X11 remote langsam, RDP schnell

31/10/2010 - 02:56 von Andreas M. Kirchwitz | Report spam
Hallo!

Zu Hause am Computer möchte ich gelegentlich Applikationen (mit GUI)
remote starten und deren Ausgabe (Fenster) lokal angezeigt bekommen.
Beispielsweise einen Web-Browser wie Firefox.

X11-Programme werden heutzutage angenehmerweise automatisch über SSH
getunnelt, doch leider ist das schrecklich zàh. Delay (RTT) liegt bei
etwa 20-25 ms. Es macht kaum einen spürbaren Unterschied, ob man
langsames DSL oder schnelles VDSL verwendet. Es bleibt eine Qual.
Sinnvoll arbeiten kann man damit nicht.

Ich könnte schwören, vor meinetwegen 10 Jahren ließen sich umgeleitete
X11-Programme erheblich flüssiger bedienen, und zwar über simples ISDN.
Das Delay war damals nicht besser als jetzt. Wieso war X11 früher
remote super zu benutzen? Warum ist es heutzutage remote unbrauchbar?

Woran liegt das? An der Bandbreite liegt's offenbar nicht. Am Delay?
Gehen da wirklich so viele Pakete hin und her? Heute mehr als damals?
Kann man das nicht optimieren?

Bisher nahm ich an, es làge am rottigen DSL, dass moderne GTK-basierte
Applikationen hakelig sind. Ist ja viel Grafikschnickschnack. Aber mit
großer Enttàuschung stelle ich nun fest, es lag nie an der Bandbreite.

Neidisch schaue ich dann auf Freunde, die sich per rdesktop (RDP)
den gesamten Desktop eines Windows-Servers remote über SSH nach Hause
tunneln. Brute force. Der darin gestartete Internet Explorer oder das
Office lassen sich wundersamerweise recht passabel bedienen. Um Welten
besser als meine umgeleiteten X11-Programme.

Dachte immer, X11 wàre dazu geschaffen, um Applikationen auch remote
benutzen zu können. Wann ist dieses Feature verloren gegangen?

Da ich lokal und remote Linux verwende (nix Windows-Server), kam mir
der Gedanke, ob man die Ausgabe der X11-Applikationen nicht über das
anscheinend bessere RDP tunneln kann. ;-) Wenn's sein muss, starte
ich lokal auch gern "rdesktop". Allerdings müsste dann ja die
Gegenseite auch so was wie einen X11-Desktop mit RDP-Anbindung
bereitstellen. Ergibt das Sinn?

Von NoMachine/NX habe ich schon gehört. Mein Fedora 13 bietet mir
das originale NX (3.3.0) als auch FreeNX (0.9/0.7.3) an. FreeNX
scheint mir sympathischer zu sein, aber dass es seit über 2 Jahren
keine Updates gab, macht mich etwas stutzig. Und wo bei NoMachine
nun eigentlich der Unterschied zwischen Free Edition und den
kommerziellen Versionen ist, habe ich noch nicht verstanden.
Irgendwie sieht das ganze NX-Zeug für mich ohnehin wie Gefrickel aus.
Warum zum Teufel muss ich mir noch so ein Ding installieren, wenn es
doch schon X11 und RDP gibt? Reicht das denn nicht? Ich will doch
nur gelegentlich eine Applikation remote benutzen. Dachte nicht,
dass dies im Jahr 2010 ein so großes Problem sein würde ...

Enttàuscht ... Andreas
 

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#1 Bernd Hohmann
31/10/2010 - 11:26 | Warnen spam
On 31.10.2010 02:56, Andreas M. Kirchwitz wrote:

Ich könnte schwören, vor meinetwegen 10 Jahren ließen sich umgeleitete
X11-Programme erheblich flüssiger bedienen, und zwar über simples ISDN.



Bei ner Auflösung von 800x600 bestimmt.

Neidisch schaue ich dann auf Freunde, die sich per rdesktop (RDP)
den gesamten Desktop eines Windows-Servers remote über SSH nach Hause
tunneln. [...]



RDP nutzt viel Bitmapcaching und andere lustige Sachen.

Wenn Du das unter X11 haben willst: http://xrdp.sourceforge.net/ (das
hab ich aber nie an den Start gebracht).

Von NoMachine/NX habe ich schon gehört. Mein Fedora 13 bietet mir
das originale NX (3.3.0) als auch FreeNX (0.9/0.7.3) an. FreeNX
scheint mir sympathischer zu sein, aber dass es seit über 2 Jahren
keine Updates gab, macht mich etwas stutzig.



Aktuell ist NX* 3.4.0
http://www.nomachine.com/select-pac...&ids=2

freeNX http://freenx.berlios.de/ ist eine separate Entwicklung basierend
auf dem unter GPL freigegebenen NX core, anscheinend waren/sind bei NX
paar binary-only oder nicht unter GPL stehende Sachen dabei.

Aber den Sourcecode des "orginalen" NX kann man sich ziehen.

Und wo bei NoMachine nun eigentlich der Unterschied zwischen Free
Edition und den kommerziellen Versionen ist, habe ich noch nicht
verstanden.



Bei der "free forever" Version können 2 Leute auf den gleichen
Unix-Desktop zugreifen. Die kommerziellen Versionen haben da noch eine
Virtual Desktop Verwaltung dabei und laufen auch unter Windows (so les
ich das heraus). Also nix, was man so im tàglichen Gebrauch anwenden könnte.

Irgendwie sieht das ganze NX-Zeug für mich ohnehin wie Gefrickel aus.



Da NX keine eigenstàndige Remote-Desktop Lösung ist sondern "nur" ein
Proxy ist, der sich zwischen einen X11 Server und X11 Client (oder auch
VNC) klemmt, ist das auch bisserl Gefrickele.

Aber ich habs schon lànger im Einsatz und bin mehr als zufrieden damit.

Bernd

Wenn Frauen nicht wissen was sie machen sollen, ziehen sie sich aus ...
Und wenn Mànner nicht wissen, was sie machen sollen, dann schauen sie
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