Was könnte man gegen die totale Überwachung im Internet tun?

09/07/2014 - 13:57 von Mok-Kong Shen | Report spam
Vorgestern hörte ich einen Vortrag von Peter Schaar, der 10 Jahre lang
als Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
tàtig war, über die Frage, was man gegen die totale Überwachung im
Internet tun könnte. Soweit ich verstanden konnte, d.h. wenn ich mich
nicht irrte, konnte er nicht im Bereich der Technologie (Schaar sprach
auch über Gesetze und internationale Abkommen) konkret irgendwelche
praktische (politische, ökonomische, etc.) realisierbare und optimale
Maßnahmen gegen die totale Überwachung aufzeigen sondern lediglich auf
die folgenden allgemein bekannten Richtungen verweisen:
(1) Routing/Hosting ("Schengen Routing"), (2) Anonyme/pseudonyme
Nutzung, (3) Verschlüsselung.

Aber m.E. (1) ist schwierig/kostenspielig wirklich sicher zu machen,
wenn dies auf der Ebene einer Nation oder mehrerer Nationen realisiert
werden sollte, obwohl es unter Umstànden auf der Ebene einer
kommerziellen Firma bzw. einer staatlichen Behörde für begrenzte
Zwecke/Applikationen machbar ist, (2) ist schwierig wirklich sicher zu
machen (cf. mein Thread "Tor ist nicht sicher, oder?") oder sonst
ziemlich unbequem zu verwenden, (3) ist entweder schwierig sicher zu
machen und breite Anwenderakzeptanz zu kriegen (im Falle, daß eine
bestimmte Standard-Verschlüsselungssoftware zur Verwendung von allen
Leuten vorgeschrieben wird) oder sonst ist schwierig und/oder unbequem
für die allgemeinen Leute zu verwenden (im Falle von Diversitàt von zu
benutzenden Software, wegen dessen Mangel an Kenntnissen, die richtige
Verschlüsselungssoftware zu wàhlen und verwenden sowie wegen der
Anforderungen eines geeigneten Schlüssel-Managements).

Es scheint somit, daß die Masse der allgemeinen Leute in Sache der
Erosion ihrer Privatsphàre gar nichts anderes besseres tun könnte als
in Sache z.B. der alarmierenden globalen Klimaverànderungen, nàmlich
sich hinsetzen und all die bösen Geschehennissen zusehen aber sind
de facto vollkommen machtlos um irgendwas gegen diese zu unternehmen,
für welches das Adjektiv "effektiv" wert wàre.

M. K. Shen
 

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#1 Arno Welzel
09/07/2014 - 22:49 | Warnen spam
Mok-Kong Shen, 2014-07-09 13:57:

Vorgestern hörte ich einen Vortrag von Peter Schaar, der 10 Jahre lang
als Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
tàtig war, über die Frage, was man gegen die totale Überwachung im
Internet tun könnte. Soweit ich verstanden konnte, d.h. wenn ich mich


[...]
Es scheint somit, daß die Masse der allgemeinen Leute in Sache der
Erosion ihrer Privatsphàre gar nichts anderes besseres tun könnte als
in Sache z.B. der alarmierenden globalen Klimaverànderungen, nàmlich
sich hinsetzen und all die bösen Geschehennissen zusehen aber sind
de facto vollkommen machtlos um irgendwas gegen diese zu unternehmen,
für welches das Adjektiv "effektiv" wert wàre.



Das Problem liegt wohl auch an der Formulierung "was kann man tun".

Nicht "man" muss was tun, sondern jeder Einzelne. Aber es ist halt immer
bequemer, wenn der Staat oder andere Institutionen sich um das Problem
kümmern, damit "man" etwas getan hat.

z.B. PGP für E-Mail zu verwenden, ist durchaus auch Menschen zu
vermitteln, die keine technik-affinen Computergeeks sind. Dass
"Sicherheit" nicht völlig ohne Aufwand zu haben ist auch - es dürfte für
die meisten Menschen auch völlig akzeptabel sein, dass sie für das
Abheben von Geld am Bankautomaten eine persönliche Karte brauchen und
eine PIN eingeben müssen, weil es eben um den Schutz ihres Bankkontos
geht. Warum also nicht auch eine "PIN" zum Lesen von E-Mails, um sie vor
dem Mitlesen durch Dritte zu schützen?

Solange aber immer nur von "man muss etwas tun" geredet wird, passiert
exakt gar nichts.


Arno Welzel
http://arnowelzel.de
http://de-rec-fahrrad.de
http://fahrradzukunft.de

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