Wozu werden IP-Adressen dynamisch vergeben?

01/03/2014 - 15:06 von dseppi | Report spam
Hallo allesamt!

Bei den meisten ISP im Privatkundenbereich ist es die Regel,
daß IPv4-Adressen per DHCP vergeben werden und regelmàßig
(meistens pro Einwahl oder mindestens einmal pro Tag) wechseln.
Bei der Suche nach dem Hintergrund bin ich hauptsàchlich auf zwei
Erklàrungen gestoßen:

1. Der ISP benötigt weniger Adressen, da er nicht mehr für jeden
Kunden eine benötigt, sondern nur mehr genug, um alle versorgen
zu können, die zur gleichen Zeit online sind.

2. Die Privatsphàre der Kunden wird erhöht, da man von einer
IP-Adresse schwerer auf eine Person schließen kann.

1. ist aber nur dann relevant, wenn sowohl ein ausreichend großer Teil
der Kunden regelmàßig eine làngere Zeit pro Tag offline ist, als auch
diese Offline-Zeit stark genug zwischen den Kunden variiert.
Das mag ja bei (hauptsàchlich früher oder im Mobilfunk üblichen)
Tarifen, die von der Onlinezeit abhàngen, noch gegeben sein, bei
Flatrates wird das aber wohl immer seltener. Oft genug hat man daheim
einen Router, der 24/7 online ist.

2. ist zwar auch heute noch gegeben, ist aber IMHO nie Ziel des
Providers gewesen, sondern einfach ein Nebeneffekt der Problemlösung
für 1. Solange der Provider nicht Werbung mit der Anonymitàt macht,
könnte es ihm ja völlig egal sein, wie leicht seine Kunden über
die IP-Adresse identifizierbar sind. Diese Werbung kann ich aber
kaum wahrnehmen.
Manche Provider vergeben auch durchaus inoffiziell "statische" Adressen
(per DHCP zugewiesene Adressen, die alle Jubeljahre einmal wechseln,
weil die Netzinfrastruktur gröber umgebaut wird), wodurch gezeigt
wird, daß man dadurch keinen nennenswerten Ärger bekommt.

Viele Provider haben also anscheinend noch andere Motive für
tàglich (oder pro Einwahl) wechselnde IP-Adressen. Worin bestehen die?
Niedrigerer Verwaltungsaufwand, weil der DHCP-Server einfach beliebig
vergeben kann? Das scheint die Provider, die immer die gleichen
Adressen vergeben, aber nicht zu interessieren.
Oder einfach „das war schon immer so”?

David Seppi
1220 Wien
 

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#1 Juergen Ilse
01/03/2014 - 17:21 | Warnen spam
Hallo,

David Seppi wrote:
Bei den meisten ISP im Privatkundenbereich ist es die Regel,
daß IPv4-Adressen per DHCP vergeben werden und regelmàßig



Nein. Dynamisch ja, aber zumindest bei DSL oder Mobilfunk nicht per
DHCP. Bei DSL wird i.d.R. PPPoE verwendet, und die IP-Adressen dem-
entsprechend per IPCP vergeben. Bei Mobilfunk kommt normalerweise
ebenso PPP zum Einsatz, dementsprechend wird auch dort fuer die
IP-Zuweisung IPCP und nicht DHCP verwendet.

(meistens pro Einwahl oder mindestens einmal pro Tag) wechseln.



Bei DSL hatte die "Zwangstrennung" mindestens einmal taeglich (auch)
Abrechnungsgruende (man erzwang damit mindestens einmal pro Tag eine
Meldung im Radius-Log mit Daten wie Verbindungsdauer und uebertragenem
Datenvolumen). Spaeter in "Flatrate-Zeiten" wurde das dann beibehalten
(vermutlich um regelmaessige IP-Adressaenderungen zu erreichen, denn
hinter diesen Anschluessen sollen i.d.R. keine oeffentlichen Dienste
wie Webser betrieben werden).

Bei der Suche nach dem Hintergrund bin ich hauptsàchlich auf zwei
Erklàrungen gestoßen:
1. Der ISP benötigt weniger Adressen, da er nicht mehr für jeden
Kunden eine benötigt, sondern nur mehr genug, um alle versorgen
zu können, die zur gleichen Zeit online sind.



Das war in den Zeiten der zeitabhaengigen Abrechnung mal der Fall,
in Zeiten von Flatrates sind jedoch fast immer alle Kunden online,
so dass es hier kein wirkliches Einsparpotential mehr gibt.

2. Die Privatsphàre der Kunden wird erhöht, da man von einer
IP-Adresse schwerer auf eine Person schließen kann.



Das spielt wohl eher nicht wirklich eine Rolle (es wuerde mich wundern,
wenn das wirklich einmal ein wesentlicher Grund fuer den ISP gewesen
waere ...).

Oder einfach „das war schon immer so”?



Frueher gab es durchaus auch Vertraege, die das anbieten von Netzwerk-
diensten verboten haben, nur lies sich so etwas nur schwer komtrollieren.
Wenn man allerdings fuer eine regelmaessige Aenderung der IP-Adressen
sorgt, wird das zuverlaessige anbieten von Diensten (die ueblicherweise
ja auch ueber DNS-Namen referenziert werden) schwieriger.

Tschuess,
Juergen Ilse ()
Ein Domainname ist nur ein Name, nicht mehr und nicht weniger.
Wer mehr hineininterpretiert, hat das Domain-Name-System nicht
verstanden.

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