Wieso können Objektive Fokussierungsfehler haben?

15/09/2014 - 10:37 von Tilmann Reh | Report spam
Guten Morgen zusammen,

bei Berichten zu (D)SLR-Objektiven liest man immer wieder von
fehlerhaften Fokussierungen (Front- oder Backfocus), teilweise auch von
deutlichen Streuungen innerhalb der Produktionsserien.

Mich interessiert, wieso diese Fehler dem Objektiv zuzuschreiben sind
und nicht der Kamera. Eigentlich sollte doch - zumindest mit AF - die
Kamera den Fokusmotor solange bewegen, bis das Bild auf den AF-Sensoren
scharf abgebildet ist. Das müßte vom Objektiv völlig unabhàngig sein
(solange man sich im fokussierbaren Bereich bewegt), und die
anschließend gemachten Fotos sollten dann grundsàtzlich scharf sein,
weil die AF-Sensoren in derselben optischen Ebene wie der Bildsensor liegen.

Fehlerhafte Fokussierung könnte daher m.E. nur daher kommen, daß die
AF-Sensoren und der Bildsensor eben doch nicht korrekt in einer
optischen Ebene liegen - dann wàre Fehlfokus aber ausschließlich ein
Kamera-Thema und unabhàngig vom Objektiv. Dafür spricht auch, daß einige
Kameras eine Mikrofocus-Einstellung haben, um derartiges zu korrigieren
- verwundert bin ich allerdings dann darüber, daß diese Einstellung wohl
wiederum Objektiv-abhàngig ist...

Wie kann es also dazu kommen, daß der AF auf seine Sensoren scharf
stellt, ein anschließend gemachtes Foto aber trotzdem zu kurz oder zu
lang fokussiert ist - und dieser Fehler vom Objektiv kommt?

Vielen Dank für Erhellung,
Tilmann
 

Lesen sie die antworten

#1 Christoph Schmitz
15/09/2014 - 11:00 | Warnen spam
Am 15.09.14 10:37, schrieb Tilmann Reh:
Guten Morgen zusammen,

bei Berichten zu (D)SLR-Objektiven liest man immer wieder von
fehlerhaften Fokussierungen (Front- oder Backfocus), teilweise auch von
deutlichen Streuungen innerhalb der Produktionsserien.

Mich interessiert, wieso diese Fehler dem Objektiv zuzuschreiben sind
und nicht der Kamera. Eigentlich sollte doch - zumindest mit AF - die
Kamera den Fokusmotor solange bewegen, bis das Bild auf den AF-Sensoren
scharf abgebildet ist.



Ganz so einfach ist es nicht. Beim Phasenkontrast-Autofokus kann
die Kamera nicht nur feststellen, *ob* das Bild scharf ist, sie
kann auch messen, in welche Richtung die Bildebene (also die
Ebene, in der ein scharfes Bild projeziert wird) von der
Sensorebene abweicht und wie weit. Das ist der Grund, warum der
AF bei Spiegelreflexkameras so schnell ist. Die Kamera muss
naemlich nicht lange nach der Schaerfe suchen, sondern kann
(zumindest wenn die Fokussierung nicht total danebenliegt) dem
Objektiv direkt sagen "Bildebene bitte 3 mm nach hinten". Wenn
sie nach Ausfuehrung dieses Kommandos ohne weitere Messung
sofort ausloest (ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich so
gemacht wird), dann spielt die Genauigkeit der Verstellung eine
grosse Rolle.

Christoph

Ähnliche fragen