Was ist beim KKW Kruemmel passiert?

07/07/2009 - 20:37 von Ralf . K u s m i e r z | Report spam
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Moin!

Aus den entsprechenden Berichten von Vattenfall:

KKK Bericht Nr.: TKS/TKP 1521/2007
Reaktorschnellabschaltung durch kurzzeitigen Ausfall der
Eigenbedarfsversorgung aufgrund Kurzschluss in einem Maschinentrafo

Am 28.06.2007 um 15:02 Uhr trat ein Kurzschluss mit anschließendem
Brand an einem der beiden Maschinentransformatoren der Anlage Krümmel
auf. Die Maschinentransformatoren sind Bestandteil der elektrischen
Eigenbedarfsversorgung der Kraftwerksanlage.

Zeitlicher Ablauf
Zeit t[s] Maßnahme/Meldung
15:02:18,41 -1,72 Auslösung Diff. Schutz Maschinentransformator
AT01 (Überwachung Differenzstrom Ein-
/Austritt Transformator)
15:02:18,47 -1,66 380 kV Leistungsschalter AC01 Aus
[...]
15:02:18,83 -1,30 Auslösung Distanz Schutz Maschinentransformator
AT01/AT02 (Distanzschutz Stufe 1)
(entfernungsabhàngige Überwachung auf Überstrom)
15:02:18,86 -1,27 380 kV Leistungsschalter AC02 Aus
[...]
15:02:19,87 -0,26 Auslösung Distanzschutz Stufe 2
[...]
15:02:20,10 -0,03 Anregung TUSA durch Blockschutz
15:02:20,13 0,00 Auslösung Reaktorschnellabschaltung

KKK Arbeits-Bericht
Thema/Anlass
Reaktorschnellabschaltung durch kurzzeitigen Ausfall der
Eigenbedarfsversorgung aufgrund des Schadens an einem
Maschinentransformator am 04.07.09 um 12:02 Uhr

Zusammenfassung
Am 04.07.2009 um 12:02 Uhr kam es zum Kurzschluss am
Maschinentransformator AT02, der die Anregung der elektrischen
Schutzeinrichtungen des Transformators und des Generators zur Folge
hatte.
Durch die elektrischen Schutzanregungen wurde die Anlage durch Öffnen
der Leistungsschalter beider Transformatoren vom 380 kV-Netz getrennt
und die Langzeitumschaltung für alle Blockschienen 1BA / 2BB und 3BC /
4BD ausgelöst. Dies führte zur kurzzeitigen Spannungslosigkeit aller
Blockschienen. Über das Reaktorschutzkriterium „Spannung Blockschienen
2BB und 3BC < 70%" wurde 1s verzögert die Reaktorschnellabschaltung
ausgelöst.

Zeitlicher Ablauf
Zeit t[s] Maßnahme/Meldung
12:02:46,92 -1,28 Auslösung Diff. Schutz Maschinentrafo AT02
(Überwachung Differenzstrom Ein-/Austritt Trafo)
[...]
12:02:46,96 -1,24 380 kV Leistungsschalter AC02 Aus
[...]
12:02:47,01 -1,19 Auslösung Diff. Schutz Maschinentrafo AT01
(Überwachung Differenzstrom Ein- /Austritt Trafo)
[...]
12:02:47,06 -1,14 380 kV Leistungsschalter AC01 Aus
[...]
12:02:47,54 -0,66 Meldung Generator Stàndererdschluss
[...]
12:02:47,63 -0,57 Anregung TUSA durch Blockschutz
[...]
12:02:48,20 0,00 Auslösung Reaktorschnellabschaltung

Wieso kommt es 2009 /nach/ der jeweiligen Differentialschutzanregung
des fehlerbehafteten Trafos anschließend zu einer
Differentialschutzanregung des gesunden? Wieso hat 2007 auch noch der
Distanzschutz 2. Stufe ausgelöst, nachdem die 1. Stufe den
Leitungsstrom bereits weggeschaltet hatte (und warum überhaupt die 1.
Stufe: Es lag doch gar kein Leitungsfehler vor?)? Woher in aller Welt
kommt der Stàndererdschluß?

Warum werden die Trafos nach der Differentialschutzanregung nicht
unterspannungsseitig freigeschaltet? Die liegen schließlich parallel
am Netz, d. h. der Fehler wird auch nach der Abschaltung des
oberspannungsseitigen Leistungsschalters AC0x durch den anderen Trafo
über die beiden Generatorschalter unterspannungsseitig gespeist,
außerdem haben die Generatorschalter gar kein Leistungsschaltvermögen
und können den Kurzschlußstrom überhaupt nicht unterbrechen.

Da ist doch irgendwas oberfaul. Gab's vielleicht schon öfter mal
Durchschlàge in den Trafos, die dann ohne Netzabwurf durch
Kurzunterbrechungen behoben werden konnten, was der Normalfall sein
sollte, und nur diesmal hat es (wieder) geknallt, weil auch der andere
Netzzweig weggeschaltet wurde? Oder spinnt bei denen der Netzschutz
einfach? Also, normal ist das nicht...

Das fehlende Geràt war übrigens ein Teilentladungsmeßgeràt - ganz
nett, um sich durch stille Entladungen ankündigende Durchschlàge zu
erkennen, dürfte aber mit dem aufgetretenen Fehler nichts zu tun haben
- ich denke, daß Teilentladungen eigentlich nur beim Einschalten
kalter Trafos eine Rolle spielen. Die Ablösung von H.-D. Lucht ist
wohl eher ein Bauernopfer.

Die "überalterten verschlissenen Transformatoren" halte ich für ein
Màrchen. Da ist eigentlich nichts dran, was verschleißen und
irreparabel kaputtgehen könnte, das kann alles gewartet werden. Die
Trafos werden wohl eher ausgetauscht, um an den alten feststellen zu
können, ob und warum es darin Durchschlàge gegeben hat - bei dem
Ersatztrafo für den abgebrannten AT01 (bei dem es dahingehend dann
wohl nichts mehr zu untersuchen gab) handelt es sich auch übrigens um
einen Pool-Transformator, denn ein Neubau wàre wohl zu aufwendig und
langwierig gewesen.


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

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#1 Roland Damm
07/07/2009 - 23:53 | Warnen spam
Moin,

Ralf . K u s m i e r z schrub:





Frage ich mich auch.

Die "überalterten verschlissenen Transformatoren" halte ich für
ein Màrchen. Da ist eigentlich nichts dran, was verschleißen
und irreparabel kaputtgehen könnte, das kann alles gewartet
werden.



Haben die da damals einfach mal falsches Trafoöl aufgefüllt? Man
bedenke, dass die beiden Trafos sozusagen innerhalb von nur 2
Betriebswochen kaputt gegangen sind.

CU Rollo

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