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Wheeler gestorben

15/04/2008 - 10:33 von Harald Maedl | Report spam
Immerhin gab es eine kleine Randnotiz in der Zeitung und
erstaunlicherweise hat jemand in Wikipedia einen kleinen Eintrag über
das Schaffen des seinerzeit so wichtigen Physikers angelegt.
John Archibald Wheeler gilt als Vater des No-Hair-Theorems bei
schwarzen Löchern und selbst der Name "Black Hole" wird ihm
zugeschrieben. Insbesondere lag ihm auch eine Neuinterpretation der
Kopenhagener Deutung am Herzen.
Er war einer der wenigen noch Lebenden, die Einstein persönlich gekannt
hatten. Einsteins Relativitàtstheorie brachte er kurz auf einen Nenner
mit: "Die Materie bestimmt die Krümmung des Raums, und der Raum
bestimmt die Bewegung der Materie."

Wheeler soll ein streitbarer Wissenschaftler gewesen sein, über dessen
Thesen manch anderer Physiker sich nur wundern wollte. Aber dennoch,
lag er in vielen Dingen richtig, so z.B. beim Dipositronium. Hierbei
können sich ein Elektron und ein Positron zu einem
wasserstoffàhnlichem Atom verbinden und sogar Moleküle bilden. Bereits
vor über 60 Jahren von Wheeler vorhergesagt, gelang es letztes Jahr
erstmals, solche Dispositronium-Moleküle herzustellen.

War Wheeler zu anfangs ein Vertreter der Richtung, dass alles aus
Teilchen bestehe, so postulierte er in der zweiten Phase, dass alles
aus Feldern bestehen müsse, um in der dritten Phase zu verkünden, dass
alles aus Information bestehe.
War er zunàchst Vertreter der Geometrie, so wie Einstein etc sie
favorisiserten, so konvertierte er 1972 wieder mehr zum Mach'schen
Prinzip.
In Isenberg/Wheeler, 1979, "Inertia Here Is Fixed by Mass-Energy There
in Every W Modell Universe":
"Mystik and murksy is the measure many make of the meaning of Mach...
Inertia here caused by mass there? Did this twiddle guide Einstein to
general relativity...? Then close the door on the shameful parentage of
the child. Let no voice be heard but the field equitation - and
especially not the voice of Mach... At least I now understand what it
means to say that mass-energy there determines inertia here! Let me
give my thanks for that to Riemann, Mach, Einstein and all their
followers..."

Kurzum, Wheeler war widersprüchlich und widerspenstig und ich glaube,
er tendierte, je tiefer er in seine Forschung eindrang, zu der Meinung,
die schon Sokrates geàußert hatte und welches man in einem verkürztem
"Ich weiß, dass ich nicht weiß" wiedergeben kann.

Nun, es gàbe sicherlich noch viel über Wheeler zu erzàhlen, angefangen
von seiner Beteiligung in leitender Funktion bei der Entwicklung der
Wasserstoffbombe bis hin zu seinen Gedanken zu Schwarzen Löcher, der
Quantentheorie der Informationstheorie etc, so zeigt sich, dass gerade
Wissenschaftler, die nicht dem Main-Stream hinterherschwimmen, sondern
eigene Ideen entwickeln, dieses insgesamt für die Forschung sehr
nutzbringend sein kann.
Ich würde mir solche Wheelers auch für deutsche Universitàten wünschen.
Helmut Schmidt hat einmal sinngemàß gesagt "Wer Visionen hat, gehört in
die Klapsmühle", andererseits muss man wohl als Forscher um dem Motto
"Wo kàmen wir denn hin wenn jeder sagte: "Wo kàmen wir den hin?" und
keiner mehr ginge um nachzuschauen, wo man denn hinkàme" zu dienen,
wohl schon ein wenig verrückt sein.
In diesem Sinne

Grüße
Harald
 

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#1 Matthias Rosenkranz
15/04/2008 - 12:50 | Warnen spam
Harald Maedl schrieb:
Immerhin gab es eine kleine Randnotiz in der Zeitung und



Auf Spiegel-Online stand es auch:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/...45,00.html

Wheeler soll ein streitbarer Wissenschaftler gewesen sein, über dessen
Thesen manch anderer Physiker sich nur wundern wollte. Aber dennoch,
lag er in vielen Dingen richtig, so z.B. beim Dipositronium. Hierbei
können sich ein Elektron und ein Positron zu einem
wasserstoffàhnlichem Atom verbinden ...



Über das Positronium-"Atom" (nicht das Dipositronium-"Molekül") habe
ich einen Hauptseminar-Vortrag gehalten. Lange ist's her...

Gruß Matthias

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