Wie das iPhone mein Leben bereichert

06/04/2014 - 09:28 von Holger Marzen | Report spam
Ein Erfahrungsbericht und eine Warnung an alle, die sich über ihren
Androiden àrgern und zur iWelt wechseln wollen

Es hat mich erwischt. Aufgrund von Entscheidungen, die ich respektieren
muss, wurde mein Android (über den ich durchaus geflucht habe) durch ein
iPhone 5 ausgetauscht. Ich habe mich seelisch und moralisch darauf
vorbereitet, denn schließlich hatte ich ein gesundes Halbwissen aus
den Medien: Es wird mich einschrànken, aber alles funktioniert intuitiv,
und superschick ist es auch noch.

Management Summary:
90er Jahre Webdesign, inkonsistentes User Interface, mangelhafte
Funktionalitàt und wirksamer Schutz gegen Behebungsbemühungen durch den
Nutzer.

Details, die mir in den wenigen Tagen ausgefallen sind:

- Die Tastatur zeigt auch dann Großbuchstaben auf den Tasten, wenn sie
Kleinbuchstaben ausgibt. In welchem Modus sie ist, zeigt die linke
Shift-Taste, die üblicherweise vom linken Daumen verdeckt ist.

- Der Tastatur fehlen Cursortasten.

- Es làsst sich keine alternative Tastatur installieren.

- Icons für Apps lassen sich nicht ausblenden, auch wenn man sie
nirgendwo haben will und die App nicht deinstallieren kann, wie z.B.
die Aktien-App.

- Icons für Apps lassen sich nicht frei positionieren. Leere Positionen
zwischen den Apps sind nicht erlaubt.

- Das Mailprogramm zeigt nicht mehr Wörter pro Zeile an, wenn man das
Telefon querhàlt, sondern vergrößert die Schrift eigenmàchtig und
nicht abschaltbar. Versuche, die Schrift mit zwei Fingern zu
verkleinern bringen nicht mehr Wörter pro Zeile, und beim Loslassen
ist die Schrift wieder so riesig wie zuvor.
Es gibt nur ganz wenige Mailalternativen, die nicht fest an einen
Mailanbieter gebunden sind. Die Alternative Seed Mail verhàlt sich im
Querformat genauso bescheuert wie Apple Mail.

- Das Mailprogramm zeigt keine Header an. Jeder Depp kann mich anlügen
wie er will.

- Kein standardisierter "Zurück"-Knopf. Vorgesehene Funktion meist oben
statt unten. In manchen Apps je nach Funktion mal links oben, mal
rechts oben.

- Unsitte, auswàhlbare Bedienelemente nicht als Knopf zu kennzeichnen,
z.B. "Zurück"-Text. Generell 90er Jahre-Webdesign mit unterstrichenen
Wörtern als Knöpfe. Die Einstellung
Einstellungen -> Allgemein -> Bedienungshilfen -> Tastenformen
(hinterlegt Funktionswörter mit grauer Flàche) funktioniert selbst bei
Apple-eigenen Apps (z.B. SMS versenden) nur bei den oberen
Bedienelementen, nicht beim "Senden"-"Knopf".

- Keine Widgets (ohne Jailbreak), also keine Anwendungen, die eine
einstellbare Zahl von Feldern auf dem Bildschirm belegen und z.B. in
einer Reihe Uhrzeit, Datum, Wochentag und Wetter anzeigen.

- Wenn man einer App (z.B. Telegram) beim ersten Lauf nicht
gestattet, Push Messages zu verarbeiten, hat man erst mal verloren.
Einstellungen->Mitteilungen->Telegram belügt einen.
Man muss die App deinstallieren, EINEN TAG WARTEN und dann erst wieder
installieren.
(Hinweis: hat nicht funktioniert. Ich warte mal 48h. Unglàubige müssen
vermutlich lànger warten.)

- Das Geràt schaltet sich ungefragt ein, wenn
- man ein Ladekabel mit angeschlossenem Netzteil einsteckt.
- das Ladekabel bereits in PC und Geràt steckt und man den PC
einschaltet.


Natürlich hat das iPhone auch Vorteile gegenüber einem Androiden:

- CalDAV- und CardDAV-Sync funktionieren out of the box, ohne
Zusatz-Apps wie CalDAV Sync. Es ist überhaupt kein Problem, z.B. einen
dienstlichen Lotus Notes Kalender und zwei private Owncloud-Kalender
in einer Kalender-App einzublenden.

- Den Stecker des Ladekabels am Geràt kann man rumdrehen, und dann passt
er auch. Sehr praktisch.

Das war es auch schon.

Mein Auftrag in dieser Welt ist es, möglichst viel Elend und Leid zu
verhindern. Bitte nehmt es Euch zu Herzen: ehemalige Linuxer und
Android-Nutzer sind nicht für Steves iWelt geeignet. Wir jubeln nicht
über 90er Jahre UI-Design und sind nicht glücklich, die gröbsten
Schnitzer nicht mit alternativen Tastaturen und Launchern ausbügeln zu
können.

Es kann helfen, vor dem Wechsel einen Monat lang ein Bakelit-Telefon der
Post zu verwenden, eins mit Wàhlscheibe. Danach könnte einem ein iPhone
wie ein Fortschritt vorkommen.
 

Lesen sie die antworten

#1 Frank Kemper
06/04/2014 - 11:17 | Warnen spam
Holger Marzen wrote:
Ein Erfahrungsbericht und eine Warnung an alle, die sich über ihren
Androiden àrgern und zur iWelt wechseln wollen



Ich kann vieles von dem, was du schreibst, nachvollziehen. Die Beschrànkung
der Features ist eine Apple-Spezialitàt, die ihnen erst zum Erfolg
verholfen hat. Sie fàllt vor allem dann auf, wenn man von einem relativ
neuen Konkurrenzgeràt umsteigt - was man mal hatte, vermisst man,,wenn es
weg ist. Ich erinnere mich an Zeiten, als man als mittelpràchtig
beschlagener PC-Nutzer geschlagene zwei Wochen hingefrickelt hat, bis ein
Windows for PPC-Device das tat, was es sollte - und manches tat es einfach
nie. Gemessen daran ist iOS eine Offenbarung: Handy aus der Verpackung
nehmen, Karte rein, anschalten, Setup durchführen - nach zehn Minuten ist
man im Geschàft. Sicher, diesen Vorsprung haben aktuelle Androiden massiv
verkürzt, aber immer noch ist der Apple-Setup sensationell einfach und auch
für Dumbos selbsterklàrend. Und auch eins hat Apple sehr gut im Griff: Die
so genannte "Schwuppziditàt" - alles, was am iPhone laufen soll, làuft
geschmeidig und flüssig. Ich habe jetzt meinen dritten Androiden (nach
einem Google Nexus one und einem HTC one V habe ich jetzt ein Nexus 4). und
erst das Nexus 4 làuft so geschmeidig, wie es das Apple schon seit langem
schafft. Banale Sachen wie Facebook in der U-Bahn gingen mit Apple schon
immer - mit Android war es vor meinem Nexus 4 eine Quàlerei.

Meine Frau hat ein iPhone 4, und daran fallen mir zwei Sachen merkwürdig
auf: Gemessen mit einem neueren Android-Handy wirkt der Bildschirm einfach
nur winzig - und dennoch mache ich mit der winzigen iPhone-Tastatur weniger
Tippfehler als mit der Thick-Button-Tastatur meines Nexus. Die
Unmöglichkeit, eine alternative Tastatur zu installieren, ist übrigens ein
Sicherheitsfeature. So werden Tastaturen mit heimlich eingebauten
Keyloggern vermieden.

Für mich kommt dennoch kein iPhone in Frage. Die sind mir schlicht zu
teuer. Ein aktuelles iPhone 5s mit 16 GB kostet 750 Euro - ein Google Nexus
5, das in allen Belangen locker mithalten kann, kostet die Hàlfte. Und
doppelt so gut ist das iPhone sicherlich nicht.

Frank

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