Weinbergs world - Physik als TrösterIn?

15/06/2008 - 20:10 von Thomas Richter | Report spam
Hallo,

den atheistisch geschulten Lesern sind ja Steven Weinbergs Äußerungen
sicher bekannt ("Ohne Religion würden gute Menschen Gutes tun und
böse Menschen Böses. Aber damit gute Menschen Böses tun, dafür bedarf
es der Religion." oder "Ich denke, dass ein enormer Schaden von der
Religion angerichtet wurde - nicht nur im Namen der Religion, sondern
tatsàchlich von der Religion." (I think enormous harm is done by
religion - not just in the name of religion, but actually by
religion.) - The Atheism Tapes / www.wikipedia.de).

Nun lese ich gerade von Ian.G.Barbour "Wissenschaft und
Glaube" und finde da "Weinberg sei der Auffassung, daß
wissenschaftliche Aktivitàt selbst die e i n z i g e Quelle des
Trosts in einer sinnlosen Welt sei":

"Je unbegreiflicher das Universum wird, um so sinnloer erscheint es
auch. Doch wenn die Früchte unser Forschung uns keinen Trost (!)
spenden, finden wir eine gewisse Ermutigung in der Forschung
selbst ... Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das
menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht
ihm einen Hauch von tragischer Würde." (S.Weinberg)

Dazu mal Folgendes dahergedacht:

1. Kritisch gesehen sei daß gewisse Kirchen Absolutheitsansprüche
stellen und Dogmen in die Welt setzen; ich finde ich es daher
unangebracht, daß Weinberg als Physiker etwas gleichartiges tut.

2. Aus ethnologischer Sicht wàre dazu zu sagen, es ist eine Ignoranz
gegenüber den anderen 3 Menschenbildern (pragmatisches M., natur-
wissenschaftliches, kreatives, metaphysisches - sinng. nach Wolters,
1999).

3. Ist es damit irrelevant, womit ich mich als Mensch beschàftige:
T r o s t kann ich schließlich "überall" ("sogar beim Alkohol" - frei
nach Udo Lindenberg ... ) finden.

4. Stellt Weinberg damit die NW über alles - und wenn ich mit der NW
schon nicht die Welt erklàren kann, dann bitte "zurück ins Glied".
(Das hàtte vor allem für Lehrer an Schulen hohe Konsequenzen!).

Salopp: Weinberg schießt sich damit ins Knie und übers Ziel hinaus -
seine außerordentlichen Leistungen als Physiker außen vor gelassen.

cu
Thomas
 

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#1 Ralf Callenberg
15/06/2008 - 20:39 | Warnen spam
15.06.2008 20:10, Thomas Richter:

Nun lese ich gerade von Ian.G.Barbour "Wissenschaft und
Glaube" und finde da "Weinberg sei der Auffassung, daß
wissenschaftliche Aktivitàt selbst die e i n z i g e Quelle des
Trosts in einer sinnlosen Welt sei":

"Je unbegreiflicher das Universum wird, um so sinnloer erscheint es
auch. Doch wenn die Früchte unser Forschung uns keinen Trost (!)
spenden, finden wir eine gewisse Ermutigung in der Forschung
selbst ... Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das
menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht
ihm einen Hauch von tragischer Würde." (S.Weinberg)

Dazu mal Folgendes dahergedacht:



"Dahergedacht" ist das richtige Wort hierfür. Aus diesem Zitat geht
keineswegs hervor, dass Weinberg die Wissenschaft als einzigen Trost
auffasst - nicht mal, dass er es überhaupt als Trost ansieht, ist diesem
Text zu entnehmen. Deine restlichen dahergedachten Überlegungen
erübrigen sich daher.

Gruß,
Ralf

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