
/auch/ den Raum. Oder irre ich mich?

Und daran àndert sich auch nix, wenn wir eine andere Uhr aka ein anderes
Zeitmessinstrument benutzen. Egal ob wir eine Pendeluhr oder eine Uhr
mit einer Unruhe benutzen, oder eine Quarzuhr, eine Atomuhr oder sonst
etwas: Immer messen wir irgendwie eine Bewegung; pràzise gesagt eine
Bewegung /im/ /Raum/ (mag der z. B. im Fall einer Atomuhr auch noch so
klein sein).

Aber wenn eine Uhr lediglich Bewegung im Raum und damit letztendlich den
Raum selbst misst, wie unabhàngig vom Raum ist dann überhaupt die so
gemessene 'Zeit'? Wenn sich z. B. nach der Allgemeinen (oder wars die
Spezielle?) Relativitàtstheorie der Raum krümmt, krümmt sich dann nicht
logischerweise /mit/ dem Raum auch die - 'ràumlich' darin gemessene -
gemessene Zeit?

Und ist es dann nicht zwangsweise so, daß einem die
Lichtgeschwindigkeit, die ja - wie jede Geschwindigkeit - ein Verhàltnis
zwischen Zeit und Strecke also zwischen Zeit und Raum darstellen soll,
letztendlich aber anscheinend nur ein Verhàltnis zwischen /Raum/ und
Raum darstellt, als ein konstanter Wert erscheint?

Kommt uns möglicherweise nur /deshalb/ Raum und Zeit als eine Einheit
vor? Weil wir durch unsere /Messmethode/ die Zeit von einer Bewegung im
Raum und damit letztendlich vom Raum selbst abgeleitet haben? Ist die
Lichtgeschwindigkeit nur /deshalb/ konstant, weil das, was wir Zeit
nennen, eigentlich nur eine Funktion des /Raumes/ ist, und 'Zeit' damit
gleichzeitig zwangsweise in gleicher Weise auch jeglichen möglichen
Verzerrungen dieses Raumes unterliegen /muss/?

Zugegeben, mir fàllt auch keine bessere (oder überhaupt eine
raum-unabhàngige) Möglichkeit ein, Zeit anders, direkt, zu messen. Und
ich will Albert Einstein beileibe nicht auf die Füße treten, aber ich
frage mich, ob nicht die Relativitàtstheorie /so/ gesehen vielleicht
sozusagen ein Gleichungssystem ist mit weniger Variablen als
Gleichungen, so daß sich alle Variablen hinaus kürzen lassen; ein 'idem
per idem' (Definition durch sich selbst).

Ist nicht das, was wir gerne als einheitliche Raumzeit bezeichnen, eine
Selbsttàuschung, so wie wenn ich auf ein Stück Gummi von einem
Luftballon o. à. einen 10 cm langen Pfeil zeichne, und daneben
eine Skala mit der Bemaßung 10 cm auftrage, und auf der anderen Seite
des Pfeils einfach eine genau gleich lange Skala zeichne und mit sagen
wir der Bemaßung 2 Sekunden versehe, und dann den Gummi nach Belieben
làngs und quer ziehe, und auf diese Weise zu beweisen versuche, daß die
dargestellte Geschwindigkeit (stellvertretend für die
Lichtgeschwindigkeit) eben konstant 10 cm pro 2 Sekunden oder 0,18 km/h
betràgt, egal wie auch immer der Raum aka der Gummi gekrümmt oder
gedehnt sein mag? Denn die /eine/ Skala bemisst diesen Pfeil
(wohlgemerkt innerhalb dieses Bezugssystems 'Gummiflàche') ja *immer*
als 10 cm, und die /andere/ Skala bemisst den Pfeil ebenfalls *immer*
als 2 Sekunden.

Angesichts dieser Gedankengànge ergibt für mich ehrlich gesagt die
Aussage, daß die Lichtgeschwindigkeit in jedem Bezugssystem konstant
sei, momentan nicht mehr Sinn als eine Gleichung der Art '2 = 2'. Wie
anders kann oder muss ich mir Zeit aber vorstellen?

Wolfgang, sich irgendwie fest gerannt habend
 

Lesen sie die antworten

#1 Norbert Dragon
28/05/2013 - 10:28 | Warnen spam
* Wolfgang Jàth schreibt:

Die auf der Hand liegende Antwort wàre, einfach mal auf meine Uhr zu
schauen, um zu sehen, wie sie vergeht. Aber genau da liegt mein Problem:
Was genau zeigt mir diese Uhr an? Oder anders gefragt, was genau /misst/
diese Uhr?



Für die Größe, die Uhren messen, haben wir keinen einfacheren Namen
als Zeit. Zeit ist (die Äquivalenzklasse dessen), was Uhren messen.

Daß Zeit und Raum verschieden sind, zeigt die Betrachtung zweier
Autos, die zu unterschiedlichen Zeiten problemlos dieselbe Kreuzung
überqueren können. Tun sie das zur selben Zeit, stoßen sie zusammen,
egal welch verquerte Überlegungen zur wahren Natur der Zeit man
anstellt.

Angesichts dieser Gedankengànge ergibt für mich ehrlich gesagt die
Aussage, daß die Lichtgeschwindigkeit in jedem Bezugssystem konstant
sei, momentan nicht mehr Sinn als eine Gleichung der Art '2 = 2'.



Du übersiehst, daß die Physik sehr viel mehr Messungen erklàrt als
zur Eichung der Meßapparate erforderlich sind.

Die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist nicht tautologisch, sondern
hat Konsequenzen, die experimentell wiederlegt werden könnten.

Seite 9, letzter Absatz

http://www.itp.uni-hannover.de/~dragon/stonehenge/relativ.pdf

Aberglaube bringt Unglück

www.itp.uni-hannover.de/~dragon

Ähnliche fragen